100.000 Hektar groß Niederlande planen künstliche Tulpen-Insel

Eine Tulpe statt einer Palme – wie Dubai wollen auch die Niederlande eine künstliche Insel erbauen. Nach Plänen des Premierministers soll das rund zehn Milliarden Euro teure Bauprojekt Platz für überfüllte Städte schaffen und die Küste schützen. Umweltschützer sind entsetzt.


Das Nationalsymbol der Niederlande wird noch aus dem Weltall erkennbar sein – sollte Jan Peter Balkenendes Vision wahr werden. Dann würde vor der Nordseeküste eine rund 50 Kilometer lange künstliche Insel in Form einer Tulpe liegen. Wie die "The Sunday Times" berichtete, hat der niederländische Premierminister für das rund zehn Milliarden Euro schwere Bauprojekt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse bis zum 17. Januar vorliegen sollen.

Die zwischen 50.000 und 100.000 Hektar große Insel soll an der Küste von Randstad entstehen. Das neu gewonnene Land böte Platz für Landwirtschaft, ein Naturschutzgebiet und Wohnungsbau in der am dichtesten besiedelten Region der Niederlande. Außerdem soll die Insel einen Schutzwall für die empfindliche Küste bilden, sagte Joop Atsma, Mitglied von Balkenendes Partei CDA, der die Idee ausgebrütet hat. "Die Leute stapeln sich in den Niederlanden", sagt Atsma, "wir sind hungrig nach Land." Er argumentiert, dass die Hälfte der rund 16 Millionen Niederländer in Gebieten leben, die unter dem Meeresspiegel liegen.

Die Niederländer haben zwangsweise Erfahrung mit dem Kampf gegen das Meer und der Landgewinnung. Die ehrgeizigsten Projekte verwirklichten ihre Ingenieure jedoch fern der Heimat: Niederländische Unternehmen waren an Projekten in Hongkong beteiligt und am Bau der künstlichen Insel Palm Jumereirah für Dubais Scheichs. Die Firma Van Oord hat mehr als hundert Millionen Kubikmeter Sand für die Palmeninsel bewegt.

Umweltverband: Teuer und gefährlich für das Ökosystem

"Lustige Formen wie Tulpen, Holzpantoffeln und Windmühlen sind eine gute Art, um eine Diskussion auszulösen", sagte Bert Groothuizen, Sprecher von Van Oord, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Nordsee sei mit Wellen von bis zu zehn Meter Höhe jedoch viel stürmischer als der Golf, daher müsse der Küstenschutz viel stärker sein und "das heißt, dass die Baukosten höher sind". Seiner Ansicht nach wäre es realistischer, bereits bestehende Strände ins Meer zu erweitern oder den Hauptflughafen auf eine Insel im Meer zu verlegen.

Vehementer protestieren Umweltverbände gegen die Tulpeninsel. "Das ist eine verrückte Idee", sagte Lisa van der Veen von der North Sea Foundation der "Sunday Times". "Es wäre viel zu teuer, und die Folgen für das Ökosystem wären dramatisch." Die Nordsee sei kein Ödland, wo man machen kann, was man will. Gerade die Küstenzone sei eine der fruchtbarsten der Welt. Nach ihrer Ansicht wäre es sinnvoller, existierendes Land zu schützen als eine neue Insel zu bauen, zitiert Reuters die Umweltschützerin.

abl

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