Bornholm-Trip Des Anglers fette Beute

Klettertouren an Steilküsten, idyllische Abende am Meer und traumhafte Fangerfolge: Ein Urlaub auf Bornholm liefert Erzählstoff für viele Jahre. Vor allem, wenn die Jagd auf Ostseeleoparden eröffnet ist.

Gunnar Tannhäuser

Von "Am Haken"-Autor Gunnar Tannhäuser


Wir passieren gerade ein paar Kirschbäume, Ruinen und Schafe, als plötzlich ein kleines grimmiges Etwas vor uns auftaucht. Es faucht, reißt sein Maul auf und droht, kommt sogar ein paar Schritte auf uns zu und zeigt seine scharfen Zähne.

Wir zucken erst zusammen, erkennen dann aber schnell das Frettchen, das da seinen Felsen und seinen Fisch verteidigt. Ein drohendes Winken mit dem großen Eimer macht ihm unsere Überlegenheit klar, und der Kerl trottet beleidigt von dannen.

Kaum kommen wir auf den Klippen an, gesellen sich drei Möwen hinzu, lauern den ganzen Abend auf einem Felsvorsprung und warten auf ihren Anteil an der Beute. Ich drehe mir noch eine Kippe, da kurbelt Arne schon mit heftiger Gegenwehr am anderen Ende der Leine direkt vor seinen Füßen etwas Großes an die Oberfläche. Gemeinsam können wir den Fisch greifen, der fette Mops erinnert uns allerdings eher an einen Karpfen als an einen Dorsch.

Wir fangen Fische wie im Traum, die Dämmerung kommt über uns und färbt die zerklüftete Steilküste hinter uns tiefrot. Es ist ein sehr mystischer Platz, und wir philosophieren, was wohl in vergangenen Zeiten hier los gewesen ist und reden Unsinn. Auf dem Rückweg legen wir dem Frettchen noch eine leckere Dorschleber vor die Tür, auch die Möwen kosten unser Schlemmermahl.

Luke auf und runter vom Kahn

Gletscher aus der letzten Eiszeit schufen Bornholm, diese Insel mitten in der Ostsee mit ihren versponnenen Plätzen und mystischen Figuren. Beim Einschiffen auf die Fähre in Sassnitz steht neben uns ein Typ mit T5 und Wohnwagen hintendran, er macht in Jogginghose und Basecap dem halben Umland klar, was für ein toller Hecht und Angler er ist. Wir brechen fast zusammen vor Lachen und schieben uns majestätisch unsere schicken Plastikbrillen auf die Nase. Wenn schon Proll, dann mit Stil.

Während der Überfahrt nach Rønne kann man problemlos vier gezapfte Tuborg, dazu Schnitzel und Pommes und den einen oder anderen Gammeldansk verhaften. Das haben mehrere Feldversuche von uns ergeben, wir sind ja nicht das erste Mal hier.

Auf der Fahrt rollt der Pott am legendären Adlergrund vorbei, wir legen eine Schweigeminute ein und trinken auf die unzähligen Laichdorsche, auf dass sie nicht auf die Pilker hereinfallen und ihre wertvolle Fracht an die Kannibalen der Lüfte verschwenden müssen. Das Signal ertönt, wir springen ins Auto, Pogues ins Kassettendeck, Luke auf und runter vom Kahn.

Unser Haus liegt in der Nähe von Svaneke. Wir brechen bald wieder auf, zu groß ist die Verlockung, ein paar Dorsche zu fangen, die wir natürlich nur "Leoparden" nennen. Wir nehmen nur leichtes Gepäck, sprich Rute, Eimer und Rucksack (Tuborg) mit, sonst werden die halbstündigen Klettertouren entlang der felsigen Küste zur Qual.

Wir stoßen auf eine wundervolle Woche Bornholm an. Weibliche Intuition und das nötige Feingefühl bescheren uns den ersten Dorsch des Abends, Sekunden später scheppert es über mir, meine bislang zweiteilige Rute ist jetzt dreiteilig. Die Fänge können sich sehen lassen. Wir fahren in der Dämmerung zurück zum Haus, ich verarzte die Rute, und wir packen die alten Geschichten aus dem Vorjahr aus.

Micky-Maus-Forelle auf Beifängerfliege

Morgens suchen wir dann die Stellen der Vergangenheit auf, ich fange eine Micky-Maus-Forelle auf Beifängerfliege, Arne kommt sogar mit einer Sechziger um die Ecke. Doch wir wollen Dorsch, besorgen uns auf dem Rückweg in einem der unzähligen Bärlauchtäler Blattwerk fürs Abendbrot, es gibt dazu Filet vom Vorabend mit Zwiebeln und einem Schuss Olivenöl, ummantelt von Alufolie an Pellkartoffeln. Die Insel duftet extrem lecker nach Bärlauch, bei uns zum Glück auch nach gedünstetem Fisch.

Ein Tag jagt den anderen, mittlerweile liegt der letzte Abend vor uns, wir erinnern uns an all die Erlebnisse, die mystische Stimmung in der Nähe der Hammershus-Festung und das garstige Frettchen. Wir fahren schon früh ans Wasser und philosophieren bereits über die Reise im nächsten Jahr.

Ich bastle meinen dicksten Gummifisch ran und setze alles auf diesen Köder. Arne und seine Frau grinsen bei diesem Anblick, erst recht, als das Teil wie ein von der Ideallinie abgekommener Turmspringer aufs Wasser klatscht. Ich denke, egal, absinken lassen, leichter Anhieb, absinken lassen.

Ich wiederhole das Spiel gefühlte 50 Mal. Meine beiden Mitstreiter fangen bereits, ich kassiere einen Fehlbiss nach dem anderen. Dann hängt das Teil 20 Meter vor mir plötzlich fest. Ich vermute im Tang oder an einem Felsen, doch ich spüre heftige Schläge im Handgelenk, sie übertragen sich auf den Felsen und den Rest der Welt. Die Schnur pfeift im leichten Wind.

Ich denke, Ausdauer lohnt sich doch, das Adrenalin durchströmt meinen Körper, ich bange, ob die Montage dem Revier und dem Fisch standhält. Arne klettert herab und nimmt den Burschen in Empfang, mir ist ein wenig schummrig, als 84 Zentimeter Ostseeleopard auftauchen. 84 Zentimeter! Ich, wir, alle sind von der Schönheit des Tangdorsches fasziniert und trinken noch ein oder zwei Gläser auf Neptun! Bornholm wird uns bald wiedersehen, so viel steht fest!

Aus dem neuen Anglermagazin "Am Haken", April/Mai 2014



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
shooop 16.04.2014
1. Bornholm aus Abenteuerinsel zu verkaufen...
ist schon witzig. Bornholm ist eine schöne Familieninsel mit einem sehr schönen Strand (Dueodde) und schönen nordischem Flair.
skynet77 16.04.2014
2. Bornholm
ist herrlich. Aber es war mit Sicherheit kein Frettchen, , sondern ein Iltis. Aber zurück zu Bornholm. Die Insel hat soviel Magie, wie gesamt Skandinavien. Die kleinen Dörfer, das Landleben und die Ostsee. Wer einmal in Skandinavien war, der wird die Liebe nicht mehr los.Ich habe längere Zeit in Schweden gelebt und weiß wovon ich spreche. Der Dorsch ist übrigens ein herrlicher Speisfisch.
andre_22 16.04.2014
3.
Was sagt der Artikel nun aus? 1. Der Autor hat wenig Ahnung von Wirbeltieren und weiss nicht das Fredchen eine Zuchtform ist die in freier Natur nicht vorkommt! 2. Aus diesem Grunde werden wir wohl nie erfahren welches Marderartige Tier ihn nun angefaucht hat! Schade eigendlich! 3.) Auf Bornholm kann man Klettern und Angeln! Eine feststellung die nicht neu ist! Wenn ich aber begeisteter Kletterer oder Petrijünger wäre gäbs sicherlich bessere Orte !
minimaximin 16.04.2014
4. Sehr sehr geiler Dorsch übrigens.
…
Flitzpiepin 16.04.2014
5. Ja, nee, is klar
...und auch Karotten schreien, wenn man sie aus der Erde zieht.
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