Aktivurlaub in Irland: Abseiling für Anfänger

Spielplatz für Adrenalinjunkies: In Irland können Aktivurlauber vor spektakulärer Naturkulisse das Klettern, Paddeln und Wellenreiten lernen. In manchen Sportdisziplinen ist die grüne Insel bislang noch ein Geheimtipp - dadurch sind die Orte kaum überlaufen.

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Bell Harbour/Killaloe - Fieberhaft suchen die Augen nach dem nächsten Spalt in der Felswand, die fast senkrecht emporragt. Jetzt nur nicht nach unten sehen, obwohl die Aussicht ja verlockend wäre: Auf den Wellen glitzert die Sonne, Gischt spritzt die Klippen hoch, das Meer reicht bis zum Horizont. Diese Umgebung hat der Kletterlehrer Michael Crawley für die Anfängerstunde ausgewählt. Es ist nur einer von vielen spektakulären Übungsplätzen, die Aktivurlauber in der Region Shannon in Irland vorfinden.

"Klettern, Surfen, Paddeln, Mountainbiken, Wandern: Irland bietet ideale Bedingungen für Outdoor-Sportarten jeglicher Art", sagt Roisin Finlay von "Outsider" in Dublin. Irlands einzige Zeitschrift, die sich mit diesen Themen beschäftigt, kam vor fünf Jahren auf den Markt. Seitdem ist die Zahl der Menschen, die sich für das aktive Erleben der "Grünen Insel" begeistern, stetig gestiegen: "Egal ob Einheimische oder Touristen, die Nachfrage ist enorm", sagt Finlay.

Flüsse, Hügel und Berge prägen die Landschaft der Region Shannon. Dazu kommt das irische Klima: unbeständig, aber mild. Die Gegend erscheint wie geschaffen für Aktivitäten in der Natur. "Trotzdem sind die einzelnen Orte noch nicht überlaufen", sagt Joanna McInerney vom Burren Outdoor Education Center in Bell Harbour. Das Zentrum am Rande der bizarren Karstlandschaft in der Nähe der Cliffs of Moher bietet Kurse in verschiedenen Sportarten.

Für die Kletterstunden nutzt das Team meist die steilen Kalksteinfelsen des Burren-Gebiets. Die Einheiten sind nicht nur körperlich anstrengend, "sie stärken auch das Selbstbewusstsein", sagt McInerney. Aufgeben ist nicht drin, für kurze Zeit wird alles andere unwichtig. Es zählt nur noch der nächste Griff, der einen einige Zentimeter höher bringt. Nach einer guten Viertelstunde ist das Ende der rund acht Meter hohen Wand erreicht. Ziemlich erschöpft, aber unendlich stolz, geht es am Seil langsam zurück zum Boden.

"Abseiling" ist der englische Begriff für eine andere Form des Kletterns - hier wird die Felswand von oben bezwungen. Mit Helm und Hüftgurt gesichert, geht es rückwärts auf den Abgrund zu. Sich über die Felskante zu lehnen und in die Tiefe hinabzulassen, erfordert Mut und Überwindung, Adrenalin schießt durch den Körper. Von unten gibt Kletterführer Michael ruhig seine Anweisungen. Wenig später ist auch diese "Mutprobe" bestanden. Nun ist endlich Zeit, den Ausblick zu genießen. "Das ist keine Arbeit, das ist Vergnügen", erklärt der Ire, während er der nächsten Kletterin die Ausrüstung erklärt.

Zum Wellenreiten nach Lahinch

Wer den Wassersportlern am Strand von Fanore an der Galway Bay zusieht, weiß, was Michael meint. An diesem Tag findet dort eine Body-Boarding-Stunde statt. Wie beim Wellenreiten kommt es dabei darauf an, die Wellen optimal zu erwischen, um schnelle Drehungen und kleine Sprünge auszuführen. Mit ihrer Kleidung können die Surfer problemlos im kalten Atlantik-Wasser verharren. Lahinch, ein Stück weiter südlich an der Küste gelegen, gilt in puncto Wellenreiten als einer der besten Orte in ganz Irland.

Vom Salzwasser zum Süßwasser: Bei Killaloe, rund 30 Kilometer nordöstlich von Limerick, hat sich der Fluss Shannon zu einem großen See geweitet - dem drittgrößten der Insel. Lough Derg bietet ideale Bedingungen für Wassersportler. An seinem Ufer ist seit zwölf Jahren das Activity Center der Universität von Limerick beheimatet. Ein Großteil der angebotenen Sportarten findet am oder im Wasser statt.

Als erstes geht es in eines der großen roten Kanus. Die Boote können an verschiedenen Stellen des Sees auch gemietet werden. Trainer Matt Szlachta paddelt kräftig mit. Entspannt lässt sich so die Landschaft des "roten Lochs" genießen. Das Kajakfahren ist da schon anstrengender. "Einstechen, leicht drehen, rausnehmen, nächste Seite", gibt Szlachta von seinem Boot aus Anweisungen. Mit Schwung durchpflügen die Kursteilnehmer die glatte Oberfläche des Lough Derg und geraten ziemlich ins Schwitzen.

Mit der erlernten Technik können Interessierte auch den Shannon weiter südlich befahren. Wo der Fluss den See verlässt, wird er wild - perfekt für Anfänger, die sich ins Wildwasser-Kajakfahren einweisen lassen wollen. Wasser spritzt auch beim "Powerboating" in alle Richtungen. Mit dem Rennboot fliegt man nur so über die Oberfläche des Sees, Regentropfen stechen wie kleine Nadeln ins Gesicht.

Die Berge, die den See umschließen, bilden eine imposante Kulisse. Sie dienen auch als Trainingsgelände für Orientierungsläufe. Mit einem Kompass und einer Karte müssen die Teilnehmer den Weg zu Kontrollpunkten finden - auf Zeit oder ohne Beschränkung, wie es ihnen gefällt. Auch das Kilfinane Outdoor Education Center, 50 Kilometer südlich von Limerick gelegen, bietet Kurse an. Hier kann man Mountainbike fahren, wandern und durch Schluchten klettern - auch hier zeigt sich Irland als großer Spielplatz für Aktivurlauber.

Nicole Jankowski, dpa

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