Berghütten mit 360-Grad-Panorama Wolkenkratzer

Sie scheinen sich in den Fels zu klammern, um ihre Spitzenposition zu halten: Berghütten, die auf Alpengipfeln stehen. Hier ist eine Auswahl der schönsten.

Stefan Herbke/ SRT

Wolkenhäuser werden Hütten genannt, die hoch oben in den Bergen in atemberaubender Lage gebaut wurden und häufig sogar direkt auf einem Berggipfel thronen. Stundenlang könnte man auf diesen Aussichtslogen sitzen und ein 360-Grad-Panorama genießen oder - noch besser - gleich am Gipfel übernachten. Keine Frage, dass Sonnenuntergang und -aufgang aus dieser Perspektive besonders spektakulär wirken.

Hier sind fünf der schönsten Gipfelhütten:

  • Deutschland: Hochrieshütte (1569 Meter)

Von München kommend bildet der lang gezogene, grüne Kamm der Hochries den ersten Höhepunkt der Chiemgauer Alpen. Der Aussichtsberg kann vom Samerberg aus mit einer Sesselbahn und einer Seilbahn bequem erreicht werden. Von der Bergstation sind es nur ein paar Minuten auf den Gipfel, auf dem die nahezu ganzjährig bewirtschaftete Alpenvereinshütte steht. Sie hat eine grandiose Lage mit freiem Blick ins Alpenvorland und hinein ins Gebirge.

Perfekt sind auch die Wandermöglichkeiten im Bereich der Hochries. Die gut markierten und ausgeschilderten Wege führen über und um die Hochries und ermöglichen so Rundtouren.

  • Österreich: Gamskarkogelhütte (2467 Meter)

Eine der ältesten Schutzhütten der Alpen steht auf dem Gamskarkogel hoch über dem Gasteiner Tal. Bereits vor 190 Jahren hat Erzherzog-Johann, der steirische Erbprinz, direkt auf dem Gipfel des "höchsten Grasbergs Europas" die Hütte errichten lassen. Mittlerweile wurde das Gebäude mehrmals erweitert und modernisiert, ohne allerdings den einfachen Charakter zu verändern.

Hüttenwirt Gottfried Härtel vor der Gamskarkogelhütte
Stefan Herbke/ SRT

Hüttenwirt Gottfried Härtel vor der Gamskarkogelhütte

Hüttenwirt Gottfried Härtel verzichtet daher gerne auf Annehmlichkeiten wie elektrischen Strom und spült lieber das Geschirr mit der Hand, kocht auf einem Gasherd, und statt elektrischem Licht gibt es Kerzen und Gaslampen als Beleuchtung. Keine Kompromisse gibt es dagegen bei der Verpflegung. Die Produkte kommen überwiegend direkt aus der Region, teilweise sogar von der unterhalb gelegenen Rastötzenalm, alles wird frisch gekocht und das Brot selbst gebacken.

Aus dem Großarltal und dem Gasteiner Tal gibt es mehrere schöne Wiesensteige, die auf die Hütte führen. Am beliebtesten ist der knapp zweistündige Anstieg von der Rastötzenalm, die aus dem Gasteiner Tal mit einem Taxi bequem erreicht werden kann.

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Alpen: Hütte in Spitzenposition
  • Österreich: Brunnenkogelhaus (2738 Meter)

Im Sommer 2007 wurde der alte, 1888 erbaute Steinbau am Gipfel des Brunnenkogels durch eine neue, moderne Holzhütte ersetzt - eine mutige Investition der Familie Gstrein aus Sölden. Denn der Österreichische Touristenklub als Besitzer der alten Hütte sah in dem Standort keine Zukunft, obwohl die Lage wirklich außergewöhnlich ist. Wie ein Adlerhorst thront das Brunnenkogelhaushoch über Sölden auf dem Gipfel des Vorderen Brunnenkogels, umgeben von den Stubaier und Ötztaler Alpen.

Anfangs kamen allerdings deutlich weniger Gäste als erwartet, doch mittlerweile läuft es von Sommer zu Sommer besser. An Spitzentagen kommen über hundert Besucher auf die Hütte, an Wochenenden auch viele Einheimische, ansonsten vor allem Urlauber und vermehrt Wanderer, die die Mehrtageswanderung "Söldens stille Seite" ablaufen. "Die Entscheidung für die Hütte war richtig", sagt der junge Wirt Martin Gstrein, "ich würde es sofort wieder tun."

Der schönste Anstieg beginnt am Timmelsjoch und führt auf dem Hochstubai-Panoramaweg vorbei an malerischen Seen, durch einsame Kare und über einige Gipfel in rund vier bis fünf abwechslungsreichen - und aussichtsreichen - Stunden zur Hütte.

  • Südtirol: Becherhaus (3195 Meter)

"Das Becherhaus ist keine normale Schutzhütte", sagt Hüttenwirt Erich Pichler, "es gab rote Samtteppiche, Meissner Porzellan und Silberbesteck - das war ein echtes Luxushaus." Einst trug es den Namen Kaiserin-Elisabeth-Haus, wurde unter der Schirmherrschaft der K.-u.-k.-Monarchie gebaut und am Abend des 16. August 1894 eingeweiht - zu später Stunde konnte man sogar noch auf den Geburtstag des Kaisers anstoßen. Für einen geplanten Besuch von Sisi bereitete man 1898 alles vor, doch eine Woche vor dem Termin wurde die Kaiserin ermordet.

Das Becherhaus ist die höchstgelegene Hütte Südtirols - und vielleicht die meistfotografierte. Zumindest ist die direkt auf einem Felsspitz thronende Hütte über den immer noch eindrucksvollen Eismassen des Übeltalferners ein beliebtes Kalendermotiv.

Den Traumblick muss man sich allerdings mühsam verdienen. Nur für den anspruchsvollen, teilweise mit Drahtseilen gesicherte Anstieg aus dem Südtiroler Ridnauntal über die Teplitzer Hütte, der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert, muss man rund sieben Stunden einplanen. Der Lohn: eine Nacht auf über 3000 Meter Höhe an einem der schönsten Hüttenstandorte der Ostalpen.

  • Schweiz: Gipfelhütte Alvier (2335 Meter)

Der "Rigi der Ostschweiz" hoch über dem Rheintal und dem Walensee ist ein besonders lohnender Panoramaberg. Und die kleine Hütte auf dem grünen Gipfelrücken ein Stützpunkt ohne Komfort, aber mit viel Charme. Die SAC-Sektion Alvier errichtete 1875 eine erste Unterkunft auf dem Alvier, die allerdings 1910 durch Blitzschlag abbrannte. Aufgebaut wurde sie erst 1926 wieder, nachdem ein Wildhauser Arbeit suchte - und in Eigeninitiative eine neue Hütte auf dem Gipfel des Alvier baute.

Im Vergleich zu den modernen Alpenvereinshütten und Berggasthäusern erscheint die Gipfelhütte wie ein Fossil vergangener Zeiten. Eine Stube mit ein paar Tischen und einem kleinen Ofen, daneben eine Küche, in der nur das Nötigste Platz hat, und ein kleiner Raum mit dem "Herzstück" der Hütte: einem großen, mit Gas betriebenen Kühlschrank mit Eisfach. Von dort führt eine Treppe in den Schlafraum unter dem Giebel. Im Grunde eine Hütte, wie es sie früher überall in den Bergen gab und von vielen Nostalgikern noch heute so gewünscht wird.

Der Anstieg von Palfries durch das Chemmi (Kamin) ist mit knapp zwei Stunden der kürzeste Zustieg zur Hütte. Allerdings einer, der an sonnigen, heißen Tagen sehr anstrengend ist. "Der Aufstieg", bringt ein durstiger Wanderer die Erfahrung auf den Punkt, "ist wie eine schräg gestellte Bratpfanne."

Stefan Herbke, srt/abl

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insgesamt 3 Beiträge
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Papazaca 01.08.2018
1. Sehrrr schön!!! Und sicher sehr kühl!
Schöner Beitrag! Tolle Hütten! Ich hätte sofort Lust, dahin zu wandern. Bei der sehr exponierten Lage auf der Spitze der Berge kann man das Gefühl haben, das ein böser Sturm die Hütten wegwehen könnte. Einfach fantastische Orte! Schön, das es sowas gibt!
gandhiforever 01.08.2018
2. Nicht erwartet
Das haette ich nicht erwartet, dass die Alvier-Huette so ausgezeichnet wuerde. Die Berge dort, vom Pizol (dort primaer zum Skifahren) ueber Gonzen, Alvier und Saentis auf der einen Rheinseite bis zu den Dreischwestern, Grauspitz und Falknis auf der anderen Seite, sind mir aus meiner Jugend noch recht gut in Erinnerung. Uebernachtet habe ich nur in einer Huette, der Pfaelzerhuette, an der Grenze FL/A. Diese Huetten waren/sind schicht und einfach. Niemand erwartet dort Luxus. Gerade deshalb ist es gemuetlich, wenn man abends mit Fremden eng nebeneinander am Tisch sitzt und ueber alles Moeglich plaudert. Doch das beste ist die Aussicht, die einem geboten wird, Richtung Bodensee, Richtung Buendnerland, Richtung Glarus. Ohne Dunstglocke. Die beste Sicht gibt es bei Foehn.
xvice 02.08.2018
3. eine fehlt mir:
das zittelhaus am hohen sonnblick - wobei, ok, es hat keinen 360°-rundumblick, weil sie direkt neben der wetterstation steht. trotzdem eine der spektakulärsten hütten in den ostalpen.
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