Südeuropa: Deutsche Urlauber kaum von Bränden betroffen

In den Urlaubsregionen am Mittelmeer lodern die Flammen, im Südwesten Griechenlands wurde der Notstand ausgerufen. Bislang sind Urlauber von den Bränden wenig betroffen - wer allerdings seine Reisepläne ändern will, hat keinen Anspruch auf kostenlosen Rücktritt.

AFP

Hamburg - Sengende Hitze, extreme Trockenheit und starke Winde: Im Kampf gegen die Waldbrände ist die Feuerwehr in mehreren Urlaubsregionen Südeuropas weiterhin im Dauereinsatz. Auf Teneriffa und La Palma mussten Ausflüge abgebrochen werden, teilten Reiseveranstalter mit. Auch wurde bei einigen Touren die Route geändert, sagte Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV). Unterdessen waren 2000 Menschen aus der Stadt Vilaflor in Sicherheit gebracht worden.

Die Flammen auf La Gomera konnten laut DRV unter Kontrolle gebracht werden. Die Feuer auf Teneriffa lodern weiter. Auch in Montenegro, Italien und Istrien brennt es noch. Der DRV rät Reisenden, sich über aktuelle Medien vor Ort und bei den Reiseveranstaltern zu informieren.

Im Südwesten Griechenlands haben die Behörden den Notstand ausgerufen. Mehrere Dörfer in der Region wurden evakuiert, sagte Gouverneur Apostolos Katsifaras. Über der Hafenstadt Patras war dichter schwarzer Rauch zu sehen. Neun Flugzeuge und ein Hubschrauber waren rund um den Ort Argyra, 15 Kilometer östlich von Patras, im Einsatz. "Die Bedingungen sind hart", sagte Katsifaras. Deutsche Touristen sind Reiseveranstaltern zufolge bislang kaum betroffen.

Trotz der Brände halten Urlauber offenbar an ihren Reiseplänen fest. "Wir haben bislang keine Stornoanfragen", teilte ein Reiseveranstalter mit. Diese Beobachtung teilte auch der DRV. Lediglich einige Urlauber fragten telefonisch nach, wie die Lage an ihrem Urlaubsort sei.

In vielen der Fälle gehen die Behörden von Brandstiftung aus. In Italien fordert die Naturschutzorganisation WWF, dass sich die nationale Anti-Mafia-Kommission mit dem Problem beschäftigt. Häufig handle es sich um Brandstiftungen der Organisierten Kriminalität.

Keine kostenlose Stornierung

Die Angst vor den Bränden in Südeuropa rechtfertigt demnach keinen kostenlosen Rücktritt von gebuchten Reisen. "Subjektive Gefühle spielen keine Rolle", sagte der Reiserechtsexperte Paul Degott. "Es geht um die objektive Vertragserfüllung." Es gehe immer um die Frage, ob eine Reise durch die Brände erheblich mangelbehaftet ist oder nicht, sagte Degott.

Wenn etwa in der Nähe des Hotels Rauch in den Himmel steigt oder Straßen gesperrt sind, heiße das allein noch nicht, dass der Kunde den Reisevertrag ohne Stornogebühren kündigen kann, sagte der Experte. "Es geht immer darum, ob die im Vertrag festgeschriebenen Leistungen noch erfüllt werden können." Das sei oft eine schwierige Prognose, weil sich die Situation in der Zielregion schnell ändern könne. Der Reiserechtler rät Urlaubern dazu, sich genau über die Lage vor Ort zu informieren und den Reiseveranstalter zu kontaktieren.

Die Frage, ob die Brände als höhere Gewalt angesehen werden, sei nur für Urlauber entscheidend, die sich bereits in einem betroffenen Gebiet befinden, sagte Degott.

lei/dpa/dapd

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