County Clare Paddy schlägt den Takt

Tanz und Musik gehören zu Irland wie Guinness und Klippen, die grüne Insel entkommt dem Klischee nicht. Und sie will es auch nicht. Die Tradition der Céilís und Seannós-Steps, der Bodhrán und des Dudelsacks werden auf Workshops gepflegt und in den Pubs gelebt.


Musiker in Miltown Malbay: Der Ort in der Grafschaft Clare gilt als das internationale Zentrum für irische Folklore
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Musiker in Miltown Malbay: Der Ort in der Grafschaft Clare gilt als das internationale Zentrum für irische Folklore

Miltown Malbay/Ennis - Paddy Neylon gibt ein paar knappe Anweisungen, und schon wirbeln Hunderte von Paaren durch den Saal. Mal drehen sie links herum, mal rechts herum, stellen sich einander gegenüber auf, tanzen aufeinander zu und wechseln die Partner. Paddy behält von der Bühne aus den Überblick. Ein wenig steif steht er da. Doch der Rhythmus steckt in ihm, sein Fuß wippt stets mit. Paddy, der Mann mit dem langen weißen Bart, ist Tanzlehrer bei der Willie Clancy Summer School im westirischen Miltown Malbay, zu dem alljährlich Hunderte von Fans der irischen Folklore kommen.

Nirgendwo ist es einfacher, die Menschen und das Lebensgefühl kennen zu lernen als in den Pubs oder bei den zahlreichen Céilís, den traditionellen Tanzabenden. Die Grafschaft Clare gilt dabei als Heimat der irischen Musik. Dort bieten zwischen Mai und Oktober zahlreiche Workshops die Gelegenheit, sich in den Tänzen zu üben oder die traditionellen Instrumente - Dudelsack, Geige, Flöte, Ziehharmonika und die irische Trommel Bodhrán - zu lernen.

Die Summer School in Miltown Malbay ist eine dieser Gelegenheiten. Der kleine Ort ist das internationale Zentrum für irische Folklore. Wer sich am ersten Tag in der Stadt einfindet, kann mehr als eine Woche lang für etwa 100 Euro an Kursen teilnehmen. Vor Tanz und Musik ist dann kein Entkommen mehr, egal ob auf den Straßen, in Hotels, im Fußballverein oder im Gemeindesaal. zu bewegen.

"Man muss der Musik folgen, sie spüren"

Step-Dance und Seannós-Step - zwei weitere Stile des irischen Tanzes - stehen in den leer geräumten Umkleidekabinen des Fußballvereins auf dem Programm. Nicht erst seit dem weltweiten Erfolg der Tanzshow Riverdance ist der Steptanz, bei dem die Tänzer in Reihen hintereinander stehen und vor allem der Fußballen zum Einsatz kommt, wieder populär.

Miltown Malbays: In und vor den Pubs finden sich Musikbegeisterte oft spontan zu kleinen Bands zusammen
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Miltown Malbays: In und vor den Pubs finden sich Musikbegeisterte oft spontan zu kleinen Bands zusammen

Zwar habe die Show die Aufmerksamkeit wieder stärker auf den irischen Tanz gelenkt, sagt der Musiker und Tänzer Michael Tubridy. "Aber die Profis sind mehr daran interessiert, die einzelnen Schritte zu beherrschen." Doch das reiche nicht aus: "Man muss der Musik folgen, sie spüren", sagt der 68-Jährige, der jahrelang in Irlands bekanntester Band nach den Dubliners, den Chieftains, Flöte spielte.

Auch in den Straßen Miltown Malbays sind die Klänge von Gitarren, Geigen und Dudelsäcken überall zu hören. In und vor den Pubs tun sich die Menschen spontan zu kleinen Bands zusammen und erproben ihr jüngst Gelerntes. Viele Einheimische nehmen Summer-School-Gäste in ihre Häuser auf. Genau dort liegt auch der Ursprung der irischen Musik und des Tanzes. "Die Menschen haben erst in den eigenen Wohnzimmern musiziert, dann in den Pubs, viel später bei Konzerten", erklärt Katie Verling vom Glór Irish Music Centre in Ennis.

So bedarf es keines speziellen Festivals, um der irischen Musik auf die Spur zu kommen. In den meisten Pubs gibt es allabendlich Musik. Eine gute Adresse ist "Galvin's Traditional Music Pub" in Lahinch zwischen Ennistymon und Miltown Malbay. Das etwas jüngere Publikum trifft sich beispielsweise in der "Ciaran's Bar" in Ennis. Weitere Adressen veröffentlicht der Regionalverband Shannon Development (Internet: www.shannon-dev.ie) alljährlich in einem Faltblatt, das in Hotels und Touristen-Informationen ausliegt.

Spektakuläre Cliffs of Moher

Ein Muss für jeden Musikfan, allerdings auf von diesen ziemlich überlaufen ist das Städtchen Doolin im Norden der Grafschaft Clare. Selbstbewusst bezeichnet sich der Küstenort als "Mekka der irischen Musik". Tatsächlich säumen zahlreiche mitunter winzige Musikläden die Hauptstraße. Dort gibt es CDs, Videos und Bücher, nach denen man in den riesigen Elektromärkten außerhalb Irlands lange suchen muss. In einem kleinen windschiefen Haus befindet sich Clares erste Plattenfirma für traditionelle Musik, "Magnetic Music". Im "Gus O'Connor's Pub", einem der ältesten Irlands, lässt mancher Reisende dann den Tag bei Bier und Musik ausklingen.

Cliffs of Moher: 215 Meter hohe und fast acht Kilometer lange Felslandschaft
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Cliffs of Moher: 215 Meter hohe und fast acht Kilometer lange Felslandschaft

Vorher lohnt sich ein Besuch der bis zu 215 Meter hohen Cliffs of Moher. Schiffe legen in Doolin und Liscannor ab. Ebenso beeindruckend wie der Blick auf die fast acht Kilometer lange Felslandschaft ist der Gang zu dem Aussichtspunkt am O'Brien's Tower. Von dort hat man einen herrlichen Blick bis zu den Aran-Inseln und den Bergen in den Grafschaften Kerry und Connemara. Ganz ohne Musik geht es auch an dieser landschaftlichen Attraktion nicht. Entlang des Weges zum Turm musizieren Menschen aus der ganzen Welt, bieten CDs oder selbst gemachte Instrumente an.

Etwas weniger folkloristisch geht es im Glór Irish Music Centre in Ennis zu. In dem modernen Bau gibt es Ausstellungen, Konzerte, Workshops und Céilís für jedermann. An mindestens drei Abenden der Woche bietet das Zentrum während des alljährlichen Sommerfestivals von April bis Oktober Vorträge, Konzerte und Tanzabende, bei denen man erste Schritte und Töne wagen kann.

Dabei ist Glór nicht nur Schauplatz vergangener Traditionen, sondern vor allem ein Ort der Weiterentwicklung. "Wir sind nicht rückwärts gewandt. Mittlerweile gibt es viele moderne Stücke mit sehr jazzigen und funkigen Elementen", sagt Glór-Direktorin Katie Verling. Die wichtigste Voraussetzung aber sei die Leidenschaft: "Der Musiker und Tänzer muss sie spüren." Denn die Musik habe viel mit der Identität Irlands zu tun - mit der der westirischen Grafschaft allemal. "Musik ist in allem, was wir in Clare tun", sagt Katie.

Von Britta Schmeis, gms



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