Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Baleareninsel Formentera: Die Farben der Karibik

Noch gibt es keinen Flughafen, noch können Urlauber manche Strände fast für sich haben: Die kleinste Baleareninsel Formentera ist eine Oase zwischen den Massentourismus-Zielen der Umgebung. Doch die Gefahr ist groß, dass hier die gleichen Fehler gemacht werden wie einst auf Mallorca.

Formentera: Die Karibik Europas Fotos
Turespana/TMN

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Es Pujols - Formentera hat keinen Ballermann und kein Tramuntana-Gebirge. Es werden hier keine heißen Party-Nächte wie auf Ibiza gefeiert. Dafür bietet die kleinste Balearen-Insel eines im Überfluss: Ruhe und die schönsten Strände des gesamten Archipels.

Das mit der Ruhe sei allerdings relativ, sagt Ekkehard Hoffmann. "Im Frühjahr, Herbst und Winter ist es wirklich traumhaft ruhig und entspannt hier. Aber im Juli und August heizen Tausende Italiener mit ihren Vespas über die Insel", erzählt der 57-jährige Bremer, der seit mehr als 20 Jahren auf Formentera wohnt. Er scheint schon lange nicht mehr auf Mallorca oder Ibiza gewesen zu sein. Verglichen mit den dortigen Urlauber-Hochburgen wirkt Es Pujols, der touristische Hauptort Formenteras, wie ein verschlafenes Dörfchen - noch.

Die Insel verändert sich, es wird mehr gebaut als früher. Die Leute begingen denselben Fehler wie die Mallorquiner vor Jahrzehnten, schimpft Ekkehard: "Sie sehen nur das schnelle Geld mit den Touristen."

Aber noch ist die Situation nicht mit Mallorca zu vergleichen. Er möchte sich auch gar nicht beschweren, sagt Ekkehard. Formentera habe übers Jahr verteilt nicht so viele Touristen wie die Nachbarinseln Mallorca, Ibiza und Menorca und sei deshalb auf die Einnahmen im Hochsommer angewiesen. Dennoch ist er froh, dass Formentera keinen Flughafen hat. "Sonst wäre hier bei den Stränden, die wir haben, die Hölle los."

Ein wenig der Zeit hinterher

Vielen Ballermann-Touristen und Partyhoppern, wie man sie von Mallorca und Ibiza kennt, sei es hier Gott sei Dank zu ruhig. Und sie empfänden die Anreise als zu umständlich: erst nach Ibiza zu fliegen, um von dort aus eine Fähre nach Formentera zu nehmen.

Was für viele einheimische Isleños ein Fluch ist, empfindet Ekkehard als Segen. "Nur deshalb hat Formentera noch dieses Flair, der Zeit ein wenig hinterherzulaufen. Alles ist etwas persönlicher", sagt der Deutsche, der 1991 in Sant Ferran die Gitarrenbau-Schule "Formentera Guitars" übernahm. "Ein Beispiel: Während auf Mallorca alle in Großraumdiskos stürmen, finden in vielen Bars und Kneipen auf Formentera auch noch Live-Konzerte statt."

Als der Hobby-Bassist 1989 bei dem ehemaligen Besitzer einen Gitarrenbaukurs machte, verliebte er sich Hals über Kopf in die Insel. Nur zwei Jahre später verkaufte der gelernte Elektrotechniker sein Tonstudio in Darmstadt und übernahm die Gitarrenbauschule, als der Vorbesitzer wieder nach Hannover zurückkehren wollte.

Seine Entscheidung, auf Formentera ein neues Leben zu beginnen, hat er niemals bereut. "Da die Insel so klein ist, lernt man schnell viele Leute kennen. Außerdem sind wir hier außerhalb der Hochsaison fast unter uns", sagt er. Ekkehard ist inselweit bekannt wie sein kleiner Mischlingshund Kiko, der in den kleinen Gassen von Sant Ferran beim Gassigehen öfter gegrüßt wird als Ekkehard selbst.

In drei Wochen zur eigenen Klampfe

Rund 45 Schüler kommen jedes Jahr für drei Wochen in seine Gitarrenbauschule, um ihre eigene, handgefertigte Gitarre unter Ekkehards Anleitung zu fertigen. Natürlich bleibt es nicht beim gemeinsamen Sägen, Schleifen, Schrauben und Hämmern. "Wir machen auch gemeinsam Musik, gehen nach dem Kurs zum Strand oder grillen abends", erklärt Ekkehard. Mit vielen Schülern entstehen Freundschaften.

Natürlich kommen nur die wenigsten Urlauber zum Gitarrenbauen nach Formentera. Die meisten werden von den schönen, weißen Sandstränden gelockt. "Ich lese es immer wieder in Broschüren und Reiseführern, aber es stimmt auch: Formentera ist die Karibik Europas", sagt Ekkehard. Er reiste selbst schon in die Karibik, nach Kuba. "Die Strände dort sind ein Traum, aber unsere auf Formentera stehen ihnen in nichts nach", lautet sein Urteil.

Einer seiner Lieblingsstrände ist die Platja de Migjorn an der Südküste - genauer gesagt der Teilabschnitt bei Es Arenals. Er ist zugleich auch der längste Sandstrand. Vor allem bei der Blue Bar und dem Piraten-Bus, zwei angesagten Strandbars, scheint der Strand noch heller und das Wasser noch türkisblauer als anderswo zu sein, was natürlich auch an den Drinks liegen kann.

Ebenfalls einen Besuch wert sind die Strände von Illetes im Norden. "Wenn Du bis zum äußersten Zipfel gehst, hast Du einen wunderbaren Blick auf die vorgelagerte Insel Espalmador", sagt Salzbauer José, der nicht selten nach dem schönsten Abschnitt gefragt wird. Er antwortet leicht genervt. "Und bitte keine Fotos", sagt José. Ständig werde er von Touristen von der Arbeit abgehalten. Der Feldweg, der zum Strand von Illetes führt, liegt direkt an seinen Salzbecken.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Realitätsverlust
vatsug 12.04.2011
Zitat von sysopNoch gibt es keinen Flughafen, noch können Urlauber manche Strände fast für sich haben: Die kleinste Baleareninsel Formentera ist eine Oase zwischen den Massentourismus-Zielen der Umgebung. Doch die Gefahr ist groß, dass hier die gleichen Fehler gemacht werden wie einst auf Mallorca. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,756562,00.html
Ich habe meinen ersten Urlaub auf Formentera 1969 verbracht, damals war es wirklich noch eine weitgehend unbekannte Perle, welche mühselig mit zwei Schiffen von Ibiza erreichbar war. Ich bin dann ab Mitte der 80er Jahre fast jedes Jahr mit meiner Familie dort gewesen, immer mit Fahrrad und Holzkiste, konnte aber schon damals die gravierenden Veränderungen feststellen. Es begann mit der Invasion aus NRW und dem damit einhergehenden Aufbau von Pils- und Altbierkneipen speziell in Es Pujols. Es kamen die täglichen Speedboote aus Ibiza, welche insbesondere den Illetas Strand mehr und mehr zuparkten. Es endete mit den Italienern, welche die bis dahin dominierenden, meist Fahrrad fahrenden Deutschen, mit ihren Vespas einfach überrollten. Nicht zu vergessen, auch der hausgemachte Beitrag der Inselbewohner und Spanier, welche, unterstützt durch Förderprogramme der EU, jeden schönen Flecken auf der Insel mehr und mehr "touristenfreundlich" gestalteten und wenn möglich zubetonierten.
2. früher war alles viel früher
1895olé 12.04.2011
Zitat von vatsugIch habe meinen ersten Urlaub auf Formentera 1969 verbracht, damals war es wirklich noch eine weitgehend unbekannte Perle, welche mühselig mit zwei Schiffen von Ibiza erreichbar war. Ich bin dann ab Mitte der 80er Jahre fast jedes Jahr mit meiner Familie dort gewesen, immer mit Fahrrad und Holzkiste, konnte aber schon damals die gravierenden Veränderungen feststellen. Es begann mit der Invasion aus NRW und dem damit einhergehenden Aufbau von Pils- und Altbierkneipen speziell in Es Pujols. Es kamen die täglichen Speedboote aus Ibiza, welche insbesondere den Illetas Strand mehr und mehr zuparkten. Es endete mit den Italienern, welche die bis dahin dominierenden, meist Fahrrad fahrenden Deutschen, mit ihren Vespas einfach überrollten. Nicht zu vergessen, auch der hausgemachte Beitrag der Inselbewohner und Spanier, welche, unterstützt durch Förderprogramme der EU, jeden schönen Flecken auf der Insel mehr und mehr "touristenfreundlich" gestalteten und wenn möglich zubetonierten.
Naja, wer 1969 seinen ersten Urlaub z.B. auf Sylt oder Elba verbracht hat, hat wahrscheinlich auch noch eine etwas andere Insel im Gedächtnis. Dass sich Orte, Landschaften, deren Bewohner und auch die Besucher ändern - fast immer so, wie es dem, der "schon immer" da war, nicht gefällt - ist jetzt keine wirklich neue Erkenntnis. Und speziell was die vermeintlichen, ehemaligen, touristischen Geheimtipps anbelangt: Gerade in Europa leben ein paar hundert Millionen relativ wohlhabende Menschen. Die zieht es im Urlaub nun einmal in der Regel in die Berge oder ans Meer. Eine Lösung, alle umwelt- und landschaftsverträglich unter zu bringen, hat leider noch keiner gefunden.
3. Ruhiges Formentera
johnnywaters 12.04.2011
Sicher tragen anpreisende Artikel wie dieser dazu bei, dass Formentera das selbe Schicksal ereilen wird wie viele andere von den Massenmedien als "abgeschieden, ruhig, einsam" beschriebene Ziele. Ich bin dann mal dort. Danke.
4. 1965 besuchte ich die Insel im September
Emil Peisker 14.04.2011
Zitat von vatsugIch habe meinen ersten Urlaub auf Formentera 1969 verbracht, damals war es wirklich noch eine weitgehend unbekannte Perle, welche mühselig mit zwei Schiffen von Ibiza erreichbar war. Ich bin dann ab Mitte der 80er Jahre fast jedes Jahr mit meiner Familie dort gewesen, immer mit Fahrrad und Holzkiste, konnte aber schon damals die gravierenden Veränderungen feststellen. Es begann mit der Invasion aus NRW und dem damit einhergehenden Aufbau von Pils- und Altbierkneipen speziell in Es Pujols. Es kamen die täglichen Speedboote aus Ibiza, welche insbesondere den Illetas Strand mehr und mehr zuparkten. Es endete mit den Italienern, welche die bis dahin dominierenden, meist Fahrrad fahrenden Deutschen, mit ihren Vespas einfach überrollten. Nicht zu vergessen, auch der hausgemachte Beitrag der Inselbewohner und Spanier, welche, unterstützt durch Förderprogramme der EU, jeden schönen Flecken auf der Insel mehr und mehr "touristenfreundlich" gestalteten und wenn möglich zubetonierten.
Mein erster Aufenthalt auf dieser schönen Insel war 1965. Eigentlich war ich bei Freunden auf Ibiza. Ein englischer Pubbesitzer hatte eine Finca auf Formentera. Er baute dort damals Hanf an. Zwei Jahre später saß der "Geschäftstüchtige". Als ich mir '65 seine Finca anschaute, wunderte es mich, dass er so unbehelligt blieb. Ansonsten ist die Beschreibung der Insel zutreffend, auch wenn es in den 3-4 Sommermonaten schon etwas hektischer wird. 1965 besuchte ich die Insel im September. Besonders zu empfehlen von April bis Mai.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Bevölkerung: 46,440 Mio.

Fläche: 505.968 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Spanien-Reiseseite


AP; DDP; Antje Blinda
Auch Sie locken Sonne, Sangria, Strände und Stadtkultur in den Süden? Wie viel wissen Sie über Ihre Gastgeber? Können Sie mehr als Ballermann? Testen Sie Ihr Wissen im Reisequiz bei SPIEGEL ONLINE.
Buchtipp

Stephan Orth, Antje Blinda:
Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt
Kurioses aus dem Urlaub - jetzt auch als Buch!

Ullstein Taschenbuchverlag; 224 Seiten; 8,99 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.


Reiseziele

Welche Weltregion interessiert Sie? Wählen Sie einen Kontinent oder ein Land:

Der benötigte Flash Player 8 wurde nicht gefunden. mehr...