Dänemarks Leuchttürme: Blinksignale für eine heile Welt

Knartschende Stufen in rundem Gemäuer: Steile Wendeltreppen führen Dänemark-Urlauber auf die schönsten Aussichtsplattformen des Landes. An der Westküste stehen zahlreiche Exemplare historischer Feuerträger, die traurige Seefahrergeschichten erzählen.

Leuchttürme in Dänemark: Auf 1048 Stufen dem Himmel entgegen Fotos
SRT/ Heidi Siefert

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Klassischer können Ferienträume kaum sein: Sonne, Strand und Meer, dazu ein Leuchtturm an exponierter Stelle. Weil Dänemarks Westküste seit jeher ein gefährliches Fahrwasser für Seeleute war, gibt es dort besonders viele Leuchttürme. Da man sie fast allesamt begehen und von oben einen herrlichen Blick über das meist flache Land genießen kann, haben wir sie als Fixpunkte unserer aussichtsreichen Küstentour im Westen Jütlands gewählt.

208, 209, 210. Geschafft. Endlich sind wir oben und treten auf die Plattform des nördlichsten Leuchtturms von Dänemark. Leichter Wind zerzaust das Haar, während wir noch ein wenig atemlos den Turm umrunden und auf die weite Landschaft und das Meer hinunterblicken.

Im Norden karrt der dick bereifte Traktorbus "Sandormen" spielzeugkleine Menschen an die Spitze der Landzunge Grenen, den nördlichsten Punkt Dänemarks, wo Nord- und Ostsee aufeinandertreffen. Im Süden liegt das Städtchen Skagen, eine ehemalige Künstlerkolonie mit Stockrosen vor sonnengelben Häusern, einem modernen Hafen mit einer ganzen Zeile von Fischlokalen - und vier Leuchttürmen.

Die Einwohner von Skagen sind stolz auf sie: Den schlanken, 46 Meter hohen, den wir erklommen haben, nennen die Einheimischen wegen seiner Farbe nur den "Grauen". 1858 wurde er unter Mühen erbaut, weil die Gegend weder auf dem Landweg noch durch einen Hafen erschlossen war, in den man das Baumaterial hätte liefern können. Bis heute sendet der "Graue" jede Nacht alle vier Sekunden ein weißes Blinkzeichen in den Himmel.

Sein denkmalgeschützter weißer Vorgänger aus dem Jahr 1747 gibt inzwischen den stimmungsvollen Rahmen für wechselnde Ausstellungen heimischer Künstler. Er war Dänemarks erster gemauerter Leuchtturm und gilt noch immer als einer der schönsten, auch wenn er längst nicht mehr befeuert wird - wie auch das Wippfeuer nebenan, das an einen überdimensionalen Ziehbrunnen erinnert. Ein mit brennendem Holz beladener Eisenkorb wies von 1561 an fast 200 Jahre lang Seeleuten den Weg.

Picknick bei Sonnenuntergang

Vorbei an Europas größter Wanderdünenkette, der Råbjerg Mile, fahren wir nach Hirtshals. Fischerboote und die Fähren nach Norwegen sorgen hier für regen Betrieb. Hoch über der Stadt steht der Leuchtturm auf einer Wiese, die in Terrassen bis zum Meer hinunterreicht - ein idealer Platz für ein Picknick an langen dänischen Sommerabenden.

144 Stufen über den duftenden Rosenhecken blicken wir weit über die Tannisbucht im Norden und die Jammerbucht im Süden. An die historische Bedeutung dieser Stelle - sie war ein strategisch wichtiger Schlüsselpunkt des Atlantikwalls im Zweiten Weltkrieg - erinnern Panzerabwehrzäune und deutsche Bunker zu Füßen des Leuchtturms.

Sein Wärter war einst übrigens nicht nur für die Kontrolle seiner Station zuständig. Neben Wettermessungen und der Ausschau nach Schiffbrüchigen musste er auch Aufzeichnungen über die Vögel machen, die vom grellen Licht geblendet gegen den Turm flogen und sich dabei Hals und Flügel brachen. Dutzende waren das an manchen Tagen, wie man alten Aufzeichnungen des Marinemuseums entnehmen kann. Heute passiert das seltener: Die Welt ist voller künstlicher Lichtquellen, so dass sich die Tiere daran gewöhnt haben und längst routiniert vorbei fliegen.

Unter Sand begraben

Bizarr ist unser nächstes Ziel: Ein Leuchtturm, dessen Licht schon lange keiner mehr sieht. Rubjerg Fyr ist seit den siebziger Jahren weitgehend von Sand bedeckt. Nach nur 70 Betriebsjahren gab man den Kampf gegen die Wanderdüne auf, die zuletzt auch Skandinaviens einziges Flugsandmuseum im ehemaligen Maschinistenhaus unter sich begrub. Ein wenig mühsam ist der Weg auf den sandigen Grat, weil man mit jedem Schritt wieder ein gutes Stück zurück rutscht. Dafür ist die Szenerie oben spektakulär. 90 Meter über der Nordsee gehen wir in Augenhöhe mit der Leuchtturmplattform den Kamm der zwölf Kilometer langen Lönstrup-Düne entlang.

In Bovbjerg helfen Bilder und zeitgenössische Dokumente der Fantasie nach, um sich auch an einem strahlend schönen Sommertag vorzustellen, warum bei Seeleuten einst die Dänische Westküste als "Eisenküste" verrufen war. In der kleinen Ausstellung zum Thema "Küstenschutz seit 100 Jahren" bekommt man einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte. Tausende Schiffe vom Segler bis zum Dampfer strandeten hier allein in den Jahren 1858 bis 1882, verzeichnete der Chronist J. S. Hohlenberg.

Uns präsentiert sich die hügelige Moränenlandschaft sanft und malerisch. Der dunkelrote Leuchtturm mit seinen 26 Meter Höhe verbindet das Goldgelb der Getreidefelder mit dem tiefen Blau eines mit Wattewölkchen getupften Himmels. Nach 93 Stufen überblicken wir eine liebliche Landschaft mit 18 Kirchtürmen, steiler Küste, dem Limfjord im Norden und Nissum-Fjord im Süden.

Zum Finale besuchen wir den Star unter den Feuerträgern: Blåvandshuk. Flankiert vom reetgedeckten Leuchtturmwärterhäuschen ist der Turm mit seinem Spitzbogenportal ausgesprochen fotogen. Nach 170 hölzernen Stufen auf einen breiten Balkon angekommen, zeigen zwei Seiten zum Meer, das bei rauer See als Dänemarks gefährlichste Stelle gilt. Denn etwa 40 Kilometer vor der Küste erstreckt sich das "Horn des Teufels" in die Nordsee. Wo sich heute die Rotorblätter im weltgrößten Offshorepark drehen, zerschellten einst reihenweise Schiffe.

Weiter östlich sieht man die blinkenden Fernsehmasten von Esbjerg. Dort endet unsere Fahrt, nachdem wir insgesamt auf neun Leuchttürmen mit 1048 Stufen dem Himmel entgegen gestiegen sind. In Erinnerung bleiben malerische Anblicke und schöne Ausblicke und der Spruch eines alten Mannes in Lyngvig: "So lange der Leuchtturm leuchtet, weiß man, dass die Welt noch steht."

Heidi Siefert, SRT

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1. Wenn die Dänen...
stubborn 24.08.2011
... ihre vorgestrigen splendid isolation Attitüden wieder zurücknehmen: gerne wieder nach Dänemark. Bis dahin: der Erdball ist groß und voller schöner Flecken.
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