Hängeseilbrücken in den Alpen Hand aufs rasende Herz

Die Schweiz hat gerade die längste Hängeseilbrücke der Welt eröffnet. Eine Garantie auf Nervenkitzel geben aber noch einige andere Bauten in den Alpen. Hier sind die spektakulärsten Tiefblicke.

Gery Wolf / TVB Schladming-Dachstein / SRT

Vor zehn Jahren entdeckten die ersten Bergbahnunternehmer die Hängebrücke als neue Touristenattraktion am Berg. Seitdem spannen sich immer mehr der schaukelnden Gehwege über Täler, Schluchten und steile Felsabhänge.

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Hängebrücken in den Alpen: Schritt für Schritt über den Abgrund

Und sie stellen reihenweise Rekorde auf: Mit dem Zusatz "längste" schmücken sich je nach Bauart mehrere Hängebrücken, es gibt die höchstgelegene und die mit dem größten Abstand zum Boden. Ob lang oder etwas kürzer, mit 100, 200 oder gar 500 Meter Tiefblick: Für Nervenkitzel sorgen sie alle.

Dies sind die spektakulärsten Brückenerlebnisse in den Alpen und im Harz:

Schweizer Mattertal: die weltweit längste Fußgänger-Hängebrücke

        Charles Kuonen Hängebrücke im Oberwallis
AP

Charles Kuonen Hängebrücke im Oberwallis


Nicht nur für das schnelle, adrenalingesättigte Vergnügen wurde diese imposante Brücke erbaut, sondern vor allem zur Erleichterung für die Wanderer im Oberwallis: Die Charles Kuonen Hängebrücke wurde erst am vergangenen Wochenende als längste ihrer Art offiziell eröffnet. Das 494 Meter lange Konstrukt zwischen Matterhorn-Dorf und Grächen überbrückt in einer maximalen Höhe von 85 Metern das Steinschlaggebiet Grabengufer. Damit erspart es den Wanderern auf dem Europaweg im Mattertal einen Abstieg von 500 Metern.

Schon zuvor gab es hier eine Überquerungsmöglichkeit: Die Europabrücke allerdings wurde 2010 kurz nach ihrer Eröffnung von einem Steinschlag beschädigt. Aufgrund des beschwerlichen Umwegs sank die Zahl der Wanderer auf dem Teilstück der Tour Monte-Rosa rund um das Matterhorn. Die Gemeinden rundherum und Sponsoren legten zusammen, um die Kosten von 750.000 Franken (650.000 Euro) für die neue, nur 65 Zentimeter breite und immerhin 58 Tonnen schwere Brücke aufzubringen.


Rappbodetal im Harz: die weltweit zweitlängste Hängebrücke

"Titan" an der Rappbodetalsperre im Harz
Harzdrenalin / SRT

"Titan" an der Rappbodetalsperre im Harz

Zwar nicht in den Alpen, sondern im Harz gelegen, aber dennoch spektakulär: Mit Wartezeiten bis zu zwei Stunden an Wochenenden muss man an der Hängebrücke über die Rappbodetalsperre im Harz rechnen. Erst Anfang Mai eröffnet, hat sich die 483 Meter lange Konstruktion sehr schnell zum Besuchermagneten entwickelt. "Titan-RT" nennt sich die Seilkonstruktion an der Rappbodetalsperre im Harz, die mit 458,5 Metern für ein paar Monate die längste Hängeseilbrücken war - bis jene im Schweizer Mattertal eingeweiht wurde.

Auch andere Zahlen sind beeindruckend: Bis zu 100 Meter hoch hängt sie über dem Tal, 120 Tonnen ist sie schwer. Knapp 1000 Tonnen Zugkraft wirken auf die Felsen beider Talseiten.

Die Brücke ist nicht die einzige Attraktion an der Talsperre in der Nähe des Brocken. Beim Wallrunning kann man kopfüber die Staumauer Wendefurth hinunterlaufen, an der Megazipline saust man paarweise im Klettergurt an Seilen hängend durch die Luft, und beim Gigaswing springen Wagemutige 75 Meter im freien Fall in die Tiefe, um dann auszupendeln.

Informationen: Titan RT, Rappbodetalsperre an der L96, 38889 Oberharz am Brocken, Tel. 039454 209000, www.titan-rt.de. Allein der Hängebrückengang kostet für Erwachsene sechs Euro, Kinder zahlen vier Euro.


Les Diablerets in der Schweiz: Europas höchstgelegene Hängebrücke

Der "Peak Walk" im Diablerets-Massiv
Richard Allaway / Flickr / SRT

Der "Peak Walk" im Diablerets-Massiv

Zwei Berggipfel und dazwischen eine rund 100 Meter lange Hängebrücke: Der "Peak Walk" verbindet im Diablerets-Massiv den Vorgipfel des Scex Rouge mit seinem fünf Meter höheren Hauptgipfel. In 2970 Meter Höhe überquert man dabei den Gletscher, auf dem bis in den Mai hinein Skifahrer unterwegs sind.

Wer von der Aussicht auf das nahe Oldenhorn und die schneebedeckten Gipfel von Eiger, Jungfrau und Matterhorn genug hat, kann sich auf andere Art im Restaurant der Bergstation sättigen. Der Bau wurde vom Schweizer Stararchitekten Mario Botta konzipiert.

Noch nicht genug Fun? Dann geht's weiter zum knapp einen Kilometer langen Alpin-Coaster, der höchstgelegenen Rodelbahn auf Schienen, oder zu einem einstündigen Glacier Walk bis zum Restaurant Refuge l'Espace am Rand des Gletschers bei der Quille du Diable. Den Weg kann man aber auch im Snow Bus, einer Pistenraupe mit Kabine zurücklegen.

Informationen: Office du Tourisme Diablerets, Ch. du Collège 2, 1865 Les Diablerets, Schweiz, Tel. 0041-244920010, www.diablerets.ch. Rauf auf den Berg (und wieder runter) kommt man in der Nähe des Ferienorts Les Diablerets von der Passhöhe Col de Pillon aus für 79 Schweizer Franken (69 Euro), für Kinder zahlt man die Hälfte.


Schladming in der Steiermark: Hängebrücke zur Treppe ins Nichts

Dachstein: Der höchste Berg der Steiermark
Gery Wolf / TVB Schladming-Dachstein / SRT

Dachstein: Der höchste Berg der Steiermark

Hundert Meter können ganz schön lang sein! Das gilt zumindest für den Gang über die schräg nach unten führende Hängebrücke am Dachstein hoch oberhalb von Schladming in der Steiermark. Auch wenn man nicht hinschaut, man spürt, dass unter den Füßen die Dachstein-Südwand gut 400 Meter fast senkrecht abbricht.

Das Ganze ist aber noch steigerungsfähig: Am Ende der Brücke wartet die "Treppe ins Nichts". 14 Stufen führen hinab auf eine kleine gläserne Plattform, die über dem Abgrund schwebt und bedrohlich leicht schwankt. Doch keine Angst, die Konstruktion hält auch Windgeschwindigkeiten bis zu 250 km/h aus - nur sollte man dann nicht mehr draufstehen.

Wer ins Schwitzen geraten ist, der taucht in den Eispalast ein und kühlt sich unter der sechs Meter dicken Gletschereisdecke ab. Immer noch nicht genug Abenteuer? Dann wäre da noch die Cabrio-Gondel für die Talfahrt. Das Dach der Kabine hält ein paar Sitzplätze bereit, auf denen die Fahrt in der Seilbahn ohne Stützen und in bis zu 210 Meter Höhe noch etwas spannender wird.

Informationen: Dachstein Gletscherbahn, Schildlehen 79, 8972 Ramsau am Dachstein, Österreich, Tel. 0043 3687 22042810, www.derdachstein.at Die Berg- und Talfahrt inklusive Hängebrücke und Eispalast kostet 45,50 Euro, Jugendliche zahlen 35 Euro, Kinder 23 Euro.


Aletschgletscher: Hängebrücken-Rundweg am größten Gletscher der Alpen

Hängebrücke auf dem Aletsch-Gletscher
M. Portmann / SRT

Hängebrücke auf dem Aletsch-Gletscher

Die vier Tage sollte man sich Zeit nehmen: Der Hängebrücken-Trail in der Aletschregion führt durch das Unesco-Welterbe Swiss Alps Jungfrau-Aletsch über den immer noch gewaltigen Eisstrom des Aletschgletschers, den größten Gletscher der Alpen.

Gestartet wird nach dem Anreisetag im autofreien Walliser Bergdorf Belalp. Schon bald ist die 124 Meter lange Hängebrücke erreicht. Sie überspannt in 80 Meter Höhe direkt vor dem Gletschertor des Großen Aletschgletschers die Massaschlucht. Am Tag darauf führt der Trail über den Eisstrom zum Hotel in Fiescheralp.

Zum Abschluss sorgt dann die Aspi-Titter-Hängebrücke für Nervenkitzel. 120 Meter tief unter den Füßen rauscht durch die Weisswasserschlucht das Schmelzwasser des Fieschergletschers, der vor den Wanderern in der Sonne glitzert. Endstation ist das Bergdorf Bellwald.

Weitere Informationen: Aletsch Arena, Furkastr. 39, 3983 Mörel-Filet, Schweiz, Tel. 0041 27 9285858, www.aletscharena.ch. Inklusive vier Hotelübernachtungen mit Halbpension, Bergbahntickets, Gepäcktransport von Hotel zu Hotel und Wanderbeschreibung kostet die Tour 690 Franken (625 Euro).


Ötztal in Tirol: Hängebrücke mit Hundespur

Hängebrücke im Tiroler Ferienort Längenfeld
Isidor Nösig / Ötztal Tourismus / SRT

Hängebrücke im Tiroler Ferienort Längenfeld

Die Hängebrücke zwischen Brand und Burgstein im Ötztal hoch über dem Tiroler Ferienort Längenfeld zählt mit 83 Metern nicht zu den längsten, beim Tiefblick von 220 Metern und der Aussicht kann sie aber unbedingt mithalten. Und: Sie hat eine spezielle Hundespur! Die Wanderung samt Hängebrückenerlebnis lässt sich gut in zwei Stunden bewältigen, auch mit Kinderwagen.

Erstes Ziel ist die urige Brandalm auf einem Hochplateau 200 Höhenmeter oberhalb von Längenfeld. Von hier aus führt der Weg weiter nach Burgstein, immer mit einer beeindruckenden Aussicht auf das vordere Ötztal. Kurz vor Burgstein kommt dann die enge und tief eingeschnittene Mauer Rinne und die Hängebrücke. "Augen auf und durch!", empfehlen die Mitarbeiter des Tourismusbüros. Die Aussicht sei einfach unschlagbar!

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Skywalks rund um die Welt: Posen am Abgrund

Die Jausenstation Siggi in Burgstein ist angenehm anders als andere: Dort gibt es keine Pommes und keine Cola, sondern nur Heimisches wie Obstsäfte, Wurst aus der Dorfmetzgerei, Bergkäsesuppe, frisch zubereiteten Kaiserschmarrn und danach einen Zirbenschnaps - ins Tal ist es ja nicht mehr weit.

Weitere Informationen: Ötztal Tourismus, Unterlängenfeld 81, 6444 Längenfeld, Österreich, Tel. 0043 57200300, www.laengenfeld.com

Rainer Krause, srt

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insgesamt 11 Beiträge
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Glückspilz 05.08.2017
1. na toll
Gibt es eigentlich irgend etwas was wir Menschen nicht verschandeln müssen ?
j.e.r. 05.08.2017
2. Und was ist eigentlich "Matterhorn-Dorf"?
Noch nie auf einer Landkarte gesehen.
spaceagency 05.08.2017
3. Zermatt und Stalden
sind Nachbardörfer Grächens. Wird hier mit Matterhorn-Dorf vielleicht Zermatt gemeint? Man könnte auf Maps schauen bevor man Matterhorn-Dorf kreiert....
112211 05.08.2017
4. Uninteressant und unnütz
Bis auf die Abkürzung des Wanderwegs der neuesten, längsten Hängebrücke erschließt sich mir nicht der Sinn solcher "Bauwerke". Reicht es nicht, auf einen Berg zu klettern, unterwegs oder oben an einem Abgrund zu stehen und die majestätische Natur ganz in Ruhe, ohne Stahl und Beton, zu spüren?
paysdoufs 05.08.2017
5. Bei bergsportlichen Themen
Zitat von spaceagencysind Nachbardörfer Grächens. Wird hier mit Matterhorn-Dorf vielleicht Zermatt gemeint? Man könnte auf Maps schauen bevor man Matterhorn-Dorf kreiert....
geht den Damen und Herren in Hamburg leider regelmässig die Phantasie durch. Das hat schon Tradition ;-) Zum Thema: Die Brücke am Europaweg im Mattertal erfüllt ja einen sehr konkreten Zweck (wie auch ein Reihe ähnlicher Konstruktionen in den CHer Alpen). Die anderen Bauten in der Fotostrecke sind dagegen grösstenteils talnahe Touristenattraktionen. Ich denke da gibt's schlimmeres was das Verschandeln angeht...
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