Remstal: Obstwiesen, Weinreben und kleine verwinkelte Städtchen
Das Remstal ist das Naherholungsgebiet der Region Stuttgart. Von ihrem Ursprung bei Essingen im Ostalbkreis bis zur Mündung in den Neckar bei Neckarrems fließt die Rems 80 Kilometer lang an Streuobstwiesen, Wäldern und grünen Auen vorbei, entlang an Weinbergen und durch verwinkelte Dörfer und Städtchen.
Die Obstbaumblüte im Frühjahr ist ein Erlebnis, ebenso der Herbst, wenn die Rebstöcke voller Trauben hängen. Und nach der Lese der Trauben, die Spitzen-Weingärtner wie Ellwanger in Winterbach, Haidle und Beurer in Stetten, Klopfer und Ellwanger in Großheppach, Kuhnle in Strümpfelbach, Aldinger und Schnaitmann in Fellbach oder Schwegler in Korb anbauen, schillert das Laub der Reben in allen Farben.
Dreiklang aus Natur, gutem Essen und feinen Weinen
"Komma, gugga, schmecka, schlotza" - was sich wie die schwäbische Variante von Cäsars "veni, vidi, vici" anhört, ist Motto des Remstals und die Aufforderung, sich in diesem Landstrich östlich von Stuttgart vom Dreiklang aus Natur, gutem Essen und feinen Weinen verwöhnen zu lassen. Schlotzen steht im Schwäbischen für Wein trinken. Nicht umsonst gilt das Tal als vinologisches Zentrum und die Wiege von Württemberg.
Waiblingen: Mit ihren alten Fachwerkhäuser und historischen Stadtmauer gehört die Stadt zur "Deutschen Fachwerkstraße"
Bedeutsam ist auch das im Jahr 885 in einer Urkunde des Karolinger-Kaisers Karl III. erstmals erwähnte Waiblingen: Mit dem Schlachtruf "Hie Welf, hie Waibling!" trugen die mächtigen Staufer den Namen der heutigen Kreisstadt nach ganz Europa. Die historische Stadtmauer mit ihren gut erhaltenen Tortürmen und die Fachwerkhäuser führten zur Aufnahme Waiblingens in die "Deutsche Fachwerkstraße".
Daimler als Falschmünzer vertrieben
Sehenswert ist im Remstal unter anderem der Limes in Schwäbisch Gmünd, das jeden Sommer zum Festival "Europäische Kirchenmusik" einlädt. Oder Lorch mit seinem romanischen Kloster. Flussabwärts folgt Schorndorf, der Geburtsort von Gottlieb Daimler. Ihn hielten die Leute wegen seiner nächtlichen Versuche mit dem "leichten, schnelllaufenden Benzinmotor" für einen Falschmünzer, weshalb er seine Erfinderwerkstatt nach Bad Cannstatt verlegte. Aus Geradstetten kommt dagegen der "Spätzles-Schwob", eine Presse, die die schwäbische Speise wie handgeschabt auf den Teller bringt.
Bei einer Stadt ist der Name Programm: Weinstadt liegt im Herzen des Remstals, umgeben von den Hängen des Schurwalds, von Obstwiesen und Weinbergen. Es gehört zu den führenden Weinbauzentren Württembergs. Selbst die Pietisten, die im Remstal zu Hause sind, trinken öfters ein Viertele Riesling und pflegen dann zu sagen: "Wenn der Wein nicht ein Geschenk Gottes wäre, könnten wir ihn noch viel besser verachten."
Von Wolf Günthner, gms
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