Ungarischer Cowboy: Pferdehirten wie Miklós beherrschen ihr Pferd in allen Lagen
Hajdúszoboszló - Wenn Miklós mit seinem Fünfergespann in hohem Tempo über die Puszta sprengt, spenden ihm die Zuschauer Beifall. Es ist schon ein Kunststück, sich im Galopp auf dem Rücken der zwei hinteren Pferde hoch erhobenen Hauptes auf den Beinen zu halten. Der blaue Hosenrock, das schwarze Wams und der breitkrempige Hut mit der keck wippenden Feder geben dem ungarischen Pferdehirten ein wild-romantisches Aussehen. In seiner Tracht ist Miklós ein ganz typischer Vertreter seiner Heimat, des Naturparks Hortobágy.
Baumlos erstreckt sich die Tiefebene im Nordosten Ungarns. In unregelmäßigen Abständen sind reetgedeckte Ställe zu sehen, die Zackelschafe beherbergen. Die Hörner der Böcke wirken wie kunstvoll gedrechselter Kopfschmuck. In der Steppe grasen Graurinder, ein wenig abseits ist ein hölzerner Ziehbrunnen zu sehen, an dem ein Schafhirte in seiner traditionellen weißen Tracht lehnt.
Die moorig-braunen Fluten sollen Rheumabeschwerden lindern: Heilbad Hajdúszoboszló
In der Czárda am Rande des Parks brummt es um die Mittagszeit. Gläser mit feurigem Puszta-Cocktail, der mehr als nur ein Quäntchen Tokajer enthält, machen hier die Runde. "Immer trinken", rät der Wirt, "das ist reine Medizin." Anschließend gibt es Gulaschsuppe aus kleinen blanken Kupferkesseln. Die Czárda diente einst als Pferdewechselstation, auf der Kutscher und Fahrgäste während ihrer Reisen durch Wald und Feld für ein paar Stunden verschnauften.
Der Nordosten Ungarns versucht derzeit, den Trend der rückläufigen Besucherzahlen durch neue Attraktionen und Programme speziell im Wellness- und Gesundheitsbereich zu stoppen - zum Beispiel in Hajdúszoboszló. Hinter diesem für deutsche Zungen fast unaussprechlichen Namen verbirgt sich ein Badeort: Über eine Fläche von 30 Hektar verteilen sich große Becken mit Heilwasser. Die warmen, moorig-braunen Fluten eignen sich speziell zur Linderung rheumatischer Beschwerden. Rund um das Heilbad wurden zahlreiche Frischwasserpools geschaffen. Ein von Palmen gesäumter Sandstrand erinnert sogar an mediterrane Gestade.
Ungarischer Palmenstrand: Neue Angebote im Wellness- und Gesundheitsbereich soll Touristen wieder in die Puszta locken
In diesem Teil Ungarns sprudelt, blubbert und zischt es vielerorts aus dem Boden. Wo nach Öl gebohrt wurde, stieß man nahezu überall auf Heilwasser. Deshalb werden nun Kur und Kultur unter einen Hut gebracht, frei nach dem Motto "Von der Puszta in die Therme."
Nicht nur die Puszta bestimmt die Landschaft des ungarischen Nordostens, die Vielfalt ist groß: Flache Landstriche gehen nahtlos in sanft hügelige und dann bergige Regionen über. Auf Hecken- und Buschlandschaften folgen schattige Mischwälder. Und in den Weinbergen von Eger wird Ungarns bester Rotwein, das "Erlauer Stierblut", angebaut und in den Gaststätten originalgetreu aus gläsernen Ballons ausgeschenkt.
Barockstadt Eger: Das Minarett erinnert an die türkische Herrschaft im 17. Jahrhundert
Von Uta Buhr, gms
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