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Die höchsten Hotels in den Alpen: Schlaflos im Schnee

Sie thronen auf Graten oder ducken sich in Felswände - und der Blick auf die Gipfel ringsum ist gigantisch: Die höchsten Hotels in den Alpen sind ein Erlebnis für sich. Auch wenn die ersten Nächte dort oben für viele nicht gerade erholsam sind.

Hotels in den Alpen: Ganz weit oben Fotos
TMN

Berlin - Es ist ein erhabenes Gefühl, am frühen Morgen aufzuwachen, aus dem Fenster zu schauen und die Sonne am Matterhorn aufgehen zu sehen. Allerdings ist die Nacht vor dem Sonnenaufgang für manchen nicht sonderlich erholsam - auch wenn es im Kulmhotel Gornergrat äußerst gemütlich und schick ist, die Betten bequem und die Aussicht grandios.

Aber die Luft auf 3100 Metern ist dünn, und das belastet den Körper. "Es gibt keine Regeln, wer betroffen ist und wer nicht", sagt Hoteldirektor Thomas Marbach. Mann oder Frau, jung oder alt, höhenerfahren oder nicht - das Schlafen solchen Höhen kann für jeden zur Herausforderung werden. "Die einen stecken das weg, als wären sie unten im Tal. Die anderen liegen die ganze Nacht wach und sind die Ersten, die den Sonnenaufgang sehen", sagt er.

"Viele nehmen das einfach in Kauf, weil es hier ein besonderer Ort ist", sagt der Hoteldirektor. Es gibt in der Schweiz 46 Viertausender - 29 davon kann man vom Hotel aus sehen. Eine solche Kulisse gibt es sonst wohl nirgendwo. Und dann die Ruhe. "Das Hotel steht für sich ganz alleine. Wenn die Bahn nicht mehr fährt, ist es einfach still."

Das Hotel mit seinen 22 Zimmern ist fast das ganze Jahr geöffnet, nur im November bleiben die Türen des markanten Gebäudes mit seinem Sattelwalmdach aus Kupfer, das bereits 1907 errichtet wurde, geschlossen. "Im Winter sind wir vor allem vom Wind abhängig, denn wenn der zu stark weht, darf die Zahnradbahn nicht hochfahren", sagt Hotelchef Marbach.

Waschschüsseln statt fließendes Wasser

Das ist auch das Problem des Berghotels Grawand im Südtiroler Schnalstal. Das Haus liegt mit 3212 Metern noch ein bisschen höher als das Kulmhotel und ist ausschließlich mit einer Seilbahn zu erreichen.

Auch von hier bietet sich ein imposantes Bild: Man sieht etliche Dreitausender, mit dem Piz Bernina den einzigen Viertausender der Ostalpen und bei schönem Wetter sogar den Gardasee. Die 45 Zimmer des Hotels sind überwiegend von Stammgästen und Sportlern belegt, allerdings müssen die manchmal ins Tal - denn wenn man oben einfach nicht schlafen kann, nutzt die ganze Trainingseinheit nichts.

Die beiden Hotels in der Schweiz und in Südtirol sind, abgesehen von einigen Schutzhäusern und Berghütten, die höchsten Quartiere in den Alpen - doch sie sind bei weitem nicht die einzigen Häuser in schwindelerregender Höhe.

So liegen im Berner Oberland das Berghaus Männlichen auf 2345 Meter Höhe und in Graubünden das Berghotel Diavolezza auf 3000 Meter Höhe. Umgeben von der mächtigen Berninagruppe, wirbt es mit dem höchstgelegenen Jacuzzi der Alpen. Viel beeindruckender ist allerdings, dass man bei Vollmond und wolkenlosem Himmel, gänzlich ohne künstliche Beleuchtung, mit den Skiern vom Berggasthaus ins Tal fahren kann. Der Mond erleuchtet den Schnee derart, dass jeder Skifahrer gut über die Pisten gleiten kann. Ebenfalls im Engadin liegt das Berghotel Muottas Muragl, ein Niedrigenergiehaus mit langer Geschichte, auf 2456 Metern Höhe.

In Österreich liegen die meisten Hotels deutlich unter 2000 Meter Seehöhe - doch es gibt Ausnahmen. Auf 2621 Metern steht in Osttitrol die Adler Lounge, ein schickes Lifestyle-Hotel, das moderne Architektur auf den Berg gebracht hat. 60 der umliegenden Dreitausender sieht man vom Hotel aus - und am Morgen ist, außer den anderen Skifahrern unter den Hotelgästen, niemand da, mit dem man die unberührten Hänge teilen muss.

Tibetanischer Turm auf 2800 Meter Höhe

Das Ötztal liegt mit seinen Orten allgemein recht hoch - von Obergurgl auf 1900 Metern Höhe bis Hochgurgl auf 2150 Meter Höhe sind hier verschiedenen Hotels, die Höhenfans besondere Möglichkeiten der Übernachtung bieten. Das höchstgelegene Vier-Sterne-Hotel Tirols ist das Ski- und Golfresort Riml, das sich auf 2200 Metern direkt an der Skipiste befindet.

Auf 2350 Metern ist im Hochzillertal die Wedelhütte Unterkunft für Luxus-Liebhaber. Das Fünf-Sterne-Haus hat nicht nur das höchstgelegene Tiroler Wirtshaus, sondern auch ein einzigartiges Weingewölbe. Fast auf gleicher Höhe liegt das Berghotel Rudolfshütte im Salzburger Land. Von hier aus kann man die Gipfel des Nationalparks Hohe Tauern sehen und ist umgeben von zahlreichen Gletschern. Besonders Tourengeher und Freerider finden hier ein kleines Paradies direkt vor der Hoteltür, Skifahrer können sich auf 23 Pistenkilometern austoben.

Wer es etwas exotischer mag, ist im Alpengasthof Tibet auf dem Stilfser Joch in Südtirol richtig. Das markante Turmgebäude in 2800 Meter Höhe wurde nach tibetanischem Vorbild gebaut - so wollte es Hotelier Fritz Angerer, der die Hütte vor mehr als 50 Jahren errichten ließ. Die Gäste allerdings erwartet auf dem Stilfser Joch ein echter Stilbruch - zwar ist die Architektur fernöstlich, doch die Einrichtung ebenso wie die Küche ist durch und durch heimisch.

Einen guten Wein haben die Südtiroler ebenso wie alle anderen Berghotels im Angebot. Offenbar hilft er einigen Höhengeplagten, doch die nötige Nachtruhe zu finden. Dabei sind die Probleme mit der dünnen Luft meist eh nach wenigen Tagen vorbei. Dann hat sich der Körper an die Gegebenheiten gewöhnt, produziert mehr rote Blutkörperchen - und der Höhenurlauber hat eine wahre Frischzellenkur hinter sich.

Verena Wolff/dpa/abl

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