Abenteuer Insel: Mit Asterix auf Korsika

Wo könnte man mehr über Länder-Klischees lernen als bei der Lektüre eines Asterix-Bandes? Im Comic erfuhr Jutta Minarschik, dass Korsen gastfreundlich, redegewandt und leicht beleidigt sind - ein Besuch auf der Insel sollte Beweise liefern.

"Korsen sind Individualisten von überschäumendem Temperament. Gleichzeitig beherrscht und gelassen in ihrem Gehabe, gastfreundlich, ihren Freunden treu, heimatverbunden, redegewandt und mutig. Und: Sie sind leicht beleidigt." So heißt es im Geleit von "Asterix auf Korsika". Da Asterix-Hefte gerne Klischees ohne political correctness bedienen, die Eigenarten der Völker jedoch treffend und humorvoll entlarven, haben wir die Abenteuer der tapferen Gallier genau studiert.

Korsen sind gastfreundlich "C'est vous qu'on attend?" - Seid ihr die, die wir erwarten? Mit einem herzlichen Lachen kommt uns Marie-Jeanne Franceschetti aus der Pension E Cime in Asco entgegen. Nach der ersten Wanderung am Cap Corse kommen wir etwas spät zu unserer ersten Übernachtung im schönen Asco-Tal an.

Doch früher ging es einfach nicht: Zu idyllisch war der Sentier des Douaniers - der Zöllnerweg -, der sich inmitten von duftendem Salbei-, Rosmarin- und Wacholdergebüsch die Küste entlang zur Nordspitze der Insel schlängelt; zu verlockend waren die sandigen Badebuchten mit kristallklarem Wasser; zu friedlich war der Blick auf dümpelnde Segelboote vor der dunstigen Silhouette der Insel Elba, zu betörend das Konzert der Grillen. Und wozu sollte man auf eine Mittelmeerinsel fliegen, wenn man sich sofort auf deren Berge zurückzieht? Gute Gründe für aktive Tage im Bergland gibt es freilich genug. Immerhin locken 50 Zweitausender und der 2706 Meter hohe Monte Cinto als "König" Korsikas.

Hätten wir jedoch gewusst, welche Köstlichkeiten Daniel - Mann von Marie-Jeanne und Chef des E Cime - zum Abendessen serviert, hätten wir eher den Weg hierher gefunden. Der Blick aus den raumhohen Panoramafenstern auf die grüngrauen Bergflanken der anderen Talseite, die Pasta mit Wildschweinragout, der eingelegte Ziegenkäse mit Feigenmarmelade, der korsische Rotwein, die Apfeltarte mit Vanilleeis... die herzliche Art der Gastgeber ist einfach opulent. Als Daniel das Menü für den kommenden Abend - Charcuterie, Milchlamm und Kastanien-Flan - verrät, bleibt unklar, wer sich mehr darauf freut: der Chef oder die Gäste.

Ein Korse wie aus dem Comicband

Korsen sind beherrscht und gelassen. Als wir um neun Uhr morgens wie verabredet bei der Aktivsport-Agentur In Terra Corsa in Ponte Leccia erscheinen, bekommen wir von der Sekretärin - dunkelhaarig und einsilbig wie Marmelada, die Schwester des Comic-Dörflers Waggonlix - nur die knappe Auskunft: "Jean- Christophe n'est pas encore là." Wann Jean-Christophe Bastiani, der Chef der Agentur, denn kommen wird, bleibt ihr Geheimnis.

Immerhin lässt sie sich zu einem dahingemurmelten Kommentar über das Wetter hinreißen, aus dem die Worte Gewitter, gefährlich und rutschig herauszuhören sind. Doch als der Stammesführer schließlich auf den Hof fährt und sich irgendwann auch zur Audienz mit den Touristen bequemt, wischt er diese Auskunft mit einem knappen "... Sekretärin ..." und einer herablassenden Handbewegung weg. Alles halb so wild, meint er, es werde aufklaren.

Jean-Christophe verkörpert den Korsen, wie er im (Asterix-) Buche steht. Das dichte, schwarz-glänzende Haar trägt er in fast schulterlangem Stufenschnitt, seine Statur ist kräftig, er redet unglaublich schnell, ohne sich darum zu scheren, ob die Ausländer ihm folgen können, gibt Tipps über Routen, Aktivitäten, Zeitpläne, und ganz am Ende lächelt er zum ersten Mal - ganz kurz. "D'accord?" Einverstanden? Die Frage freilich ist rhetorisch. Pierre, einer seiner Guides, begleitet uns schließlich zum 13 Kilometer entfernten "Parc de loisirs", dem "Freizeitpark", den das Team am Mont Allurado im Asco-Tal angelegt hat.

Hier warten fünf Klettersteige, ein Hochseilgarten mit zwei Parcours in 10 bis 15 Metern Höhe und, laut Broschüre, "exklusiv bei In Terra Corsa": Tyrotrekking, eine Folge von zwölf bis zu 300 Meter langen Flying-Fox-Kabeln, an denen man mit Seilrolle und Sitzgurt 180 Meter über der Macchia durch die Luft bergab saust. Wir wollen mit Felskontakt bergauf. Pierre verteilt die Klettersteig-Sets, empfiehlt uns die Route A Torra, weist uns kurz ein - und wünscht viel Spaß.

Zwei Stunden lang kraxeln wir an Stahlseilen über die Felsen nach oben. Für erfahrene Klettersteig-Geher ist dieser Abenteuerpark keine große Herausforderung. Eine nette Turnerei sind die kreativ angelegten Ferratas mit insgesamt 2000 Metern Kabel, diversen Hängebrücken und senkrechten Eisenleitern jedoch allemal. Unschlagbar aber ist die Lage dieses Spielplatzes am Asco-Fluss. Nach der Tour können wir gemütlich auf einem flachen Felsbrocken picknicken, frisch gestärkt in kalte Wasserbecken tauchen und uns - der Länge nach hingestreckt - auf den sonnenwarmen Steinplatten wieder aufwärmen.

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