Alte Klöster in Griechenland Dem Himmel so nah

Gott so nah kommen wie möglich - die Mönche und Nonnen in der Umgebung des Olymps bauten ihre Klöster in luftigen Höhen. Während sich die autonome Mönchsrepublik Athos heute noch fast völlig vor der Außenwelt verschließt, sichern die Klöster auf den Metéora-Felsen ihren Lebensunterhalt durch Touristen.


Ouranopolis - Zeus, Hera und die anderen Unsterblichen mussten schon vor langer Zeit vom Olymp hinabsteigen. Doch auch im modernen Hellas mit seiner griechisch-orthodoxen Staatskirche ist eines geblieben wie in der Zeit der antiken Götterfamilie: Wer dem Himmel nahe sein will, muss ihm auch körperlich nahe kommen. Zwar leben keine Mönche und Nonnen am Gipfel des 2917 Meter hohen Olymps. Doch in der weiteren Umgebung des höchsten Berges in Griechenland sind die zwei größten Klöster-Ansammlungen der Nation anzutreffen: die am Heiligen Berg Athos, die fast alle Touristen nur von Schiffen aus sehen, sowie die "schwebenden Klöster" auf den Metéora-Felsen.

Metéora-Felsen: Früher mussten die Mönche, ihre Besucher und Baumaterial an Seilen und in Aufzügen zu den Klöstern emporgezogen werden
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Metéora-Felsen: Früher mussten die Mönche, ihre Besucher und Baumaterial an Seilen und in Aufzügen zu den Klöstern emporgezogen werden

Knapp 2,5 Kilometer hinter dem Städtchen Ouranopolis beginnt auf der Athos-Halbinsel eine andere Welt. Eine Betonmauer mit einem Maschendrahtzaun darauf riegelt die autonome Mönchsrepublik Athos vom Rest der Chalkidiki-Region ab. Weitergehen ist verboten. Für Frauen sind die 20 Athos-Klöster sowieso absolut tabu, Männer brauchen ein Visum-ähnliches Papier, das nicht im Handumdrehen zu haben ist. Pro Tag lassen die 1700 Mönche, die am Fuße des 2030 Meter hohen Athos leben, nur zehn nicht-orthodoxe Besucher in ihre Welt.

Das Schiff dreht kurz vor dem Athos-Berg

Und auch für diese Besucher gibt es keinen Landweg. "An der Grenze wird patrouilliert", steht auf den Tafeln auf Griechisch und Englisch - das klingt nach Streifengängen wie am Kasernenzaun. Wie ernst gemeint die Warnung ist, sollte man nicht ausprobieren, auch wenn der Militärposten jenseits des Zaunes einen verschlafenen Eindruck macht.

Mönchsrepublik Athos: Zutritt für Frauen untersagt
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Mönchsrepublik Athos: Zutritt für Frauen untersagt

Ohne Visum kommen Besucher den Athos-Mönchen maximal 500 Meter nahe. Das ist der Abstand, den die Ausflugsboote einzuhalten haben, die täglich in Ouranopolis sowie in Ormos Panagías auf der Halbinsel Sithonia zum Athos aufbrechen. Reiseveranstalter verkaufen in den Urlauberhotels die Ausflüge für etwa 30 Euro pro Person. Wer mit dem Mietwagen oder Linienbus zum Hafen fährt und sich in Ouranopolis etwa an Bord der "Agios Nikolaos" ein Ticket kauft, zahlt nur die Hälfte.

Gut drei Stunden dauert die Fahrt bis zum Athos-Berg, der sich steil aus der Ägäis erhebt, Möwen folgen dem Ausflugsboot. Auf Griechisch, Englisch und Deutsch erläutert eine Stimme aus dem Lautsprecher, welche Klöster gerade zu sehen sind, wann sie gebaut wurden und wie viele Mönche heute dort leben. Zum Teil kleben die Bauten in großer Höhe an den steilen Hängen, andere wie das russisch-orthodoxe Moní Ágiou Pantelímonou sind nah am Wasser gebaut. Kurz vor dem Athos-Berg dreht das Schiff - ohne dass die Passagiere einen Mönch gesehen haben. Ein netter Ausflug war es dennoch.

Mehr als 1000 gewaltige Felsnadeln

Ein ganz anderes Bild bietet sich an den Metéora-Felsen, gut fünf Autostunden vom Athos entfernt in Thessalien gelegen. Die sechs dort noch bewohnten Klöster lassen Touristen nicht nur ein, sondern leben geradezu von diesen Besuchern: Eintrittskarten und Souvenirs sichern ihren Lebensunterhalt. Täglich rollt ein Strom von Bussen über die weite thessalische Ebene bis zum Ort Kalambáka am Fuße der Felsen: Von der Chalkidiki-Halbinsel, der Insel Skiathos und sogar von Athen aus setzen die Reiseveranstalter Gäste in Bewegung. Jedes Kloster gönnt sich jedoch einen Ruhetag pro Woche - wer alle von innen sehen möchte, muss unter Umständen mindestens zwei Tage am Ort bleiben.

Kloster Ágiou Pantelímonou: Hier leben fast ausschließlich russisch-orthodoxe Mönche, während die  meisten Klöster am Berg Athos von griechisch-orthodoxen Männern bewohnt werden
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Kloster Ágiou Pantelímonou: Hier leben fast ausschließlich russisch-orthodoxe Mönche, während die meisten Klöster am Berg Athos von griechisch-orthodoxen Männern bewohnt werden

Die Metéora-Felsen sind ein eigentümliches geologisches Phänomen. Vor Millionen von Jahren soll an ihrer Stelle ein Flussdelta gewesen sein, in dem sich langsam Sedimente ablagerten. "Nach einem Erdbeben verschwand dann das Binnenmeer, in das der Fluss mündete - und die Ablagerungen nahmen im Laufe der Jahrtausende durch Druck und Wind- und Regenerosion langsam ihre heutige Form an", erläutert Regina Charalambidou, die für einen Veranstalter den Gästen Metéora zeigt.

Ihre heutige Form - das sind gewaltige Felsnadeln, die sich am Rande von Kalambáka gut 400 Meter hoch auftürmen. Insgesamt gibt es mehr als 1000 von ihnen. Die ersten Klöster wurden hier bereits im 14. Jahrhundert gegründet. Die Mönche, das Baumaterial und später die Besucher mussten zum Teil an Seilen und in Aufzügen emporgezogen werden, weil ein Hochklettern an den glatten Felsen kaum möglich war. Erst später wurden die heutigen Straßen und Fußwege angelegt.

Zwischen Himmel und Erde

Einer der bekanntesten Felsen ist der mit dem Kloster Agía Triáda. 1981 bewegte sich hier Roger Moore als Agent 007 "In tödlicher Mission". Die kleine Seilbahn zum Kloster, die in dem James-Bond-Film eine Rolle spielt, ist noch heute für den Warentransport in Betrieb. Denn obwohl Agía Triáda von der Straße aus gesehen so nahe liegt und sich prima fotografieren lässt: Einfach zu erreichen ist es nicht, weil Besucher erst ins Tal hinab- und dann den Berg steil wieder hinaufklettern müssen.

Agía Triáda: Die Seilbahn zum Kloster spielte im James-Bond-Film "In tödlicher Mission" eine Rolle
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Agía Triáda: Die Seilbahn zum Kloster spielte im James-Bond-Film "In tödlicher Mission" eine Rolle

Anders ist es beim Kloster Agios Stefanos, in dem 31 Nonnen leben. Mittags geben sich die Ausflugsbusse vor der Tür ein Stelldichein. Nicht weit entfernt ist das Kloster Roussanou, wo elf Nonnen täglich um 3.30 Uhr aufstehen, um zu beten, zu essen und ihre Vorbereitungen zu treffen, bevor ab 9 Uhr die Touristen kommen, um die Ikonen in der kleinen Klosterkirche aus dem 16. Jahrhundert zu bewundern.

Wer hier einen Augenblick abpasst, an dem sich keine Reisegruppe in die Kirche zwängt, kann ihn erleben: den kurzen Moment der Stille, an dem nichts zu hören ist außer dem leichten Wind, der durch die Fenster hinein weht und auch an heißen Tagen für Abkühlung sorgt. Und bevor die nächsten Touristenscharen hineinströmen, kann man sich für eine Sekunde tatsächlich wie "zwischen Himmel und Erde" fühlen.

Von Christian Röwekamp, gms



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