Alta Badia in den Dolomiten: Heimatabend für Hollywood

Wo einst Bergbauern ein karges Leben führten, amüsieren sich heute Filmstars wie George Clooney: Das abgeschiedene Alta Badia hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem begehrten Reiseziel gewandelt. Ursprünglich ist das Dolomitental geblieben - und pflegt noch immer seine eigene Sprache. 

Dolomitental Alta Badia: Auf abenteuerlichen Wegen Fotos
TMN / Alta Badia

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Bozen - Rund um die Dorfkirche gruppieren sich wie lose verstreute Bauklötze ein paar Häuser im gleißenden Schnee. Das größte ist die alte Schule, die anderen sind gedrungen wirkende Bauerngehöfte, die sich an steile, noch unberührte Berghänge schmiegen, aus denen viele Jahre später einmal die Stahlträger der Skilifte ragen werden. "So sah es früher hier einmal aus, vor über 70 Jahren", erklärt die Verkäuferin eines Trachtenladens in Corvara.

Die alte Schwarzweißansicht hängt in vielen Geschäften und Souvenirshops der Südtiroler Gemeinde. Fast scheint es, als könnten die Bewohner im malerischen Alta Badia immer noch nicht so recht fassen, welch unglaublicher Wandel sich in ihrem einst so abgeschiedenen Dolomitental im Laufe der Jahrzehnte vollzogen hat.

Nur eine Skipiste trennt die neue Zeit von Corvaras beschwerlicher Vergangenheit. Gleich hinter dem Luxushotel "La Perla", wo schon Hollywoodstars wie George Clooney oder Tom Cruise abgestiegen sind, liegt wie ein Relikt aus einer anderen Epoche ein typisches altes Bauernhaus, Keller und Erdgeschoss aus schweren Steinen gemauert und weiß verputzt, darüber das eigentliche Wohngebäude ganz aus Holz. Seit dem Tod der letzten Besitzerin ist es unbewohnt. Nun haben es die Hoteleigentümer aufgekauft und nutzen das urige Ambiente für stimmungsvolle Heimatabende.

Mit dem Wirtschaftswunder kam der Fortschritt

Der Angestellte Stefan Mayr führt über knarrende Holzdielen durch die rustikalen Stuben, vorbei an kojenähnlichen Schlafnischen und klobigen Sitzbänken, die am grob gemauerten Ofen lehnen. Im bunt bemalten Bauernschrank hängt auf einem Kleiderbügel noch ein alter Wehrmachtsmantel, und in der Wohnstube stapeln sich neben der schweren Hausbibel vergilbte Zeitschriften aus Vorkriegsjahren. "Es kamen schon amerikanische Gäste vorbei, die von dieser Ursprünglichkeit so begeistert waren, dass sie hier übernachten wollten", erzählt Mayr. "Wie hart die Menschen damals arbeiten mussten, können sich die wenigsten heute vorstellen."

Auch in den langen Wintermonaten, nachdem das Vieh von den Wiesen in die Ställe getrieben worden war, blieb den Bergbauern kaum Zeit zum Müßiggang. Mayr öffnet die Tür zur angrenzenden Werkstatt, in der in Heimarbeit gedrechselt, geschnitzt und geschustert wurde. Auf den Fensterbänken stehen hölzerne Puppenköpfe und Pantoffeln. Feilen, Sägen und Lederfutterale neben der Drehbank sind so akkurat angeordnet, als wollte der Hausherr gleich mit seinem Tagwerk beginnen.

Den oft romantisierten Jahren, bevor die Dolomiten vom Massentourismus entdeckt wurden, weint Roberta Rinna, die in Corvaras Nachbarort La Villa ein Vier-Sterne-Hotel führt, keine Träne nach: "Es war eine schwere Zeit", erinnert sie sich, "besonders für meine Mutter, die nach dem Tod des Vaters allein vier Kinder ernähren musste. Ich kann mich erinnern, dass wir an manchen Tagen nicht genug zu essen hatten." Mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder kamen Fortschritt und Wohlstand Ende der fünfziger Jahre auch allmählich in die rückständigen Dolomitentäler.

Straßenbau nach tragischem Busunfall

"Komm ein bisschen mit nach Italien", trällerte Caterina Valente damals in ihrem Schlager, "komm ein bisschen mit ans blaue Meer." Auf dem Weg dorthin verschlug es viele Touristen ins damals noch schwer zugängliche Alta Badia. Eine abenteuerliche Reise, denn das versteckte Hochabteital, wie sein deutscher Name lautet, war von Norden fast 100 Jahre lang nur über die schmale Gadertalstraße zu erreichen, die sich oberhalb des gleichnamigen Flüsschens in kühnen Windungen an zerklüfteten Bergrücken entlangschlängelte.

Erst als sich 1993 ein schwerer Busunfall mit 18 Toten ereignete, entschlossen sich die Verantwortlichen zu einem Straßenneubau. Seit 2006 erreicht man Alta Badia bequem durch eine Kette von Tunneln. Die kurvenreiche Nebenstrecke gehört heute in den Sommermonaten den Wanderern und Radfahrern.

Seiner abgeschiedenen Lage in dem lange unzugänglichen Tal hat Alta Badia bis heute einige Besonderheiten zu verdanken, allen voran die ladinische Sprache, die noch von rund 30.000 Einheimischen als Muttersprache gesprochen wird und damit zu den kleinsten Sprachinseln Europas gehört. Die Verwandtschaft zum Italienischen ist unverkennbar, dennoch haben auch einige teutonische Begriffe Einzug ins Ladinische gehalten. Stüa ("Stube") ist so ein Wort.

Im Maso Runch Hof in Badias Ortsteil Pedraces steht es an der weiß gekalkten Wand neben dem Eingang zur urgemütlichen Stube geschrieben, wo die Vorfahren der Familie Nagler einst noch als Bergbauern nach getaner Arbeit ihr Brot aßen. Heute bewirten die Nachkommen Touristen unter Tellerborden, alten Familienfotos und dem Kruzifix in der Ecke mit selbstgekochter ladinischer Hausmannskost - und die ist ebenso deftig wie reichhaltig.

Gourmets auf dem Gipfel

Gutes Essen gehört zu Südtirol wie der Schnee zum Winter - nicht nur im Tal, sondern auch oben auf dem Berg. Wenn mancher Skifahrer nach einem kräftezehrenden Vormittag auf den Brettern Appetit auf Pommes und Currywurst verspürt, so werden solcherlei Gelüste in einigen Rifugi auf Unverständnis stoßen. Südtirol ist mehr der eleganten italienischen Küche zugeneigt. Südländer sind eben Gourmets. Daher erstaunt es nicht, dass jede noch so einfache Skihütte eine Speisekarte auf gehobenem Niveau aufweisen kann.

In Alta Badia hat die Kombination aus Sport und kulinarischen Spezialitäten mittlerweile Tradition. Bereits zum siebten Mal findet in der Wintersaison 2011/12 das Festival "Skifahren mit Genuss" statt: gehobene Gastronomie auf über 2000 Metern Höhe in zehn ausgewählten Schlemmerhütten.

Es ist schwer vorstellbar, dass dort, wo heute friedlich Deutsch, Italienisch und Ladinisch gesprochen wird und die Ortsnamen gleichberechtigt in allen drei Sprachen ausgeschildert sind, vor fast hundert Jahren der Donner von Kanonen und Geschützen durch die engen Felstäler hallte. 15 Kilometer windet sich die enge Straße von San Cassiano hinauf zum Valporalapass, der das Abteital mit dem italienischen Nobelskiort Cortina verbindet. Heute verläuft hier oben die Grenze zwischen der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der italienischen Region Venetien.

"Typisch italienisch!"

Direkt neben der Passstraße liegt das ehemalige Fort Tre Sassi, das die Österreicher vor 110 Jahren fertigstellten, um den Zugang ins Abteital gegen die Italiener zu sichern. Nur wenige Wochen nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde es von Granaten schwer getroffen und danach geräumt. Heute ist in dem schlichten, grauen und eher unscheinbaren Steinbau ein Museum über den Großen Krieg in den Dolomiten untergebracht.

Gezeigt werden neben den Waffen und der Ausrüstung der Soldaten viele Gegenstände des damaligen täglichen Gebrauchs. In den Wintermonaten sollte man sich unbedingt vorher telefonisch vergewissern, ob das Museum geöffnet ist. Sonst ergeht es einem wie dem Besucher aus Norddeutschland, der nach langer Anfahrt verdutzt vor verschlossenen Türen steht und schimpft: "Man merkt gleich, dass man nicht mehr in Südtirol ist. Typisch italienisch!"

Jens Golombek, dpa

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1. Ach Leute...
olicrom 13.01.2012
Wie es der Artikel schon sagt: In Wahrheit ist das eine langweilige und trostlose Ecke, kaum was los und für junge Leute gleich gar nichts. Eher was für Rentner mit Kohle. Also schön weg bleiben und lieber in Madonna oder Gröden abrocken. Gelle?
2. so ist es...
Hugoi. 13.01.2012
Zitat von olicromWie es der Artikel schon sagt: In Wahrheit ist das eine langweilige und trostlose Ecke, kaum was los und für junge Leute gleich gar nichts. Eher was für Rentner mit Kohle. Also schön weg bleiben und lieber in Madonna oder Gröden abrocken. Gelle?
kann auch nicht empfehlen, da hin zu fahren. Ist absolut nix los, quasi tote Hose. Merk ich jedes Jahr, wenn ich hinkomme. Also wegbleiben. Gruß und happy skiing
3.
HansEngler 13.01.2012
Zitat von Hugoi.kann auch nicht empfehlen, da hin zu fahren. Ist absolut nix los, quasi tote Hose. Merk ich jedes Jahr, wenn ich hinkomme. Also wegbleiben. Gruß und happy skiing
schliesse mich voll an. Ich war zum ersten und einzigen Mal 1973 dort, als es noch die Blechdosengondel von La Villa aus gab und man nach der Abfahrt am Spaetnachmittag in San Cassiano Obstsalat essen ging. Und das wars auch schon. Wieso ich es da zwei Wochen lang aushielt ist mir immer noch nicht klar, und ebensowenig wieso ich immer noch so viele Erinnerungen habe.
4. Druckfehler!
jombgm 15.01.2012
Der zitierte Paß nach Cortina heißt VALPAROLA, nicht Valporala. Dies nur nebenbei. MfG
5. Eher was für Rentner mit Kohle
eine_oma 05.02.2012
Zitat von olicromWie es der Artikel schon sagt: In Wahrheit ist das eine langweilige und trostlose Ecke, kaum was los und für junge Leute gleich gar nichts. Eher was für Rentner mit Kohle. Also schön weg bleiben und lieber in Madonna oder Gröden abrocken. Gelle?
Ha, so eine bin ich! Sehr wohltuend, dort nicht an den Liftstationen den ganzen Tag die für junge Leute offenbar unverzichtbaren Skisongs zu hören, wie im österreichischen Obertauern. Leute, bleibt bei der Tauernrunde, die Sellaronda ist was für Erwachsene...
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