Danzig: Weite Strände und viel Geschichte

Ein Kurztrip nach Danzig verspricht Unterhaltung unterschiedlichster Art: Wandeln auf den Spuren des Ehrenbürgers Günter Grass, Baden in der Ostsee oder in Museen und Häfen die Geschichte der Stadt entdecken.

Danzig: Ausflugsschiffe nehmen auf der Mottlau Kurs auf das Krantor
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Danzig: Ausflugsschiffe nehmen auf der Mottlau Kurs auf das Krantor

Danzig/Zoppot - Noch versperren hier und da Trümmergrundstücke die Sicht auf das schönste Panorama von Danzig (Gdansk): die Türme der Marienkirche, das Rechtsständische Rathause und das Krantor. Doch seit einigen Jahren entsteht neues Leben auf der Speicherinsel. Jahrelang war hier Brachland, wie ein Symbol für die Zerstörung der historischen Speicherstadt. Die wurde 1945 von der Roten Armee in Brand gesetzt, als die deutschen Bewohner Danzig bereits verlassen hatten, die Beschlüsse von Jalta gefasst waren und feststand, dass Danzig künftig polnisch sein würde.

Giebel aus dem "goldenen Zeitalter"

Den prächtigen Bürgerhäusern in der wieder aufgebauten Altstadt ist die Vergangenheit des Hansehandels deutlich anzusehen. Flämische, niederländische und deutsche Einflüsse haben die Fassaden mit ihren vielen Giebeln geprägt, vor allem im 16. und 17. Jahrhundert, im "goldenen Zeitalter" Danzigs. Die einst protestantische Marienkirche mit ihrem gotischen Innenraum und den hohen weißen Deckenbögen ist ein prächtiges Beispiel der Backsteingotik, wie sie auch aus den norddeutschen Hansestädten vertraut ist.

Danzigs Altstadt: Prächtige Bürgerhäuser
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Danzigs Altstadt: Prächtige Bürgerhäuser

Einer der besten Orte, den Blick über enge Straßen, Dächer und Giebel zu genießen, ist der Turm des Rechtsständischen Rathaus. In dem Gebäude ist auch eine Abteilung des Städtischen Museums untergebracht und zum Beispiel der Rote Saal zu besichtigen, der als einer der schönsten mittelalterlichen Ratssäle Europas gilt. Literarisch Interessierte wandeln im Stadtteil Wrzeszcz auf den Spuren des in Danzig geborenen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass. Für die heutigen Danziger ist der Autor der "Blechtrommel" einer der Ihren - Grass ist Ehrenbürger der Stadt.

Die Heimat von Grass und Kinski

"Sommerfrische" ist dagegen das Kennzeichen des Seebads Zoppot (Sopot), das mit Danzig und Gdingen (Gdynia) die sogenannte Dreistadt bildet. Während der einstige Fischerort Gdingen dank des Industriehafens und der ansässigen Werft seinen ursprünglichen Charakter radikal verändert hat, strahlt vor allem der Ortskern von Zoppot die gemächliche Ruhe einer kleinen Kurstadt aus.

Zoppot: Der Badeort lädt zum Verweilen ein
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Zoppot: Der Badeort lädt zum Verweilen ein

In der Fußgängerzone wird so manches alte Haus liebevoll erneuert, entstanden Galerien und Szene-Cafes. In einer Kneipe wird sogar "Kinski-Bier" ausgeschenkt, um an den im gleichen Haus geborenen Schauspieler Klaus Kinski zu erinnern. In den polnischen Sommerferien im Juli und August herrscht auch in Zoppot Hochbetrieb. Ein Bad in der Ostsee ist allerdings selbst dann nicht jedem zu empfehlen - selten übersteigen die Wassertemperaturen 17 oder 18 Grad Celsius.

Hier fielen die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs

Seeluft lässt sich aber bereits von Danzig aus schnuppern. Im Hafen werden regelmäßig Schiffsfahrten etwa zur Westerplatte angeboten. Hier fielen am 1. September 1939 die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs. Weniger martialisch ist die Schiffsreise zur Halbinsel Hel. Nach zweieinhalbstündiger Fahrt entlang der Küste und mit kurzen Zwischenstopps in Zoppot und Gdingen geht die Fähre im Hafen des ehemaligen Fischerdorfs vor Anker. Noch immer ist eine kleine Fischerflotte in Hel beheimatet. In den Räumen der alten protestantischen Backsteinkirche ist heute ein Museum zur Geschichte der einheimischen Fischerei untergebracht.

Gdingen: Segelschiffe zieren den Hafen
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Gdingen: Segelschiffe zieren den Hafen

Außer der Dorfstraße mit ihren zahlreichen Fischrestaurants und rustikalen "Fischerkneipen" gehört die Robbenforschungsstation zu den Attraktionen von Hel. Hier werden der Lebensraum der Robben erforscht und verlassene oder verwaiste Jungtiere aufgezogen. Im "Fokarium" - "foka" heißt auf Polnisch Robbe - tummeln sich die lebhaften Jungrobben im Schwimmbecken oder sonnen sich auf ihren Felsbänken.

Das Hinterland: viele Seen und weite Felder

Mit weichgeschwungenen Hügellandschaften, Wäldern und Seen beginnen im Danziger Hinterland die ersten Ausläufer der kaschubischen Seenplatte, die mit mehr als 400 Seen dem bekannteren Masuren Konkurrenz macht. Die in den Werken von Günter Grass beschriebenen Kaschuben gelten bei den Polen als ein ganz besonderes Völkchen: mit einigen sprachlichen Besonderheiten und einem ausgeprägten Eigensinn - mal belächelt, mal bewundert.

Von Eva Krafczyk, dpa

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