Christus-Statue in Polen: Worum Rio Swiebodzin beneiden wird

Ein Hauch von Rio de Janeiro auf der Fahrt von Berlin nach Warschau: Im polnischen Städtchen Swiebodzin entsteht eine gigantische Christus-Statue. Sie soll sogar das berühmte brasilianische Vorbild überragen. Einweihungstermin ist Ende November - wenn die Montage klappt.

Statue in Swiebodzin: Polens 36-Meter-Christus Fotos
REUTERS

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Swiebodzin - Pfarrer Sylwester Zawadzki geht über die Baustelle am Rande des rund 70 Kilometer östlich von Frankfurt an der Oder gelegenen westpolnischen Städtchens Swiebodzin (Schwiebus). Er blickt nach oben auf den Korpus der künftigen Christus-Statue, der Dutzende Meter weit in den Himmel ragt.

"Das Denkmal wird fertig", sagt der Pfarrer nach einem kurzen Gespräch mit den Arbeitern. Mehr werde er erst sagen, wenn die Montage abgeschlossen ist. Zawadzki ist Ideengeber für die Statue, die nach vielen Jahren vor der Fertigstellung steht.

Mit dem Projekt will das gut 22.000 Einwohner zählende Städtchen an der Europastraße 30 Berlin-Warschau - von wo aus der auf einer Anhöhe stehende Rumpf schon jetzt gut auszumachen ist - die Christus-Statue im brasilianischen Rio de Janeiro noch übertrumpfen. Die gekrönte Figur in Swiebodzin soll 36 Meter hoch werden und wäre damit höher als ihr Vorbild. Zusammen mit einem extra aufgeschütteten Hügel wird das gesamte Denkmal sogar 52 Meter in die Höhe ragen.

25 Tonnen schwere Arme

Hier soll eine neue katholische Pilgerstätte und Touristenattraktion entstehen. Ob der jüngst angekündigte Einweihungstermin am 21. November eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Jetzt jedenfalls stehen der Kopf mit der aufgesetzten, vergoldeten Krone und etwas abseits die Schultern mit den weit ausgebreiteten Armen, die von Daumen zu Daumen stattliche 24 Meter messen und nicht weniger als 25 Tonnen wiegen sollen, noch am Boden.

Ein erster Versuch, die beiden Teile auf den Betonrumpf zu hieven, war vor zwei Wochen gescheitert, weil die Schultern zu schwer für den Kran waren. Für den nächsten Versuch steht ein größerer Kran bereit, der schwerere Lasten heben kann. Doch der kann erst eingesetzt werden, wenn der starke Wind nachlässt, wie ein Arbeiter erläutert. Vom Erfolg dieser Aktion hängt es maßgeblich ab, ob der Einweihungstermin zu halten ist.

Ursprünglich sollte die Statue schon vor Jahren fertig sein, doch die Schwierigkeiten mit der Montage von Kopf und Schultern waren längst nicht die ersten Probleme. Die Behörden stoppten 2008 sogar den Bau. Laut polnischen Presseberichten soll das Monument höher geworden sein als ursprünglich angegeben. Schließlich gab es doch grünes Licht für den Weiterbau.

Altarweg zu Jesus

Indes schauen immer mehr Einwohner des Städtchens auf der Baustelle am Stadtrand vorbei. "Die Statue wird eine große Attraktion werden, Menschen aus aller Welt werden hierher kommen, auch aus Deutschland", ist etwa Eugeniusz Hordziej überzeugt, der die Arbeiten beobachtet. Wie er würden die meisten Menschen hier denken, viele hätten für den Bau gespendet.

Das ganze Umfeld des jetzt noch auf einem Acker stehenden Statuen-Hügels soll gestaltet werden, sagt er. Ideen dafür gibt es einige, etwa den Bau einer Wasserkaskade und eines Parks. Schon jetzt führt ein Weg den aufgeschütteten und mit Feldsteinen befestigten Hügel hinauf, an dem kleine Altare stehen, die später mit Figuren geschmückt werden sollen.

Von der Kuppe bietet sich ein weiter Blick in die von Hügeln durchzogene Landschaft rund um Swiebodzin - wenn auch die Aussicht mit dem Panorama von Rio nicht vergleichbar ist.

Jörg Schreiber, dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Halleluja !
marant 06.11.2010
Zitat von sysopEin Hauch von Rio de Janeiro auf der Fahrt von Berlin nach Warschau:*Im*polnischen Städtchen Swiebodzin entsteht eine gigantische Christus-Statue. Sie soll sogar das berühmte brasilianische Vorbild überragen. Einweihungstermin ist Ende November - wenn die Montage klappt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,727546,00.html
Der Größenwahn des polnischen Klerus bekommt ein neues Wahrzeichen - überdimensionale Statue zur Wahrung der Glaube - zum Staunen - zur Warnung !?!? Nun darf jeder Vorbeifahrende, nach Warschau-Berlin oder Stettin-Breslau, augenreibend versichert sein... im Gottes Namen. Was nur noch fehlt sind an der besagten Straßen"kreuzung" ein paar Schränke, die die Besichtigung notwendig machen - und vielleicht ein Wunder, dass die neue Pilgerstätte zur Pflicht macht.... gewollt oder ungewollt - jedem muß es ersichtlich sein, auf welch heiligem Boden er steht.
2. Oje
924Frg 06.11.2010
Ach du schande, ist das Ding hässlich! Hoffentlich bringt es wenigstens der Region ordentlich Einnahmen von Pilgern, die noch immer dem Wahnsinn anhängen, der vor 2K Jahren auf Leichtgläubigkeit und wissenschaftlichem Unwissen begründet wurde.
3. Religiöse Perversion
kyon 06.11.2010
Zitat von sysopEin Hauch von Rio de Janeiro auf der Fahrt von Berlin nach Warschau:*Im*polnischen Städtchen Swiebodzin entsteht eine gigantische Christus-Statue. Sie soll sogar das berühmte brasilianische Vorbild überragen. Einweihungstermin ist Ende November - wenn die Montage klappt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,727546,00.html
Der Mann aus Nazareth hätte sicher seine helle Freude an dem Objekt.
4. grober Unfug
MonaM 06.11.2010
Zitat von sysopEin Hauch von Rio de Janeiro auf der Fahrt von Berlin nach Warschau:*Im*polnischen Städtchen Swiebodzin entsteht eine gigantische Christus-Statue.
Dieser Unfug ist uns (in D) bisher erspart geblieben, obwohl es schon ein paar entsprechende Initiativen gab. Hoffentlich verhindert das eine kritisch-wachsame Bevölkerung auch zukünftig.
5. Größenwahnsinnige Blasphemie
dango 06.11.2010
Ich bin sicher kein religiöser Mensch - aber dieses Projekt ist aus diversen Gründen absurd und müsste für gläubige Menschen an Blasphemie grenzen ! Abgesehen davon, dass Jesus meines Wissens keine goldene Krone auf dem Kopf hatte - die Huldigung mit einer überdimensionalen Statue dürfte kaum in seinem Sinne sein. Wenn das dann noch im Wettkampf mit Rio passiert schon gleich garnicht. Ich glaube nicht, dass ein Wettkampf um die Gunst Gottes oder seines Sohnes zum christlichen Glauben passt - wenn doch, sollte man zur Einweihung noch die ein oder andere Ziege opfern. Bleibt zum Schluss also nur noch die Motivation, eine Touristenattraktion zu schaffen. Das könnte funktionieren. Dass dafür dann aber ausgerechnet Jesus Christus herhalten muss wird dadurch höchstens noch unverschämter, dass ein Pfarrer und nicht z.B. der Disney Konzern dahintersteht. In sofern: Sollte beim Zusammenbau ein Blitz in den Kran einschlagen und das Ding in sich zusammenfallen, würde ich glatt zum Glauben zurückfinden !
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Europa
RSS
alles zum Thema Polen-Reisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 49 Kommentare

Fläche: 312.679 km²

Bevölkerung: 38,501 Mio.

Hauptstadt: Warschau

Staatsoberhaupt:
Bronislaw Komorowski

Regierungschef: Donald Tusk

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Polen-Reiseseite