Angeln auf Mallorca: Warte, bis es dunkel ist
Angeln auf Mallorca? Hat keinen Sinn! Diese Erfahrung machen die meisten Urlauber. Doch Kurt de Swaaf kennt die Fische: Der Biologe packt die Rute aus, wenn der Rest der Insel schlafen geht. Dann freut er sich über Sternenhimmel, Meeresrauschen - und manchmal einen Hai am Haken.
Der Weg ist diesmal nicht das Ziel. Schmal ist er, staubig, bisweilen angsteinflößend nah am Abgrund. Rechts erheben sich die Steilwände der Serra de Tramuntana, links - und etwa 50 Meter tiefer - rauscht das Mittelmeer. Im Licht der Abendsonne leuchten die Farben der mediterranen Küstenlandschaft umso stärker. All zu sehr sollte man sich aber davon nicht ablenken lassen, wenn man gerade voll bepackt diesem Pfad folgt. Angelruten, Kühltasche und viel Kleinkram im Rucksack wiegen rund zehn Kilogramm.
Unten angekommen muss erst mal ein kräftiger Schluck aus der Wasserflasche sein, dann folgt der Blick aufs Meer. Die Bedingungen sind perfekt: Eine leichte Brandung, kaum Wind. Weit draußen schaukeln zwei kleine Fischerboote. Vielleicht sind die hinter Tintenfischen her. Oder sie stellen den Wolfsbarschen und den Zahnbrassen nach. Man kann hier vieles fangen, an der steilen Nordwestküste Mallorcas. Man muss nur wissen wie und wo. Und wann.
Auf der beliebtesten Ferieninsel der Deutschen versuchen nur wenige Urlauber ihr Glück beim Angeln - und werden meistens enttäuscht. Sie fangen mitunter ein paar kleine, bunte Lippfische und höchstens handlange Meerbrassen, aber das war es oft schon. Die Einheimischen, die vor allem an Wochenenden in großer Zahl auf den Molen von Portixol und Palma die Ruten schwingen, scheinen auch nicht viel mehr Erfolg zu haben. Was sie in ihren Plastiktüten und Eimern horten, taugt allenfalls für eine Fischsuppe. Doch es geht auch anders.
Supermarkt-Tintenfisch als Köder
Die Sonne steht inzwischen nur noch zwei Finger breit über dem Horizont. Eine neugierige Möwe kreist über dem Felsenvorsprung. Nein, Kollege, hier gibt es noch nichts zu holen. Die Ruten sind schnell montiert. Für diese Art von Fischerei braucht man weder ausgefallenes Gerät noch komplizierte Methoden. Ein Stück Blei, 40 bis 100 Gramm schwer, eine nicht zu dünne Vorfachschnur und daran ein einziger Haken, das reicht.
Tintenfisch aus der Supermarkt-Tiefkühltruhe ist ein bewährter Köder und preiswert dazu: einfach einen Streifen herausschneiden oder den Kopf abtrennen und am Haken befestigen. Die Angelruten sollten mindestens drei Meter lang sein. Damit kann man weit auswerfen, was für den Erfolg oft entscheidend ist. Modelle, die man hierzulande gerne für den Fang von Karpfen verwendet und die dazugehörigen Rollen sind bestens geeignet.
Der Wurf ist ein kleiner Kraftakt. Mit voller Wucht wird die Montage ins Weite geschleudert, das Blei taucht in 80 oder gar 100 Meter Entfernung ein und zieht den Köder in die Tiefe. Danach stellt man die Rute aufrecht in eine Felsspalte. Die Schnur wird gespannt, jetzt beginnt das Warten. Es ist sinnvoll, zwei Ruten gleichzeitig einzusetzen. Mehr nicht. Sonst kann, wenn die Fische in Beißlaune sind, schon mal der Überblick verloren gehen.
Es dämmert. Im Westen glüht der Himmel goldrot, der kleine Strand weiter vorne ist mittlerweile menschenleer. Das Wasser wirkt jetzt abgrundtief, düster und geheimnisvoll. Dort unten erwachen derweil die Tiere der Nacht. Oktopusse, Kalmare, allerlei Krebse und einige Fischarten werden vor allem nach Sonnenuntergang aktiv. Sie verlassen ihre Verstecke und gehen auf Futtersuche. Der Mensch am Ufer bekommt von all dem normalerweise nichts mit. Es sei denn, er angelt.
Tanzendes grünes Lichtchen
Der Mond hängt als Sichel knapp über dem Berghang, am Firmament leuchtet eine wahre Sternenpracht. Auch die Milchstraße ist gut sichtbar. Dazu zwei grüne Punkte - kleine Plastiklichter, die an den Rutenspitzen befestigt sind. Nichts passiert. Man lässt die Zeit an sich vorbeifließen, lauscht dem Rauschen der Wellen und schickt seine Gedanken ins Leere.
Plötzlich tanzt eines der grünen Lichtchen. Irgendetwas macht sich offenbar am Köder zu schaffen. Rasch die Schnur zwischen die Finger genommen. Es zupft, einmal, zweimal, und Ruhe. Dann ein überraschend kräftiges Zerren. Der Fisch zieht ab. Ein Ruck mit der Rute, und der Haken sitzt. Beim Einkurbeln regt sich Widerstand. Eine Minute später glänzt ein silbriger Leib im Schein der Stirnlampe. Eine Geißbrasse, knapp 30 Zentimeter lang. Zoologen haben diese Spezies auf den wissenschaftlichen Namen Diplodus sargus getauft, Fischkenner schätzen ihren Wohlgeschmack. Guter Anfang.
Nachtangeln ist auf Mallorca der Schlüssel zum Erfolg. Auch an Stellen, wo man tagsüber beim Schnorcheln kaum Fische sieht, können nach Einbruch der Dunkelheit gute Fänge gemacht werden. Mindestens genau so wichtig ist jedoch die Platzwahl: Niedrige Klippen und Felsvorsprünge mit Sandboden in Wurfreichweite sind am vielversprechendsten. Je tiefer das Wasser, desto besser. Solche Orte lassen sich am besten mit Google Earth aufspüren. Helle Flecken in Ufernähe deuten auf Sand hin. Eine gute Angelstelle befindet sich zum Beispiel wenige hundert Meter westlich vom Strand bei Port d'es Canonge. Vorsicht ist allerdings geboten. So manchen Weg sollte man nur mit Bergstiefeln gehen.
Rückweg durchs schlafende Dorf
Nach dem ersten Fang regt sich anderthalb Stunden lang nichts mehr. Der nächste Biss ist dafür umso aufregender. Kein vorheriges Geplänkel, die Rute schlägt sofort hektisch aus und fällt fast um. Was auch immer am anderen Ende der Schnur tobt, es versucht, zurück zum Meeresboden zu gelangen. Das muss verhindert werden. Zu leicht verkeilt sich das Blei zwischen Steinen, und einige Fischarten flüchten gerne in Felshöhlen. Passiert das, hat man verloren.
Doch alles geht gut. In den Wellen taucht ein junger Glatthai auf. An Land windet sich das Tier in alle Richtungen - eine wunderschöne Kreatur mit bernsteinfarbenen Augen. Vorsichtig wird der Haken gelöst. Das Maßband zeigt 66 Zentimeter. Zu klein für diese Art. Nach einem kurzen Fototermin darf der Knorpelfisch wieder schwimmen.
Die am Meeresboden lebenden Glatthaie sind an der mallorquinischen Küste keine Seltenheit. Man fängt sie regelmäßig. Die allermeisten sind aber noch nicht geschlechtsreif und sollten deshalb zurückgesetzt werden. Ansonsten lassen sich beim Nachtangeln neben verschiedenen Seebrassen-Spezies auch Wolfsbarsche erbeuten, mit Glück sogar Rochen und Muränen.
Der verantwortungsbewusste Angler nimmt allerdings nur so viel mit, wie er für sich selbst und seine Tischgemeinschaft braucht. Für manche Fischarten gelten auf Mallorca gesetzliche Mindestmaße, und Mini-Brassen gehören auch nicht in die Küche. Erst ab 22 Zentimeter Länge hat man wirklich etwas auf dem Teller.
Es ist kurz nach ein Uhr, der Mond ist längst verschwunden. Zum ersten Fang hat sich noch eine schöne Zweibindenbrasse gesellt. Morgen wird es gegrillten Fisch geben. Auf dem Rückweg durch den Wald raschelt es im Gebüsch. Eine Ginsterkatze vielleicht, oder ein Marder. Ein lauer Windhauch zieht vorbei, trägt den Duft von Pinien und Feigenlaub mit sich. Das Dorf schläft. Irgendwo zirpt eine Grille. Sonst ist alles still.
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- Freitag, 11.11.2011 – 06:39 Uhr
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Bevölkerung: 46,196 Mio.
Fläche: 505.988 km²
Hauptstadt: Madrid
Staatsoberhaupt: König Juan Carlos I.
Regierungschef: Mariano Rajoy
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Im Juli und August ist es mit durchschnittlich 29 Grad Celsius sehr heiß auf Mallorca, außerdem sind die Strände und Cafés überfüllt. Im September kühlt es ab, es besteht aber auch die Gefahr von Regenschauern und Stürmen.
Für Wanderer und Radfahrer empfiehlt sich neben dem Frühjahr besonders der Herbst als Reisezeit. Im Oktober ist die Luft mild, und das Wasser hat noch bis in den November hinein Badetemperatur. Individualisten sollten Mallorca im Dezember besuchen, um noch ein paar schöne Sonnentage ohne Vorweihnachtsstress zu genießen.
Eine sehr hübsches Stadtchen ist Valldemossa, berühmt für sein ehemaliges Kloster, indem schon Frédéric Chopin mit seiner Geliebten George Sand wohnte.
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Individualreisende lieben das ländliche Inselinnere. Wer den 543 Meter hohen Tafelberg Puig de Randa erklimmt, wird belohnt: mit einem weiten Ausblick und mit dem Licor Randa, einen Kräuterlikör, den es nur dort oben gibt.
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Wer es blutrünstig mag, sollte das Kostümfest der Bewohner von Sóller besuchen. Jedes Jahr im Mai spielen sie ihren Sieg gegen die maurischen und türkischen Piraten 1561 mit Säbeln und viel Kampfgeschrei nach.
Ein besonderer Tipp ist auch das "Torrent de Pareis", ein mallorquinisches Konzert, das immer im Juli an der Mündung der Wildwasserschlucht Torrent de Pareis stattfindet, wenn diese von der Hitze ausgetrocknet ist.
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