Britische Wanderhütten Einfach mal der Welt entkommen

Weder Strom noch fließend Wasser, dafür aber kostenfrei: In Bothies in Großbritannien darf jeder einfach so übernachten. Fotograf Nicholas White hat die in grandiosen Landschaften liegenden Hütten erwandert.

Nicholas White

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Stellen Sie sich vor: Von Ihrem Schlafsack aus können Sie durch ein riesiges Fenster auf das Meer blicken, kleine Inseln bestaunen und mit etwas Glück sogar Wale im Wasser beobachten - und das alles gratis. Möglich ist das in der Lookout Bothy auf der Isle of Syke, einer von rund 100 Hütten, die in Schottland, aber auch vereinzelt in Wales und Nordengland zu finden sind.

Der Name Bothy stammt von dem gälischen Begriff "bothan" oder dem walisischen "bwthyn" und bedeutet in etwa "kleine Hütte". Der Fotograf Nicholas White hat rund 30 von ihnen besucht: "Ich wollte nicht jede einzelne fotografieren, um ihre Geschichte zu erzählen - das wäre ja langweilig geworden." Stattdessen wählte er die Hütten nach der sie umgebenden Landschaft aus und versuchte eine große Bandbreite abzudecken.

Oft liegen die Häuschen spektakulär - zwischen Gipfeln, kleinen Buchten oder an einem Wasserfall. Whites Lieblingshütte ist die Shenavall Bothy am Fuße des schottischen Berges An Teallach: "Hier befindet man sich offiziell am weitesten entfernt von einer Straße in Großbritannien. Das hat etwas ganz Besonderes."

Da die meisten Bothies fernab der Zivilisation stehen, muss man zu ihnen wandern - oft mehrere Stunden. "Sie vermitteln dadurch ein Gefühl von Distanz und Einsamkeit", sagt der Fotograf. " Ich genieße die Gelegenheit, allein dort in diesen Landschaften zu sein und nachzudenken."

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15  Bilder
Spartanisch, aber einmalig: Bothies in Großbritannien

Die Ausstattung der Bothies ist eher spärlich: Es gibt weder Strom noch fließend Wasser, nur wenige haben ein Plumpsklo. Viele Räume sind komplett leer, man muss auf dem Boden - oder der eigenen Isomatte - schlafen. Andere sind mit Stühlen, einem Tisch oder einem Bett ausgestattet. Einen Schlafsack, Essen und Holz für den Kamin sollte man aber auf jeden Fall mitbringen.

"Beim ersten Betreten kann so ein Raum ziemlich einschüchternd sein, es ist dunkel, kalt und unangenehm." Doch sobald man eine Kerze oder ein Feuer angemacht habe, werde es sehr gemütlich, sagt White, der sich in den Bothies immer sehr wohlfühlt.

Freiwillige der Mountain Bothies Association (MBA) halten die meisten der Hütten instand. Sie kommen mindestens zweimal jährlich, um den Zustand zu prüfen. Doch jeder Besucher ist dazu aufgerufen, alles sauber zu halten und Abfall mitzunehmen - sonst werden Ratten angelockt.

Reservieren nicht möglich

Der Fotograf zeigt nicht nur die Bothies mit ihrem spartanischen Innenleben sowie die Landschaften, in denen die Hütten stehen. Er porträtiert auch die Menschen, denen er unterwegs begegnete, mit denen er manchmal auch gemeinsam die Hütten bewohnte. Denn die Häuschen sind meist unverschlossen und können kostenfrei besucht, aber auch nicht vorab reserviert werden.

Bei seinen Besuchen traf White auf ganz unterschiedliche Menschen wie Tagesausflügler, Hundehalter oder Bergsteiger. Am meistens beeindruckte ihn aber die Bekanntschaft mit David bei der Kearvaig Bothy am Cape Wrath: "David war anders. Er nutzte die Bothy als Ort zum Nachdenken, um sich einfach zu entspannen und der Welt für eine Weile zu entkommen."

Sein Fotoprojekt hat der Engländer mittlerweile abgeschlossen. Trotzdem will er weiterhin Bothies besuchen - dann aber nur noch zu seinem privaten Vergnügen.

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insgesamt 11 Beiträge
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matt4866 29.05.2018
1. Besser als die Städte Großbritanniens
Schöne Landschaft - und dort werden auch keine Menschen in Schnellgerichtsverfahren verurteilt, weil sie der Regierung nicht gefallen. Großbritannien zeigt ein Gesicht, das ganz unwürdig ist, schade, dass eine alte Demokratie so verfällt. Gerade wer multikulturelle Gesellschaften mag, muss solche Meinungen / Konflikte aushalten. Politische Gefangene sollte es nicht mehr geben. Ein solches Land will ich nicht besuchen.
freudentanz 29.05.2018
2. Nett
und beneidenswert wenn man alle Hütten besuchen kann. Da könnte selbst ich noch zum Wanderer werden. Der Post No1 wurde offenbar vom RT Putinfanclub generiert. Hauptsache stänkern, Unfrieden stiften und F-News verbreiten. Schade das selbst Artikel über alte Hütten "verpolitisiert" werden um Lügen zu verbreiten das sich die Balken biegen
Jo-achten-van-Haag 29.05.2018
3. Gut zu wissen
das es so etwas gibt. Und weit weg von demolierenden und Kraftprotzen ohne Hirn. @ freudentanz, stimme dir zu, matt4866 schreibt schon seltsame Kommentare. Aber auf diese an Fake News grenzenden Kommentare ist die Redaktion nicht geeicht. Da werden eher Israel kritische Kommentare nicht veröffentlicht.
manicmecanic 29.05.2018
4. nette Lagen
haben die Hütten.Eine Reise wert mit Sicherheit. Die vorigen Poster brschweren sich darüber daß Nr.1 Politik einbringt,tja aber statt Argumente dagegen zu bringen lese ich nur unterschwellige Beleidigungen.Stimmt es denn nicht was Nr.1 behauptet?Dann mal ein krasses Beispiel zu GB.Mehrere Polizisten ringen einen farbigen Bürger nieder.Als er wehrlos am Boden fixiert wurde erschießt einer der Polizisten ihn per Kopfschuß!Der Staat behauptet,es wäre nicht ermittelbar welcher Polizist es war!Bis heute wurde er nicht angeklagt.Authentischer Fall,der verständlicherweise weltweit Ausehen erregt hat.Demokratischer Rechtsstaat?
heimatminister 29.05.2018
5.
Wo ist der Bezug zum Artikel? Wollen Sie dann auch über das NHS (Gesundheitssystem) oder die Premier League diskutieren? Oder über die 'Moral' der Fuchsjagd? Abgesehen davon ist der Inhalt des Postings wirklich haarsträubend unsinnig. Zurück zum Thema: Dem interessierten Individualreisenden empfehle ich einen Blick auf die Internetseiten der unabhängigen Jugendherbergen im UK, besonders auch Schottland. (independenthostels.co.uk). Und obwohl der Name einen Bezug Hagebuttentee, lärmenden 4.Klässlern und Etagenbetten nahelegt - hier gibt der im Artikel beschriebenen Unterkünfte ähnliche Objekte. Und Besucher!
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