Flüsse, Bergseen, Wasserfälle Frankreichs wilde Badestellen

Im Atlantik sind die Wellen zu hoch, die Mittelmeerküste ist recht verbaut: Frankreich ist nicht überall ein Planschparadies. Zum Glück gibt es im Inland unzählige Badestrände und spektakuläre Naturpools.

Daniel Start

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Jadegrünes Wasser, Klettersteige und Felsplatten, die zu kühnen Sprüngen einladen; darüber eine schmale Brücke, die die Schlucht überspannt: Am Pont du Diable in der Nähe von Thuyets, knapp 200 Kilometer von der Küste entfernt, befindet sich eine von Frankreichs schönsten Badestellen.

So urteilt zumindest der britische Autor Daniel Start, der sich in Sachen Freiluft-Schwimmen in den vergangenen Jahren eine gewisse Expertise erplanscht und nun ein Buch über die schönsten Seen, Flüsse und Wasserfälle Frankreichs herausgebracht hat.

Start ist Wildschwimmer; einer, der sein ganz persönliches Badeglück sucht - und es nicht am ausgeschilderten Sandstrand findet. Fünf Sommer lang reiste er kreuz und quer durchs Land, sprang in kristallklare Bäche, schwamm durch geflutete Schluchten. "Frankreich hat eine der besten Wasserqualitäten Europas und viel Wildnis", sagt Start. Das hat das Land für ihn zum perfekten Ziel gemacht, um es in Schwimmshorts zu erkunden.

Auf der Suche nach traumhaften Badestellen hat er sich nicht nur auf Tipps von Einheimischen verlassen, sondern viele Orte selbst entdeckt. Der studierte Geograf hatte stets Straßenatlanten und Detailkarten des französischen Institut Géographique National (IGN) parat - eine gute Hilfe, wenn man sie zu nutzen weiß.

"Am besten konzentriert man sich auf Flussbiegungen, wo sich Strände und tiefere Stellen bilden, oder auf die Abschnitte ober- und unterhalb von Stauwehren", sagt Start. Seen im Staatsforst seien in der Regel zugänglich. Und Wasserfälle seien auf den IGN-Karten oft mit einer geraden schwarzen Linie gekennzeichnet. "Man kann auch die Flüsse auskundschaften, auf denen die Franzosen Kanu fahren", sagt Start. "Die Karte 'Canoe-kayak en France' ist ein echter Schatz."

Wem das zu kompliziert ist, der findet in "Wild Swimming Frankreich" (kürzlich erschienen bei Haffmans & Tolkemitt) reichlich Tipps für eine Abkühlung im Sommerurlaub. Mehr als 400 Badestellen listet das kleinformatige Buch auf, das wie ein Reiseführer aufgebaut ist.

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Planschparadies Frankreich: Flüsse, Bergseen, Wasserfälle

Die Kapitel umfassen Regionen, Gebirge und Flüsse von der Loire an südwärts. Zu jeder Badestelle gibt es die passenden GPS-Daten und detaillierte Hinweise - mal zu geologischen Besonderheiten, mal zur Geschwindigkeit der Strömung oder zu den Dörfern in der Umgebung.

Bei den beschriebenen Flecken handelt es sich nur um einen Bruchteil dessen, was Frankreich an Badestellen zu bieten hat. "Es gibt über 1300 registrierte Strände im Inland", sagt Start. Zum Vergleich: Großbritannien hat gerade mal neun. "Schwimmen in Seen und Flüssen ist bei den Franzosen auch deshalb so beliebt, weil die Entfernung zum Meer oft groß ist." Außerdem sei der Atlantik vielerorts zu gefährlich zum Baden - und die Küste im Süden sei vielerorts stark bebaut.

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Daniel Start:
Wild Swimming Frankreich

Entdecke die schönsten Seen, Flüsse und Wasserfälle Frankreichs

Haffmans & Tolkemitt; 256 Seiten; 22,95 Euro

Es ist nicht das erste Buch dieser Art, das Start veröffentlicht hat. In der Reihe "Wild Swimming" sind bereits Reiseführer über die schönsten Badestellen Großbritanniens, Italiens, Spaniens und Australiens erschienen.

Für den Briten ist das Schwimmen in der Wildnis nicht nur ein Genuss, etwa nach einer langen Wanderung. Ihn hat das Freibaden regelrecht süchtig gemacht. Es sei das pure "Abenteuer", "die beste Möglichkeit, mit einem Ort eins zu werden", und "die Natur aus der Froschperspektive erleben", sagt er.

Start spricht von einer Flut von Endorphinen, die freigesetzt werden, wenn er in einen Bergsee springt, von einem "psychologischen Kick" und "großem Wohlbefinden".

Blaualgen und Bibberbad

Dennoch warnt er in seinem Buch vor unvorsichtigem Verhalten und unsichtbaren Hindernissen. In warmen Seen könnten einen "spaghettiartige Wälder" aus Wasserpflanzen überraschen. Gebirgsbäche dagegen seien oft so eisig, dass man sich nicht zu lange darin aufhalten sollte. Und mit Blaualgen sei auch nicht zu spaßen - "also lieber eine Stelle ohne den Belag suchen", um Hautausschläge und Augenreizungen zu vermeiden.

"Die Hauptgefahr besteht aber häufig darin, Badestellen in Flusstälern oder in Schluchten überhaupt zu erreichen", sagt Start. Man müsse sich vorsehen, um nicht auf glitschigen Steinen abzurutschen.

Wer aber ein paar Regeln beherzigt, wird die Naturpools zwischen Alpen und Atlantik lieben lernen, glaubt Start. "Frankreich ist mit hohen Bergen und hohen Temperaturen gesegnet", sagt er. Die Seealpen und das Zentralmassiv haben ihn besonders beeindruckt.

Im Freien baden? Aber sicher!

Sieben goldene Regeln
Nie alleine schwimmen und stets ein Auge auf unsichere Schwimmer haben.
Vergewissern, wie man wieder rauskommt, bevor man reingeht.
Nur ins Wasser springen, wenn man es auf Tiefe und Hindernisse geprüft hat - auch wenn man die Badestelle kennt.
Nicht bei Überschwemmung in Flüssen schwimmen.
Vor dem Baden durch Bewegung aufwärmen - und gleich danach warm anziehen. Darauf achten, dass man nicht auskühlt.
Sonnencreme auftragen und nie mittags schwimmen - im Wasser vergisst man leicht, wie stark die Sonne ist.
Beim Schwimmen kann es durch Überanstrengung, Überdehnung oder Erschöpfung zu Krämpfen in Waden oder Füßen kommen. In so einem Fall ruft man um Hilfe, legt sich auf den Rücken und paddelt mit den Armen zum Ufer.

Quelle: Auszug aus "Wild Swimming Frankreich"

Auch in den Pyrenäen war Start unterwegs. "Leider hab ich mir den Juni dafür ausgesucht - und ich war erstaunt, wie kalt es war", sagt er. "Viele der Seen waren mit Schnee umrandet und mit dem Schmelzwasser der Gletscher gefüllt."

Bibbernd entschied er sich, alle weiteren Trips für seinen Frankreich-Reiseführer in die Monate Juli, August und September zu verlegen.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
zerr-spiegel 21.06.2017
1. Wenn ich ans Meer will, ...
dann will ich nicht an einen Fluss oder Badeweiher.
thequickeningishappening 21.06.2017
2. Ardeche
ist cool! Mit und ohne Kajak.
touri 21.06.2017
3.
Wunderschöne Bilder. Ich bin sowieso eher für einen schönen See zu haben als das Meer.
Paul G. 21.06.2017
4. Traumhaft
Tolle Fleckchen Erde. @ Frau Stanek: hoffentlich bekommen Sie keinen Ärger mit Frau Stokowski. ( siehe aktuelle Kolumne)Das Bild mit der jungen Dame die ins Wasser hüpft oder in die Kamera lächelt.
fundador 21.06.2017
5. Schade,
jetzt wissen's alle und die schönsten Stellen werden zumindest in der Saison hoffnungslos überlaufen sein... Wenn ich mal eine schöne Stelle neu entdecken sollte, sage ich's bestimmt nicht weiter!
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