Britischer Alpenüberquerer Wie Hannibal, nur auf einem Hüpfball

17 Tage lang sprang Steven Payne auf einem Gummiball 122 Kilometer quer durch die Alpen. Es war nicht sein erstes skurriles Abenteuer - und wird auch nicht das letzte sein. Denn der Engländer hat eine Mission.

Steven Payne

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Bereits am fünften Tag platzte Napoleon Blownapart, an Tag 14 rollte Nelly einen Abhang hinunter. Glücklicherweise hatte Steven Payne noch zwei weitere Hüpfbälle im Gepäck, um darauf seinen Weg durch die Alpen fortzusetzen. "Wie Hannibal und Napoleon auf ihren berühmten Durchquerungen", sagt Payne, "nur in entgegengesetzter Richtung." Und eben mithilfe eines etwas anderen Transportmittels - den verbliebenen Gummibällen, die er im Stile ihrer verschlissenen Vorgänger Hanniball und Bouncy McBounceface taufte.

Ganz so historisch wie seine Vorbilder möchte der 55 Jahre alte Brite seine Alpendurchquerung dann auch nicht eingeordnet wissen. Dennoch sind 122 Kilometer durch das höchste Gebirge in Mitteleuropa auf einem Gummiball beispiellos.

17 Tage dauerte Paynes Reise aus dem kleinen italienischen Städtchen Bardonecchia nahe Turin bis ins französische Grenoble. Dabei erreichte er Höhen von über 2000 Metern. "Ein Viertel des Mount Everest", wie Payne rechnet, um dann noch mal, ganz britisch, die höchste Erhebung in Wales als Referenzgröße heranzuziehen: "Oder eben doppelt so hoch wie der Mount Snowdon."

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Skurrile Alpenüberquerung: Mit Hüpfball und Tropenhelm

Wie kommt man auf so eine Idee? Es sei ein beiläufiger Kommentar in einem Gespräch gewesen, der den arbeitslosen Physiklehrer nicht mehr losließ. Als er mit einem Obdachlosen zu Mittag aß, fragte er ihn, wie schwer das Leben auf der Straße in seiner Heimatstadt Chichester sei. "Es ist wie etwas, von dem du denkst, dass du damit nie konfrontiert sein wirst, bis es dann wirklich passiert", sagte dieser. "Als müsse man plötzlich die Alpen auf einem Hüpfball überqueren."

"Wir, die wild schlafen, müssen aufeinander aufpassen"

Erstmals mit dem Thema Obdachlosigkeit in Berührung kam Payne, als er 2016 erstmals zu einem Abenteuer aufbrach. In mittelalterlicher Pilgerkluft aus dem 13. Jahrhundert begab er sich auf eine winterliche Wanderung von Southampton ins über 200 Kilometer entfernte Canterbury.

Nicht nur die Kleidung entsprach dem historischen Vorbild des Erzbischofs Thomas Becket, wie dieser schlief er auch unter Bäumen und Sträuchern. Einmal versorgte ihn ein Obdachloser mit Essen. "Wir, die wild schlafen, müssen aufeinander aufpassen", sagte der Mann ihm. Seitdem lässt Payne seine Follower auf Facebook nicht nur an seinen Reisen teilhaben, er macht sie auch auf die Situation von Obdachlosen aufmerksam.

Einmal im Jahr begibt sich Payne mit dieser Mission auf eine ungewöhnliche Reise. 2017 brach er wie einst der irische Heilige Brendan zu einer großen Flussfahrt in einem historischen Paddelboot auf. Bei seinem dritten Abenteuer, der Alpenüberquerung, blieben die historischen Vorbilder - das Transportmittel wurde jedoch etwas unorthodoxer.

Was verrückt klingt, kann auch durchaus beschwerlich sein, wie Payne über sein Hüpfball-Abenteuer verrät: "Ich habe einen Hitzeschlag erlitten, die Höhenkrankheit und ein verdrehtes Knie." Unterwegs wusch er sich und seine Kleidung in eiskalten Gletscherbächen. Auf ein gepflegtes Äußeres achtete er jedoch penibel. Die Alpen durchquerte er in einem Tweedanzug, mit einem historischen Tropenhelm auf dem Kopf und mit Taschenuhr und Regenschirm ausgestattet.

"Man hat Ansprüche", sagt Payne. "Und ich möchte nicht, dass die Engländer meinetwegen im Ruf stehen, verlottert durch die Welt zu spazieren." Menschen, die er auf seiner Reise traf, seien meist hilfsbereit gewesen, auch wenn sie etwas verwundert über sein Transportmittel waren. Dass jedoch ein Engländer diese Idee hatte, habe niemanden überrascht.

Paynes weitere Abenteuerplanungen laufen bereits. Mit dem Hochrad will er Europa bereisen, "von London nach Paris oder Rom". Die Strecke möchte Payne in kompletter mittelalterlicher Rüstung zurücklegen. Erste Testfahrten rund um Chichester hätten bereits den Beweis erbracht, dass es machbar sei.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
pteranodon 21.09.2018
1.
Hat er sich dieses Vorhaben vom Ministry for Silly Walks genehmigen lassen?
odenkirchener 22.09.2018
2. *thumps up
Na hoffentlich bekommt er dann auch ein Visum für die EU. . . Ich halte dann mal die Augen auf.
neo 22.09.2018
3. Very British
Über den Sinn lässt sich trefflich streiten. Aber Stil muss es haben. Ich finds klasse!
ottobess 23.09.2018
4. Klasse
Thanks for that mr Payne :-) More useful than a lot, and I mean a lot of "serious" actions. Im Sinne von z.B. John Lennon, mir selber ;-) und vielen anderen smarten Leuten.
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