26. Juni 2003, 11:58 Uhr

Ungarns Nordosten

Palmen in der Puszta

Pferde- und Schafhirten in bunter Tracht, Erlauer Stierblut und Palatschinken - das Idyll der Puszta ist etwas abgenutzt. Der Nordosten Ungarns versucht die rückläufigen Touristenzahlen durch Wellness- und Gesundheitsangebote zu stoppen.

Ungarischer Cowboy: Pferdehirten wie Miklós beherrschen ihr Pferd in allen Lagen
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Ungarischer Cowboy: Pferdehirten wie Miklós beherrschen ihr Pferd in allen Lagen

Hajdúszoboszló - Wenn Miklós mit seinem Fünfergespann in hohem Tempo über die Puszta sprengt, spenden ihm die Zuschauer Beifall. Es ist schon ein Kunststück, sich im Galopp auf dem Rücken der zwei hinteren Pferde hoch erhobenen Hauptes auf den Beinen zu halten. Der blaue Hosenrock, das schwarze Wams und der breitkrempige Hut mit der keck wippenden Feder geben dem ungarischen Pferdehirten ein wild-romantisches Aussehen. In seiner Tracht ist Miklós ein ganz typischer Vertreter seiner Heimat, des Naturparks Hortobágy.

Baumlos erstreckt sich die Tiefebene im Nordosten Ungarns. In unregelmäßigen Abständen sind reetgedeckte Ställe zu sehen, die Zackelschafe beherbergen. Die Hörner der Böcke wirken wie kunstvoll gedrechselter Kopfschmuck. In der Steppe grasen Graurinder, ein wenig abseits ist ein hölzerner Ziehbrunnen zu sehen, an dem ein Schafhirte in seiner traditionellen weißen Tracht lehnt.

Die moorig-braunen Fluten sollen Rheumabeschwerden lindern: Heilbad Hajdúszoboszló
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Die moorig-braunen Fluten sollen Rheumabeschwerden lindern: Heilbad Hajdúszoboszló

All das wirkt wie eine Idylle voller Klischees, doch die Puszta ist tatsächlich so - jedenfalls meistens. Hoch auf einer Pferdekutsche sitzend, genießen sechs Touristen aus Berlin die Aussicht, bis das Handy der Budapester Reiseleiterin sie mit einem schrill intonierten ungarischen Tanz von Johannes Brahms aus ihren Träumen reißt. "Det war der fünfte Tanz. Der jefällt mir besonders jut", amüsiert sich einer.

In der Czárda am Rande des Parks brummt es um die Mittagszeit. Gläser mit feurigem Puszta-Cocktail, der mehr als nur ein Quäntchen Tokajer enthält, machen hier die Runde. "Immer trinken", rät der Wirt, "das ist reine Medizin." Anschließend gibt es Gulaschsuppe aus kleinen blanken Kupferkesseln. Die Czárda diente einst als Pferdewechselstation, auf der Kutscher und Fahrgäste während ihrer Reisen durch Wald und Feld für ein paar Stunden verschnauften.

Der Nordosten Ungarns versucht derzeit, den Trend der rückläufigen Besucherzahlen durch neue Attraktionen und Programme speziell im Wellness- und Gesundheitsbereich zu stoppen - zum Beispiel in Hajdúszoboszló. Hinter diesem für deutsche Zungen fast unaussprechlichen Namen verbirgt sich ein Badeort: Über eine Fläche von 30 Hektar verteilen sich große Becken mit Heilwasser. Die warmen, moorig-braunen Fluten eignen sich speziell zur Linderung rheumatischer Beschwerden. Rund um das Heilbad wurden zahlreiche Frischwasserpools geschaffen. Ein von Palmen gesäumter Sandstrand erinnert sogar an mediterrane Gestade.

Ungarischer Palmenstrand: Neue Angebote im Wellness- und Gesundheitsbereich soll Touristen wieder in die Puszta locken
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Ungarischer Palmenstrand: Neue Angebote im Wellness- und Gesundheitsbereich soll Touristen wieder in die Puszta locken

Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich ein anderer Badetempel, diesmal unter einer Felsenkuppel: das Höhlenbad von Miskolc-Tapolca, das im Wortsinne "grotesk" ist: Hier reiht sich eine mit Thermalwasser gefüllte Grotte an die nächste. Die farbig angestrahlten bizarren Felsformen in den Nischen verleihen dem Bad eine geheimnisvolle Aura.

In diesem Teil Ungarns sprudelt, blubbert und zischt es vielerorts aus dem Boden. Wo nach Öl gebohrt wurde, stieß man nahezu überall auf Heilwasser. Deshalb werden nun Kur und Kultur unter einen Hut gebracht, frei nach dem Motto "Von der Puszta in die Therme."

Nicht nur die Puszta bestimmt die Landschaft des ungarischen Nordostens, die Vielfalt ist groß: Flache Landstriche gehen nahtlos in sanft hügelige und dann bergige Regionen über. Auf Hecken- und Buschlandschaften folgen schattige Mischwälder. Und in den Weinbergen von Eger wird Ungarns bester Rotwein, das "Erlauer Stierblut", angebaut und in den Gaststätten originalgetreu aus gläsernen Ballons ausgeschenkt.

Barockstadt Eger: Das Minarett erinnert an die türkische Herrschaft im 17. Jahrhundert
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Barockstadt Eger: Das Minarett erinnert an die türkische Herrschaft im 17. Jahrhundert

Eger ist eine reizvolle Barockstadt. Von der Besatzung durch die Türken im 17. Jahrhundert zeugt ein 35 Meter hohes Minarett, das der Stadt ein exotisches Flair verleiht. Ein weiteres "Schatzkästchen" ist Hollokö, ein Dorf mit alten Häusern, die über Veranden voller Blumen geschnitzte Giebel verfügen. Das Dorf wurde bereits 1987 von der Unesco in die Liste der Weltkulturerbes aufgenommen. Den Tag in der Tiefebene und den Weinbergen lassen viele Urlauber in gemütlichen Lokalen ausklingen, in denen neben ungarischem Wein echter Palatschinken serviert wird.

Von Uta Buhr, gms


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