Radeln in der Röhre: England eröffnet längsten Fahrradtunnel Europas

Früher dampften Lokomotiven durch die Röhre, nun ist sie für Radler reserviert. Aktivisten in England haben einen alten, 1,6 Kilometer langen Eisenbahntunnel wieder zugänglich gemacht. Fledermäuse und ein wenig Ruß kleben noch immer an der Decke.

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Corbis

Stadt zwischen grünen Hügel: Bath eröffnet einen Tunnel nur für Radler

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Hamburg - Eine Radtour durch den Südwesten Englands führt über hügeliges Land. Bei Bath, das an den Ausläufern der Cotswold Hills liegt, können sich nun Aktivurlauber über einen Tunnel freuen, der ihnen Anstiege erspart. In dem Vorort Combe Down wird am Wochenende eine Röhre wiedereröffnet, die 1,6 Kilometer lang ist. Laut BBC handelt es sich dabei um den "längsten Radlertunnel Europas". Er ist Teil eines größeren Netzwerks aus radlerfreundlichen Straßen in der Region.

Das Projekt wird aber nicht nur Zweiradenthusiasten, sondern auch Eisenbahnnostalgiker interessieren - die Röhre ist mehr als 130 Jahre alt. Als der Combe-Down-Tunnel 1874 aus robustem Staffordshire Ziegelstein gemauert wurde, war er der längste Tunnel ohne Belüftung innerhalb des Vereinigten Königreichs. Durch ihn reisten im Sommer Tausende Urlauber auf ihrem Weg nach Bournemouth an die Küste - und das ganze Jahr über wurde er für den Güterverkehr genutzt.

Im Jahr 1929 ereignete sich ein tragischer Unfall, bei dem ein Zugführer und zwei Arbeiter starben. Seitdem gibt es laut dem britischen "Guardian" die Legende von einem Geisterzug, der ab und zu durch den Tunnel fahren soll. Dass er in den sechziger Jahren geschlossen wurde, habe aber nicht daran gelegen. Damals wurden massenhaft Bahnstrecken dicht gemacht, um die Kosten des staatlichen Eisenbahnnetzes zu reduzieren.

Ruß und Fledermäuse an der Decke

Auf den alten Gleisen, die jahrzehntelang ungenutzt waren, wurde nun eine Straße für Radler geschaffen: Über den Schienen liegt jetzt Asphalt, alle sieben Meter erhellen Lampen die Dunkelheit. Der Großteil des Rußes wurde entfernt - bei all dem Dampf, den die Lokomotiven einst in die schmale Röhre abgelassen haben, jedoch sicher nicht jedes Partikel.

Sieben Jahre hat die Umsetzung gedauert, weil es einige Hürden gab. Zum einen wohnen im Tunnel Fledermäuse, deren Lebensraum geschützt werden sollte - darum hat man den Tunnel nicht überall beleuchtet. Zum anderen wollten die Hausbesitzer, die an den Eingängen des Tunnels Eigentum haben, ein Wörtchen mitreden. Darunter war auch der US-Schauspieler Nicolas Cage, dem bis 2009 ein Schloss am südlichen Eingang des Combe-Down-Tunnels gehörte.

Die Radaktivisten haben für den Tunnel gekämpft. "Wir können es kaum abwarten, ihn nun zu eröffnen", sagte Frank Tompson dem "Guardian". "Menschen aus aller Welt - aus den USA, Indonesien und Frankreich - haben uns schon geschrieben, dass sie kommen wollen." Die britische Lobbygruppe Sustrans, die mehr Menschen dazu bringen will, aufs Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, geht davon aus, dass Touristen und Einheimische künftig mehr als eine Million Mal pro Jahr durch den Tunnel fahren werden.

jus

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Dafür nach England zu fahren...
mensch2.0 05.04.2013
wird sich kaum lohnen, gibt es doch in der Mitte Deutschlands einen ganz ähnlichen Tunnel (http://www.milseburgradweg.de).
2. Trocken
satissa 06.04.2013
Wahrscheinlich der einzige Ort Englands an dem man sicher sein kann, 1,6 km Rad zu fahren ohne naß zu werden.
3. In Burgund...
Sibylle1969 06.04.2013
...gibts auch einen Fahrradtunnel, der 1,6 km lang ist. Genau wie der in England ist es auch eine zum Radweg umgebaute ehemalige Bahnstrecke. Das ganze in der Nähe von Cluny. Sensationell länger als dieser kann der Tunnel bei Bath in England also nicht sein.
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