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02.09.2010
 

Spanien-Tourismus

Mehr Touristen, weniger Geld

Tourismus: Wieder mehr Besucher in Spanien
Fotos
Getty Images

Nach dem drastischen Einbruch im vergangenen Jahr erlebt der Tourismus in Spanien diesen Sommer wieder einen Aufschwung. Doch die Freude darüber ist nicht ungetrübt: Der Zustrom wurde mit starken Preisnachlässen und Sonderrabatten erkauft.

Madrid - Die Hotels auf Mallorca und an der Costa Brava sind fast ausgebucht, an den Badestränden drängeln sich die Urlauber. In den spanischen Feriengebieten ist es beinahe wieder so wie in der guten Zeit vor der Wirtschaftskrise. Die Touristen, die dem Ferienland vor einem Jahr den Rücken gekehrt hatten, haben Spanien in diesem Sommer wiederentdeckt.

Im Juli stieg die Zahl der ausländischen Urlauber in Spanien im Vergleich zu Juli 2009 um 4,5 Prozent auf sieben Millionen. Mallorca und die anderen Baleareninseln feierten nach dem Krisensommer 2009 ein besonders spektakuläres Comeback. Auf der Inselgruppe wurden im Juli 1,7 Millionen Touristen gezählt - 9,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Für den Monat August erwartet die Branche einen ähnlichen Anstieg.

Dennoch brechen die Hoteliers, Restaurantbesitzer oder Andenkenverkäufer nicht in Jubel aus. Zum einen haben sie den Zustrom mit erheblichen Preisnachlässen und Sonderrabatten erkauft. "Es fehlt uns nicht an Gästen, aber es kommt weniger Geld in die Kassen als in früheren Jahren", sagte Joan Antoni Padró vom Hotelier-Verband an der Costa Dorada der Zeitung "El País".

Die Zimmerpreise der spanischen Hotels liegen im Durchschnitt ein Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Branche leidet auch noch unter dem schlechten Start der Reisesaison. Daher liegt die Gesamtzahl der Touristen in den ersten sieben Monaten des Jahres noch 0,4 Prozent unterhalb des Vorjahreswerts.

Vor einem Jahr hatte der Tourismus in Spanien den schlimmsten Einbruch in seiner Geschichte erlebt. Die Urlauberzahl ging um 8,7 Prozent auf 52 Millionen und damit auf den Stand von 2003 zurück. Die Spanier waren es bis dahin gewohnt gewesen, dass die Touristenzahlen Jahr für Jahr auf neue Rekordwerte stiegen. Zeitweise war Spanien hinter Frankreich sogar zum zweitwichtigsten Reiseland der Welt aufgestiegen. Den zweiten Platz musste das Land mittlerweile an die USA abtreten.

Motor der spanischen Wirtschaft

Auch dieses Jahr begann alles andere als vielversprechend. Im März hielten Schnee und Frost viele Urlauber von Spanien-Besuchen ab. Danach brachte die Vulkanasche aus Island den europäischen Flugverkehr durcheinander. Für August drohten die spanischen Fluglotsen mit einem Streik, der dann aber abgewendet werden konnte.

In diesem Sommer konnte der Tourismus den Abwärtstrend nun umkehren. Er ist mit einem Anteil von gut zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts der wichtigste Sektor des Landes und nach dem Zusammenbruch des Baubooms der einzige funktionierende Motor der spanischen Wirtschaft.

Allerdings weist die Branche einige strukturelle Schwächen auf. "Wir haben ein Überangebot an Hotelzimmern", sagt José Luis Zoreda, Vizepräsident der Tourismus-Lobby Exceltur. "Trotz der Krise öffneten seit Jahresbeginn etwa hundert neue Herbergen ihre Tore. Das drückt auf die Preise."

Zudem halten Experten die immer noch vielfach verwendete Formel "sol y playa" (Sonne und Strand) für überholt. Reine Badeferien werden in Ländern wie der Türkei oder Kroatien längst zu Preisen angeboten, mit denen Spanien kaum konkurrieren kann. Mit der Überwindung der "Monokultur" des Badetourismus tun die Spanier sich jedoch schwer. Nur vereinzelt gelingt es, mit verbesserten Angeboten von Kultur und Kongressen mehr zahlungskräftige Urlauber ins Land zu locken.

Hubert Kahl, dpa

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