Asturiens Nationalparks: Wo Bären und Wölfe jagen

In den Tiefen der Sagen umwobenen Buchen- und Eichenwälder Asturiens herrscht eine zauberhafte Atmosphäre. In Spaniens Nordwesten streifen noch Wolfsrudel und Braunbären durch die Naturparks, und in vielen Dörfern verläuft der Alltag noch wie vor 100 Jahren.

Geschützt: Rund hundert Braunbären leben in den Wäldern Asturiens
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Geschützt: Rund hundert Braunbären leben in den Wäldern Asturiens

Somiedo - Es riecht nach feuchtem Moos, Frühnebel zieht an den Bäumen hoch. Unten in der Schlucht donnert ein Wasserfall, ein paar Steinadler kreischen am Himmel. Sonst ist nichts zu hören. Auch Parkwächterin Susana San Narciso gibt keinen Laut von sich. Still sitzt sie im hohen Farngebüsch und wartet. Und plötzlich sind sie da: Gekonnt klettern Gemsen die Felsen herunter. "Jeden Morgen kommen sie hier lang, um in der Schlucht Wasser zu trinken. Nur manchmal, wenn Wolfsrudel in der Nähe sind, lassen sie sich nicht blicken", flüstert Susana. Seit einem Jahr arbeitet die Biologin im Naturpark Somiedo, einem von mehreren Schutzgebieten in Asturien im Nordwesten Spaniens.

Susana bereut es nicht, den Laborkittel gegen Wanderstiefel und Fernrohr getauscht zu haben: "Somiedo verzaubert einfach. Man sieht seltene Tierarten wie Bären und Wölfe. Vor allem aber die einsame und kontrastreiche Landschaft zieht Besucher in ihren Bann." Eichen- und Buchenwälder durchziehen die fünf Täler der Berglandschaft. Füchse, Wildschweine, Hirsche, Dachse und Wildkatzen konnten sich im Reservat ungestört ausbreiten. In den Flüssen Somiedo und Pigüeña leben Fischotter und Lachse. Die grünen Almen in den höheren Lagen erinnern eher an die Schweiz als an das Land des Flamencos und der Orangen.

Leben wie vor 100 Jahren: Die Jugend zieht weg aus dem einsamen Süden Asturiens
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Leben wie vor 100 Jahren: Die Jugend zieht weg aus dem einsamen Süden Asturiens

Auf den mit Klatschmohn rot besprenkelten Wiesen grasen Milchkühe, die sich selbst von streichelfreudigen Wanderern nicht aus der Ruhe bringen lassen. Bis zu 2200 Meter hoch strecken sich die schroffen Berge in den Himmel. Immer wieder kommen Besucher des Naturparks an Brañas vorbei - alten Steinhütten mit einem Reetdach, die von den Bauern auf den Sommerweiden genutzt werden. Aber die Heidi-Idylle auf der Alm und in den Tälern täuscht. Vier große Wolfsrudel leben hier völlig ungestört: "Fast täglich finden wir von Wölfen erlegte Kühe oder Ziegen", sagt Parkwächterin Susana. Damit die Hirten die Räuber nicht jagen, kommt Asturiens Regionalregierung für den Schaden auf.

Nur noch wenige Menschen leben in dem rund 300 Quadratkilometer großen Reservat. Einige Bergdörfer zählen keine 20 Einwohner mehr. Vor allem die Jugendlichen verlassen die einsame Region im Süden Asturiens, um in der Provinzhauptstadt Oviedo Arbeit zu suchen. Doch seit die Unesco den Park im Jahr 2000 zum Biosphärenreservat ernannt hat und das Naturparadies nun auch außerhalb Asturiens bekannt wird, kommen allmählich auch Touristen - und mit ihnen kommt das Geld.

Vom Fremdenverkehr lebt zum Beispiel der Kellner Antonio Vegas, der seinen Gästen noch etwas Sidra einschenkt, den für Asturien so typischen Apfelwein, dessen säuerlicher Duft sich in allen Dörfern mit dem Rauch der Holzfeuerkamine mischt. "In den meisten Dörfern lebt man noch wie vor 100 Jahren. Die wenigsten haben ein Auto", sagt der 21-Jährige. "Einige Orte haben nicht einmal Fernseher oder Radios. Zeitungen gibt es auch nicht. Und im gesamten Park ist ein Handy überflüssig, da es keinen Empfang gibt." Die meisten Touristen finden das zwar schön, beobachtet Antonio - "ich aber bin es leid."

"Tränen der Jungfrau von Covadonga: Der Bergsee Ercina liegt im Nationalpark Picos de Europa
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Die Abgeschiedenheit hat den Bewohnern des Naturparks auch in Europa selten gewordene Nachbarn beschert: Rund 15 Braunbären leben hier, die meisten von ihnen im Westen von Somiedo, wo das Reservat an den Naturpark Fuentes de Narcea grenzt. Insgesamt sind es rund 100 Braunbären, die noch durch Asturiens Naturparks streifen. Besonders geeignete Lebensbedingungen finden sie und auch die Wölfe im weiter östlich gelegenen Naturpark Muniellos. Das Waldgebiet wurde im Jahr 2000 von der Unesco ebenfalls als Biosphärenreservat ausgewiesen.

Der Zugang zu den zentralen Bereichen ist aber beschränkt, um den Braunbären-Bestand zu erhalten. In den Tiefen des von Sagen umwobenen Muniellos-Waldes herrscht eine Atmosphäre, die leicht ein Gefühl des Verzaubertseins entstehen lässt. Die dichten Buchen- und Eichenwälder im Valle de Hermo zählen zu den schönsten Waldgebieten Spaniens. Im Osten ist der Naturpark durchzogen von großen Bergtorfmoor-Gebieten.

Der für Touristen vielleicht interessanteste Naturpark Asturiens ist Picos de Europa. Schon 1918 weihte König Alfons XIII. ihn als ersten Nationalpark Spaniens ein. Der Name «Spitzen Europas» stammt von den Seefahrern, waren doch die schroffen Gipfel von bis zu 2600 Metern Höhe das Erste, was sie bei ihrer Heimkehr zum Festland sahen.

 Asturiens wichtigster Wallfahrtsort: Die Basilika von Covadonga
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Keine 30 Kilometer vom Atlantik entfernt, formen 50 Zweitausender in Picos de Europa eine grandiose Bergwelt. Die Route entlang des Cares-Flusses und die Wanderung zum Aussichtspunkt Mirador de Ordiales gehören zu den schönsten Touren. Im Gegensatz zu den anderen asturischen Naturparks bieten die Picos Besuchern auch eine Vielzahl an Freizeitaktivitäten wie Rafting, Kanutouren oder Kletterausflüge. Auch Höhlenfans kommen hier voll auf ihre Kosten: Das Höhlensystem del Trave zum Beispiel ist neun Kilometer lang und 1,4 Kilometer tief. Es gehört damit zu den tiefsten Höhlensystemen der Welt.

Im Jahre 722 stoppte der Adelige Pelayo mit einem kleinen Heer bei Covadonga in den Picos die von Süden anrückenden Mauren. Heute ist der Ort Asturiens wichtigster Wallfahrtsort. Von Covadonga aus sind es nur sieben Kilometer bis zu den Bergseen Enol und Ercina, die auch die "Tränen der Jungfrau von Covadonga" genannt werden. Sie sind gute Ausgangspunkte für schöne Wanderungen durch das Hochgebirge.

Von Manuel Meyer, gms

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