Cornwall-Bilder von Joakim Eskildsen "Ich liebe schlechtes Wetter"

Dem Fotografen Joakim Eskildsen sind melancholische Impressionen von Cornwall gelungen. Klischees der englischen Region zeigt er nicht, auch den Touristenansturm blendet er aus.

Joakim Eskildsen/ mare

Ein Interview von


  • Cia Rinnee
    Der Fotograf Joakim Eskildsen, 46, ist gebürtiger Däne und lebt in Potsdam. Er hat bei der dänischen Hoffotografin Rigmor Mydtskov gelernt und Kunst und Design in Helsinki studiert.

SPIEGEL ONLINE: Viele der Fotos in Ihrem Bildband "Cornwall" zeigen grauen Himmel, Pfützen und peitschenden Regen. Hatten Sie auf Ihren Recherchereisen viel schlechtes Wetter?

Joakim Eskildsen: Ja, es gab viel Nebel und Sturm, nur manchmal Sonne. Ich liebe aber schlechtes Wetter.

SPIEGEL ONLINE: Wieso das?

Eskildsen: Wenn es nebelig oder wolkig ist, gibt es viel mehr Raum für Phantasie. Sonne ist fotografisch extrem schwer, das wird schnell kitschig oder langweilig. In anderen Wetterlagen wirkt alles eher zeitlos, das finde ich viel interessanter.

SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie Cornwall charakterisieren?

Eskildsen: Der Kontrast zwischen großartiger Natur und dem Overtourism ist groß. Viele Dörfer sind nicht mehr echt, andere dagegen sind noch ganz ursprünglich. Diese Extreme interessieren mich. Es gibt auch viel Armut - dabei war es früher eine reiche Region, jedenfalls für manche. Jetzt gibt es viel Arbeitslosigkeit.

SPIEGEL ONLINE: Manches erkennt man als Cornwall-Reisende wieder, vieles nicht. Was wollen Sie mit Ihren Bilder zeigen?

Eskildsen: Ich wollte kein Porträt der Region machen, sondern nur das zeigen, was ich interessant finde. Als Fotograf wollte ich das Buch so gestalten wie ein Musiker eine CD: Ein Lied führt zum nächsten, ein Foto zum nächsten.

SPIEGEL ONLINE: Der Sound ist eher melancholisch...

Eskildsen: Das freut mich. Viele finden die Bilder zu dunkel. Aber das sehe ich nicht so. Melancholisch ist nicht dunkel, nicht traurig. Es waren auch extrem einsame Reisen für mich. Manchmal habe ich nur abends mit Leuten in Restaurants geredet.

SPIEGEL ONLINE: Auch Ihre Porträts strahlen Einsamkeit aus. Ist das beabsichtigt?

Eskildsen: Vielleicht sieht man auch den Bildern an, wie ich fühle: Der Mensch ist einfach einsam in der Welt, das ist unsere Bestimmung. Eigentlich wollte ich viel mehr Menschen fotografieren, aber ich habe mich in der Landschaft verloren.

SPIEGEL ONLINE: Sie bearbeiten Ihre Fotos deutlich - intensivieren mal das Rot, mal das Grün. Warum?

Eskildsen: Ich habe versucht, die charakteristischen Stimmungen dort zu verstärken. Ich möchte mit meinen Fotos vermitteln, wie sich die feuchte Luft dort anfühlt, wie es riecht. Oder der Betrachter spürt: Ja, das ist Frühling, das kenne ich. Oder: Ich weiß genau, wie kalt das sein muss.

SPIEGEL ONLINE: Wie fängt man das ein als Fotograf? Gibt es einen Trick?

Eskildsen: Nein, da gibt es keinen Trick. Man muss rumprobieren, das ist eher ein Bauchgefühl als eine Kopfsache.

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SPIEGEL ONLINE: Sie sind für den Bildband viermal nach Cornwall gereist. Haben Sie einen Lieblingsort?

Eskildsen: Ja, sogar zwei Orte, an denen ich sehr oft war. Zum einen die Scilly-Inseln. Durch ihre Lage 45 Kilometer südwestlich von Land's End sind sie sehr isoliert, die Einwohner müssen einander helfen, kommunizieren viel und sind sehr ausgeglichen. Ich war im Dezember dort, und es war sehr windig.

SPIEGEL ONLINE: Und der zweite?

Eskildsen: St. Just am Cape Cornwall. Die ganze westliche Seite von Cornwall finde ich am authentischsten. Dort sind nicht so viele Leute, die Welt scheint weit weg, man kann sich in seiner Phantasie verlieren. Die südliche Küste ist viel grüner, milder, touristischer - wenn man das sucht, ist das auch schön.

SPIEGEL ONLINE: Wie der Tourismus Cornwall verändert, zeigen Sie aber nicht, sondern eher den Alltag der Menschen. Warum?

Eskildsen: Wenn Sie Cornwall besuchen und eines dieser kleinen pittoresken Dörfer, finden Sie Tausende Restaurants, Parkplätze, Touristen, und alles dreht sich um Geld. Das, was spannend und authentisch ist, muss man suchen. An den meisten Orten auf der Welt dominiert das Furchtbare, das Hässliche - das aber will ich nicht zeigen. Ich will lieber fotografieren, was fein, wahr, echt ist, ohne dass es kitschig oder klischeehaft wirkt. Ich wollte die Seele Cornwalls zeigen, die Tiefe und seine Schönheit.

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
rainer60 16.11.2018
1. vorsicht
bitte nicht soviel von cornwall schwärmenl. ich finde das schon mehr als genug deutsche touristen auf den spuren pilcher da rumdackeln. in st.ives hört man im sommer alle deutschen dialekte .
Sportzigarette 16.11.2018
2.
Zitat von rainer60bitte nicht soviel von cornwall schwärmenl. ich finde das schon mehr als genug deutsche touristen auf den spuren pilcher da rumdackeln. in st.ives hört man im sommer alle deutschen dialekte .
Doch, kann man, muß man, weil es wunderschön dort ist. Und auch ich mag die grauen, windigen Tage am liebsten, aber Cornwall und auch die angrenzenden Grafschaften sind bei jedem Wetter ein Genuss. Die vielen Touristen stören natürlich aber da ich dort auch einer bin, will ich mich nicht beklagen.
Papazaca 16.11.2018
3. Zu mir sagen die Fotos: Fahr ja nicht hin!
Wenn ich die Fotos sehe, denke ich, der Fotograf will mich offensichtlich davon abhalten, nach Cornwall zu fahren. Wenn es da so so schön ist, kann ich das verstehen. Nur auf den Fotos erschließt sich mir das kaum. Warum sich nicht auch mit der touristischen Realität auseinander setzen? Das erinnert mich an den großen Landschaftsfotografen Ansel Adams. Der räumte vor seinen Aufnahmen immer die rumliegenden Cola-Dosen weg. Eigentlich sind Fotos, die die Realität unterschlagen, Fälschungen. Na gut! Ist das jetzt wirklich Cornwall? Ich kann es nicht glauben, der Fotograf verkohlt mich, um nicht ein anderes Wort zu benutzen. Gut, ich muß sagen, ich bin eher für Sonne und überlasse dieses Paradies lieber den eher tiefgründigen Seelen. Der heiße und oft bekloppte Süden ist mir lieber! Und wie komme ich auf BREXIT, Nachdenklichkeit und eine einsam durch Cornwall wandernde Theresa May? Muß mich in der Rubrik vertan haben.
altais 17.11.2018
4.
Habe heute Bilder aus dem Umland der Brände in California gesehen, die hatten einen ähnlichen Farbstich. Eine aktuell gern genutzte Methode eigentlich nichtssagenden Fotos einen Hauch von Spannung zu verleihen. Ein Hauch von Katastrophe liegt über den Bildern. Will der Fotograf weitere Touristen von Besuchen in dieser Gegend abhalten? Sieht man inzwischen auch häufiger bei Filmemachern. Wenig Story, uninteressante Bilder, schwache Figuren, aber ein hipper Fotostil?
Annettevon Seydlitz-Kurzb 17.11.2018
5.
Soviel schlechtes Wetter ist da aber nicht fotografiert worden; er hat scheinbar extrem viel mit Filtern und Nachbearbeitung hantiert. Finde sie auch ein bisschen belanglos, die abgebildeten Fotos. Cornwall ist aber so oder so ein Traum für mich.
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