Nobelskiort Courchevel Abfahrt zum Drei-Sterne-Menü

Luxuriös tafeln, edel shoppen und ein bisschen Ski fahren: Für viele ist der Wintersport in Courchevel nur Nebensache. Dabei kann man in dem mit 600 Pistenkilometern größten Skigebiet der Welt schon ins Schwitzen geraten.

David Andre/ Courchevel Tourisme/ TMN

In der Talstation der Verdons-Gondel hängt ein Werbeplakat für Mega-Yachten. Schiffe in den Bergen? In Courchevel passt das zusammen. Der Skiort in den französischen Alpen hat zwar keinen Hafen, aber Gäste, die im Sommer gerne an der Côte d'Azur entlangschippern. Im Winter verwandeln sie Courchevel 1850 in eine Bühne der Eitelkeiten. Dann mutiert das Bergdorf im Department Savoie zum "St. Tropez der Alpen".

Courchevel 1850 ist das erste am Reißbrett entstandene Skiresort Frankreichs. Eröffnet wurde der Retortenort kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Statt Betonklötzen und Bettenburgen prägen Chalets und Luxushotels das Bild. Lifte und Skipisten verlaufen mitten durch die Wohngebiete. Man fällt praktisch vom Bett auf die Piste und kann auf Skiern bis vor die Haustür fahren.

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Courchevel in Frankreich: Das St. Tropez der Alpen

Das Dorf wirkt wie die Kulisse eines Weihnachtsfilms, zumal der Auftritt einiger Gäste sehr an Schauspielerei erinnert. Allabendlich zelebrieren Gutbetuchte in den 20 Fünf-Sterne-Hotels, was sie für Savoir-vivre halten.

Über Weihnachten dominieren Franzosen und Engländer, Mitte Januar kommen arabische Großfamilien, dazwischen überwiegen zum orthodoxen Weihnachtsfest die Russen. Spätestens dann werden Hotels wie das Les Airelles, das mit seiner opulenten Farbenpracht an ein Märchenschloss erinnert, zur Showbühne.

In Courchevels erstem Fünf-Sterne-Hotel stöckeln dann junge Frauen in knappen Kleidchen auf 15 Zentimeter hohen Louboutin-Heels herum, verfolgt von den Blicken älterer Begleiter und dem Blitzlichtgewitter des Hausfotografen. Auf Skiern machen manche dieser Gäste keine so gute Figur, obwohl sie sich - sehr zur Freude der Skishop-Besitzer - in den Hotels eine komplett neue Skimontur zugelegt haben.

Viel Auswahl für Wintersportler

"Skifahren ist nicht für alle das Wichtigste hier", sagt auch Jean-Pierre Lerallu, Generaldirektor des Les Airelles. Dabei bietet Courchevel als Teil der Trois Vallées ein grandioses Skigebiet. "Mit 162 Liften und rund 600 Pistenkilometern ist es das größte zusammenhängende Skigebiet der Welt", sagt Nathalie Faure-Bernod vom Tourismusverband Courchevel.

Allein Courchevel bietet schon genug Abwechslung und einen für die Klientel perfekten Mix. Zwei Drittel der Pisten sind leicht, rund 30 Prozent mittelschwer und nur 10 Prozent schwer. Dazu gehört das extrem steile Grand-Couloir am 2738 Meter hohen Saulire-Gipfel.

Trotz des Luxusflairs ist Courchevel ein Ort mit großer Rennsporttradition. Acht Einheimische fahren im Nationalteam, darunter Olympiasieger Alexis Pinturault. Courchevel trägt Weltcuprennen aus und bewirbt sich mit Méribel für die alpine Ski-WM 2023. Auch Freerider finden rund um den Col de Chanrossa oder bei Touren ihr Terrain. Ohne kompetenten Guide und komplette Sicherheitsausrüstung sollte man sich von lawinengefährdeten Tiefschneehängen aber fernhalten.

Wem Courchevel zu klein wird, fährt weiter ins Méribel-Tal, in dem Michael Schumacher 2013 seinen schweren Skiunfall erlitt. Von dort geht es weiter nach Val Thorens, wo die schneesichersten Hänge bis hinauf auf 3230 Meter führen.

Die Courcheveler Ski-High-Society fährt selten weiter als bis Méribel. Dort wird am Nachmittag auf der Hütte La Folie Douce mit Showtänzern auf den Tischen der wildeste Après-Ski gefeiert. Auf Courcheveler Seite ist Le Cap Horn die Partyadresse. Die als Piratenschiff gestaltete Terrasse der Hütte liegt neben dem Flughafen mit der höchstgelegenen Landebahn Europas auf 2006 Metern.

"Viele unserer Gäste reisen per Flugzeug oder Hubschrauber an, um sich die rund zweistündige Fahrt von den Flughäfen Genf oder Lyon zu sparen", erzählt Tim Weiland. Der Deutsche ist Geschäftsführer des Hotels Aman Le Melezin. Sein Haus ist das Gegenteil vom verspielten Les Airelles und zeigt die Bandbreite der Luxushotellerie in Courchevel auf. "Unsere Gäste wollen ein klares Design und einen ruhigen Rückzugsort", sagt Weiland.

Top-Restaurants öffnen nur im Winter

Angesichts der auffälligen Selbstdarsteller und der vielen Promis aus Sport, Show-Business und Hochadel vergisst man tatsächlich, dass für die meisten Gäste Courchevel keine Bühne, sondern einfach nur ein traumhaft gelegener Wintersportort mit viel Abwechslung ist. So kann man sogar Motorschlitten fahren oder im Tandem-Paragleiter mit Blick auf den Mont Blanc ins Tal schweben.

"Einige kommen aber nur wegen des guten Essens", sagt Weiland. Mehrere Sternerestaurants machen Courchevel zur Feinschmecker-Metropole der Alpen. Aushängeschild ist das "1947" von Yannick Alléno im Hotel Cheval Blanc". In dem Drei-Sterne-Lokal stehen fünf Tische rund um die offene Küche des Starkochs, der den Rest des Jahres in Paris arbeitet.

Wie die Luxushotels öffnen auch die Top-Restaurants nur im Winter. "Sternelokale haben ihre Anziehungskraft, aber die meisten Gäste wollen im Urlaub mittlerweile legerer essen", weist Aman-Hotellier Weiland auf eine Trendwende hin. In seinem Hotel hat er reagiert. Statt Haute Cuisine wird im neuen Restaurant Nama nun Japanisches mit Sushi und edlem Wagyu-Rind serviert.

Auch das Les Airelles hat die Kehrtwende eingeleitet. "Wir haben unsere zwei Sterne zurückgeben", erklärt Generaldirektor Lerallu. Die Starköche Pierre Gagnaire aus Frankreich und Marco Garfagnini aus Italien entwickelten für das neue Restaurant Piero TT mediterrane Gerichte - unkompliziert, aber hervorragend.

So wie das Essen auf den Hütten. Besonders gut und verhältnismäßig günstig ist La Casserole, wo eine verspielte Hüttenhündin namens Milka Liebling der Gäste ist. Im Schickeria-Treff Nammos fließt der Champagner in Strömen. Und in der charmantesten Hütte, dem Chalet de Pierres", kommt an der gigantischen Dessertauswahl niemand vorbei - nicht mal die kalorienbewussten russischen Models.

Bernhard Krieger, dpa/abl

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