"Fully booked" - wer in diesen Tagen in einer Londoner Kneipe einen Tisch für das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund reservieren will, erhält fast überall die gleiche Antwort. Besonders die Handvoll deutscher Etablissements ist hoffnungslos überlaufen.
"Wir sind schon seit den Hinspielen im Halbfinale ausgebucht", sagt Sabine von Reth, Inhaberin des Bavarian Beerhouse in London. 750 Gäste passen in ihre beiden Lokale, sie erwartet, dass zwei Drittel Bayern-Fans sein werden. "Der Ansturm ist vergleichbar mit der WM 2006", sagt sie.
Die Bierschenke, ein Bierkeller in der Nähe der London School of Economics, macht für den Finaltag sogar zwei zusätzliche Lokale auf. Inhaber Oliver Heller hat den King's Cross Social Club und die "HMS President", ein Party-Schiff auf der Themse, gemietet. Bayern-Fans sollen mit Augustiner-Bier auf das Schiff gelockt werden, das den ganzen Abend am Ufer vertäut bleibt. Für Dortmund-Fans hingegen ist die Kneipe vorgesehen, in der DAB ausgeschenkt wird. "Ich hätte den Laden dreimal vollgekriegt", sagt Heller.
Wie viele Fans am Ende nach London kommen, ist schwer vorauszusagen. Jede Mannschaft hatte ein Kontingent von 23.000 Eintrittskarten für das Wembley-Stadion. Die waren im Nu vergriffen. Darüber hinaus rechnet die Londoner Polizei mit einigen tausend Fans, die ohne Tickets anreisen: Rund 500 aus München, bis zu 5000 aus Dortmund. Beide Schätzungen erscheinen jedoch reichlich niedrig. Insbesondere die Dortmunder Fans gelten als reisefreudig.
Scotland Yard rät Fans davon ab, ohne Karten an die Themse zu kommen. "Gehen Sie besser zu den Public Viewings in München oder Dortmund", sagt Einsatzleiter Colin Morgan. Bewusst wurde in London darauf verzichtet, große Leinwände im Freien aufzustellen: Man will keine Fans anlocken. Es gibt zwar ein mehrtägiges UEFA-Festival im Olympiapark, doch wird das Spiel dort nicht übertragen.
"Ich rechne mit 3000 Mann, die versuchen, hier reinzukommen"
Morgan warnt auch davor, auf Schwarzmarktkarten zu hoffen. Es sei illegal, es gebe viele Betrüger, und er wolle nicht, dass deutsche Fans in London festgenommen würden, sagt er. Wer ohne Karte nach London reise, laufe die Gefahr, den Abend bei schlechtem Bier vor einem normalen Fernseher im Pub zu verbringen. "Wenn er überhaupt in einen Pub reinkommt."
Mit etwas Glück wird sich jedoch zumindest ein Stehplatz finden lassen. Schließlich ist die britische Hauptstadt reichlich mit Kneipen gesegnet. Und weil keine englische Mannschaft im Finale ist, dürfte sich das Interesse der Einheimischen in Grenzen halten. "Wenn ein englisches Team dabei wäre, würde es garantiert voll", sagt Vincent, Geschäftsführer des Famous 3 Kings in West Kensington. Angesichts des rein deutschen Finales sei er nicht so sicher.
Aber es habe schon zahlreiche Anfragen aus Deutschland gegeben. Die Sportkneipe mit 350 Plätzen wird das Spiel auf drei Großbildleinwänden und zehn Fernsehern übertragen - auf deutsch und englisch.
Allerdings wird man sich auch nach einem Platz am Tresen früh umschauen müssen, denn überall gilt: First come, first serve. "Ich rechne mit 3000 Mann, die versuchen reinzukommen", sagt Jürgen Männel, Geschäftsführer der deutschen Kneipe Zeitgeist. Platz sei für 500. Viele würden schon morgens zum Frühstücken kommen und dann einfach sitzenbleiben, schätzt er. Alkohol gebe es aber erst ab mittags. "Der Tag wird richtig hart."
