Bergfotograf Karol Nienartowicz "Das Matterhorn verfolgt mich"

Kein Kaiserschmarrn, keine Hütten, keine Lifte: Fotograf Karol Nienartowicz hat die Bergwelt gerne für sich alleine. Am liebsten sind ihm vergessene Orte in den Alpen - auf seinen Bildern erscheint die raue Bergwelt unberührt.

Karol Nienartowicz

Immer noch erinnert sich Karol Nienartowicz an seinen ersten Berg. Es war ein angenehm schöner Sommertag 2003. Seine Mutter nahm ihn auf eine Wanderung ins Riesengebirge mit, das direkt vor ihrer Haustür lag, im polnischen Jelenia Góra oder auf Deutsch Hirschberg. "Es hat mich verzaubert", sagt der 29-Jährige heute. "Ich ging so weit hoch das erste Mal, 1600 Meter auf einen Berg!"

Heute reicht seine Erfahrung weiter und vor allem höher - von Drei- bis zu Viertausendern, am liebsten mag er Berge mit "großen, steilen Spitzen", sagt er, so wie im Tatra-Gebirge der Karpaten, im Gebirgsmassiv Prokletije in Albanien oder den Alpen.

Ob auf dem gefährlichen "Eagle's Path", einem schwierigen Kletterpfad in den Karpaten, den über hundert Menschen nicht überlebten, oder dem schmalen Grat über den Lyskamm in den Walliser Alpen - der 29-Jährige ist fast 40 bis 60 Tage jährlich auf Bergtour. Sonnenauf- und Untergänge schaut er sich nicht nur auf Solo-Touren an. Mit kleinen Gruppen macht Nienartowicz auch Touren und Fotoexpeditionen, im Sudetenland ist er zudem lizensierter Fremdenführer.

Als Fotograf ist Nienartowicz Autodidakt und macht als solcher erstaunliche Bilder, die die raue Bergwelt unberührt, privat und fast zärtlich abbilden. Meist menschenleer, nur ein paar Schafe stehen da im frühen Morgengrauen auf einer Wiese vor dem Matterhorn, wenn alle Touristen noch eingekuschelt im Hotelbett liegen. "Das Matterhorn verfolgt mich", sagt der gebürtige Pole. "Auf eine ganz eigene Weise habe ich mich in den Berg und seine Umgebung verliebt - trotz der Preise für die Parkplätze."

Froschgrün strahlt die Zelthaut

Der Zivilisation kann der Pole in der Bergwelt nichts abgewinnen. Er verbringt seine Zeit dort in der Einsamkeit, am liebsten in für Touristen nicht leicht zugänglichen und abgelegenen Bergregionen. "Überfüllte Orte und Menschenmengen mag ich nicht", sagt Nienartowicz, der alle Fotos auf seiner Homepage und auf Facebook zeigt und kommentiert. "Ich vermeide Bahnen und Lifte, und ich mag auch keine Unterstände in den Bergen." Und die braucht er auch nicht.

Bis zu 30 Kilogramm wiegt der Expeditionsrucksack, den er für einen Ausflug über mehrere Tage in die Berge mitnimmt, davon oft zehn Kilogramm allein für die Fotoausrüstung. Seine Nächte verbringt er im Zelt, das er gleichzeitig als Motiv nutzt. Froschgrün strahlt die Zelthaut vor dem Sternenhimmel, ringsum schimmern die schneebedeckten Gipfel im Halbdunkel.

Am liebsten mag der Fotograf, der heute am Meer in Danzig lebt, immer noch seine heimische Bergwelt, das Riesengebirge. Doch fragt man Nienartowicz nach dem schönsten Gipfel, so ist die Antwort eine andere. "In den Alpen gibt es immer noch viele vergessene und wilde Orte, ohne touristische Infrastruktur", sagt er. "Und die Aiguilles d'Arves in der französischen Savoyen - das ist vielleicht der schönste Ort, den ich jemals in meinem Leben gesehen habe!"

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noalk 06.02.2015
1. des Aiguilles d'Arves
"Aiguilles" ist die Mehrzahl von "aiguille". Kein Grund also, den Artikel im Singular davorzusetzen, erst recht nicht mehrmals.
Timo Schöber 06.02.2015
2.
Sehr schöne, einzigartige Bilder. Vielen Dank dafür. Da bekommt man glatt Lust selbst zu klettern.
nerdchen 06.02.2015
3. Endlich mal schöne Bilder
Neben den "historischen Bildern" aus den 70ern von Hamburger Kindern beim Sperrmüll und ähnlicher Alltagsware endlich mal wieder Bilder eines Fotografen, der den Blick und die Fähigkeiten des Künstlers hat! Sehr schön. -nerdchen
schropc3 06.02.2015
4. Interessanter Nachname...
Frei übersetzt bedeutet "Nienartowicz" so etwas wie "Nichtskifahrer" - gemessen an seiner Abneigung gegen Menschenmassen und Massentourismus könnte es glatt ein Künstlername sein...
postit2012 06.02.2015
5. Und wenn ich JETZT noch polnisch könnte
oder er wenigstens bissl englisch...
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