East Beach Café in Littlehampton: Stahl mit Geschmack

Das East Beach Café an Englands Südostküste wirkt halb wie ein Schiffswrack, halb wie ein schwimmender Krake. "mare"-Autor Hansjörg Gadient betrachtet den Stahlplattenbau mit dem vierten Sinn. Wie schmeckt eigentlich Rost?

East Beach Café in England: Strandkiosk Schwarzwälderkirsch
Fotos
Andy Stagg

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Man nehme 40 Tonnen Baustahl, schmelze ihn bei 1200 Grad und gieße die Schmelze zu Platten. Diese Platten gleichmäßig auswalzen, bis sie etwa sieben Millimeter dick sind, und dann in Streifen von 15 bis 40 Zentimeter Breite schneiden. Die Streifen zu einer Form arrangieren, die an ein Stück Treibholz erinnert. Alles zu einer festen Hülle verschweißen und bis zur weiteren Verwendung abkühlen lassen.

Unterdessen ein ebenes Stück Strand mit einer Fläche von etwa 5 mal 20 Metern von Unrat befreien und gleichmäßig einebnen. Dann 20 Tonnen Kies, 20 Tonnen Zement und circa 40 Tonnen Wasser zu einem griffigen Brei mischen. Mehr Wasser zugeben, wenn der Teig zu fest ist, mehr Zement, wenn er zu flüssig ist.

Diese Masse gleichmäßig über die planierte Fläche streichen und ein grobes Stahlnetz in die feuchte Masse drücken. Abdecken und etwa eine Woche ruhen lassen. Anschließend die vorbereitete Stahlform auf der erhärteten Unterlage positionieren und festschrauben; das Ganze rosten lassen, bis es einen leckeren rotbraunen Ton erreicht hat.

In der Zwischenzeit den Innenraum mit einem handelsüblichen weißen Isolationsschaum ausspritzen und diesen erhärten lassen. Den Boden mit einer Kunststoffglasur abdecken und die offenen Seiten mit Türen und Fenstern einer ortsüblichen Bauart abdichten. Wenn die äußere Stahlhülle den erwünschten Farbton erreicht hat, gleichmäßig mit Leinöl bestreichen und dann der Witterung überlassen. Am besten zu genießen nach einem regnerisch-windigen Spaziergang an der englischen Südostküste.

Wie würde dieser 500.000 Pfund teure und 200.000 Pfund schwere Bau schmecken, wenn er wirklich ein Gericht wäre? Bridget, die strenge Rothaarige, beantwortet die Frage, als ob sie darauf gewartet hätte: "Auster!" Da kann es keinen Zweifel geben; sie ist hier schließlich die Managerin. Der Chefkoch David zögert kurz und meint dann: "Ochsenbacke, gebraten." Nur Maddie, die bedient, erbittet sich Bedenkzeit, bis sie strahlend an den Tisch zurückkommt und verkündet: "Schwarzwälder Kirschtorte! Wegen der Schichten! Und wegen der Farben!" Sowenig die drei um Antworten verlegen sind, so professionell bewirten sie ihre Gäste im East Beach Café.

Asia-Fusion am Ärmelkanal

Vorher stand hier ein lausiger Strandkiosk, an dessen Stelle ein monströser Neubau geplant war. Der hätte dem heruntergekommenen Strand von Littlehampton den Rest gegeben, davon war die Bauherrin Anne Wood überzeugt. Sie kaufte das Grundstück und beauftragte den Designer Thomas Heatherwick mit einem speziellen Gebäude für diesen Ort: ein Café mit 60 Plätzen, eine kleine Küche und ein Außenkiosk.

Heatherwick nahm die Herausforderung an und wurde für das Ergebnis seiner Arbeit hochgeehrt. Einige der Auszeichnungen hängen heute, hübsch gerahmt, auf der Toilette des Cafés; die Bauherrin legt keinen Wert auf äußere Anerkennung, sie wollte für die Entwicklung des Ortes "einen positiven Beitrag leisten". Sie hatte mit Bedauern verfolgt, wie sich um den alten Kiosk am Strand mehr und mehr Randständige und Drogenabhängige versammelten und alle Übrigen ihn mieden. Das wollte sie ändern, und sie wollte auf jeden Fall verhindern, dass der Ort mit einer weiteren Bausünde endgültig ruiniert würde.

Das unternehmerische Risiko sei erheblich gewesen, sagt sie. Zuerst seien die Gäste nur wegen der Architektur gekommen, hätten hier gegessen und seien dann wegen der guten Küche immer wieder zurückgekommen. Das verwundert nicht, denn der Chefkoch, David Whiteside, hat in den besten Häusern gearbeitet. Er verbindet maritime englische und asiatische Kochtraditionen zu einer leichten und eleganten, aber unprätentiösen Küche. Längst ist das East Beach Café ein richtiges Restaurant geworden. Das Risiko hat sich gelohnt, das Rezept funktioniert.

Dieser Text stammt aus "Mare" Oktober/November 2012.


Chilitintenfisch

Zutaten (für vier Personen):

400 Gramm Tintenfisch, ausgenommen und gewaschen, eine Packung Paniermehl, vier Löffel Olivenöl, zwei Chilischoten, fein gehackt, Salz und Pfeffer, ein viertel Teelöffel Kurkumapuder (Gelbwurz), 800 Gramm junge Salatblätter.

Zubereitung:

Das Olivenöl mit dem Kurkumapuder und etwas Salz mischen, erhitzen und erkalten lassen, dann durch ein feines Tuch streichen. Vier Teller damit dekorativ beträufeln und die jungen Salatblätter darauf verteilen. Die Tintenfische in der Panade wenden und eine bis eineinhalb Minuten in heißem Öl braten; mit Papier das überflüssige Öl abtupfen. Anschließend mit Chilischoten, Salz und Pfeffer bestreuen und auf dem Salat anrichten.

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insgesamt 4 Beiträge
zeitmax 24.10.2012
Bauen in Form eines Kochreptes - prima! Aber das Café wird im Winter ne Tropfsteinhöhle...
Bauen in Form eines Kochreptes - prima! Aber das Café wird im Winter ne Tropfsteinhöhle...
Mertrager 24.10.2012
Muss ja auch nicht jeder wissen, wie das mit dem Bauen so geht. Auch scheint Beton anrühren so ähnlich wie kochen zu sein. Hat wohl jeder sein eigenes Rezept. - Oder gibt es da etwa Regeln ?
Muss ja auch nicht jeder wissen, wie das mit dem Bauen so geht. Auch scheint Beton anrühren so ähnlich wie kochen zu sein. Hat wohl jeder sein eigenes Rezept. - Oder gibt es da etwa Regeln ?
scarlet 24.10.2012
Wenn die Frage ernst gemeint war. Ja Betonanmischen hat mich auch schon an Kochrezepte erinnert, wobei ich Backen nach Rezept wesentlich einfacher finde (Ich=Frau). Bei Beton spielt auch bisschen das Gefühl mit rein, es gibt [...]
Zitat von MerkelertragerMuss ja auch nicht jeder wissen, wie das mit dem Bauen so geht. Auch scheint Beton anrühren so ähnlich wie kochen zu sein. Hat wohl jeder sein eigenes Rezept. - Oder gibt es da etwa Regeln ?
Wenn die Frage ernst gemeint war. Ja Betonanmischen hat mich auch schon an Kochrezepte erinnert, wobei ich Backen nach Rezept wesentlich einfacher finde (Ich=Frau). Bei Beton spielt auch bisschen das Gefühl mit rein, es gibt keine so strikten Angaben, aber zu viel Zement und es wird irgendwann rissig, also mehr als 1:1 sollten Sie vielleicht nicht gehen. Zu wenig Zement und es ist einfach ne flüssige Jauche. Aber das Aushärten etc. hängt natürlich auch von der Betonsorte ab. So würd ich die Frage beantworten... Viel witziger finde ich die Tatsache, dass der Baustahl nur eine Schmelztemperatur von 1200°C aufweisen soll. Was soll das denn bitteschön sein?C15 hat 1510°C, gut mit steigendem Kohlenstoffgehalt sinkt die Schmelztemperatur., aber selbst C60 hat 1470°C.
Mertrager 24.10.2012
"Viel witziger finde ich die Tatsache, dass der Baustahl nur eine Schmelztemperatur von 1200°C aufweisen soll. Was soll das denn bitteschön sein?C15 hat 1510°C, gut mit steigendem Kohlenstoffgehalt sinkt die [...]
"Viel witziger finde ich die Tatsache, dass der Baustahl nur eine Schmelztemperatur von 1200°C aufweisen soll. Was soll das denn bitteschön sein?C15 hat 1510°C, gut mit steigendem Kohlenstoffgehalt sinkt die Schmelztemperatur., aber selbst C60 hat 1470°C." schreibt scarlet. Ja. Ich dachte, das mit dem Beton kennt eigentlich schon jeder Kleingärtner 1:3 und 1:4 und so. Man muß ja bei so einem Artikel sich nicht zum Techni-Experten entwickeln. Aber so eine kleine Recherche (zB wikipedia) gehört eigentlich zum Handwerkzeug. - Dachte ich.
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  • Mittwoch, 24.10.2012 – 06:39 Uhr
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