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Kroatische Adria: Dubrovnik meckert über Touristenmassen

Aktivisten klagen über Besucher, die ihre Heimat "regelrecht besetzen". Der Bürgermeister will mit Touristen abrechnen, die nicht genügend konsumieren. In Dubrovnik herrscht dicke Luft - und nun gibt es auch noch Ärger um eine Urlauberhochburg im Norden der Stadt.

"Perle an der Adria": Dubrovnik und die Touristenmassen Fotos
TMN

Dubrovnik - Touristen lieben die kroatische Adria - doch nun wird es manch einem Einheimischen zu viel mit den Besuchern. "Dubrovnik wird im Hochsommer regelrecht besetzt", sagt Djuro Capor von der Bürgerinitiative "Srdj gehört uns" - der Srdj ist der Hausberg der Stadt. "Vor Menschenmassen sieht man die historischen Gebäude nicht mehr. 300 Busse umkreisen täglich die Altstadt."

Ihr Durchmesser beträgt im Verlauf der Stradun-Promenade nicht viel mehr als 350 Meter. Wissenschaftler haben berechnet, dass sie 7000 Touristen am Tag verkraftet. Im vergangenen Sommer waren es täglich bis zu 25.000. Der Hafen wurde inzwischen auf eine Kapazität von 15.000 Gästen pro Tag ausgebaut. Im vergangenen Jahr legten nach Angaben des örtlichen Tourismusverbands mehr als eine Million Kreuzfahrturlauber dort an. Die heimische Bevölkerung der Altstadt ist von einigen Tausend Bewohnern auf heute 900 gesunken.

"Die Touristenmassen lassen Dubrovnik langsam sterben", sagt der Journalist Luko Brailo. Bürgermeister Andro Vlahusic will nun sogar mit den Tagestouristen "abrechnen, die nur auf der Stradun, der Hauptstraße, spazieren, ohne etwas zu verbrauchen", berichtet die Zeitung "Slobodna Dalmacija". "In der Stadt herrscht der allgemeine Kollaps", beschreibt Ariana Vela von der Organisation EU-Projekte in der Zeitung "Poslovni dnevnik" die Situation.

Auch den betuchten Gästen in den Luxushotels vor den Toren der Altstadt stößt der Massenansturm sauer auf. Dubrovnik hat eigentlich auf Qualitätstourismus gesetzt, doch "das ist kein Elitentourismus, sondern ein Massenansturm, schlimmer als wir ihn in Lloret de Mar oder in ähnlichen spanischen Urlaubsorten gesehen haben", kritisiert Vela eine ihrer Ansicht nach falsche Politik.

Korruption und Immobilienspekulation

Auf dem Srdj stampfen Investoren ein neues Tourismusviertel aus dem Boden. Als die Planungen 2003 begannen, war von einer 100 Hektar großen Golfanlage die Rede. Inzwischen stehen 310 Hektar im Plan. Gesetzeswidrig sei der Bebauungsplan geändert worden, erklärt Geschichtslehrer Capor von der Bürgerinitiative. Das für Sport und Erholung der heimischen Bevölkerung vorgesehene Gelände wurde in Bauland umgewidmet.

Die Beschwerde beim Verfassungsgericht ist seit Jahren unbearbeitet. Die ursprüngliche Investitionssumme ist von 80 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Damit entstehen neben dem Golfplatz zwei Hotels, 240 Villen und 400 Wohnungen. "Das ist einfach nur Korruption und Spekulation mit Grundstücken und Immobilien", schimpft Capor.

Auch in der mitteldalmatinischen Urlauberhochburg Makarska nördlich von Dubrovnik haben sich die Behörden mit der aufsehenerregenden Baugenehmigung für einen neuen Wohnblock an der Promenade selbst Probleme bereitet. Der Neubau nur wenige Meter neben dem besten Hotel Park erdrückt das einstige Markenzeichen.

Und der vorgelagerte kleine Strand kann schon heute bei weitem nicht alle Sonnenhungrigen aufnehmen. Die benachbarten Restaurantbesitzer und die Mitarbeiter des Hotels Park sprechen von einem "architektonischen Verbrechen" - und wie die Aktivisten aus Dubrovnik von Korruption.

Thomas Brey/dpa/jus

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Willkommen in der EU
Jochen aus F 29.05.2013
Hallo liebe Kroaten, das ist überhaupt kein Problem: zum ersten Juli werdet Ihr der 28. EU-Mitgliedsstaat. Dann füllt ihr flugs ein Antragsformular in Brüssel aus, und der deutsche Steuerzahler baut dann einfach noch eine Kopie der Altstadt 30 km weiter irgendwo oder lässt zumindest nochmal ne Insel aufschütten, wo die unerwünschten Tagestouristen geparkt werden können.
2. man kann nicht...
Jack_North 29.05.2013
...alles haben: Großproduktionen wie "Game of Thrones" ins Land holen und dann über die Touristen wundern. Vielleicht hätte man mal in Neuseeland nachfragen sollen, wie das läuft.
3. Have the cake and eat it
ofelas 29.05.2013
Was denn nun, keine Touristen oder weniger letztere kann ueber den Preis geregelt werden. Mir scheint das sich viele einfach nur die Rosinen rauspicken moechten, genau wie in der EU.
4. Was denn nun?
tommirf 29.05.2013
Zitat von sysopTMNAktivisten klagen über Besucher, die ihre Heimat "regelrecht besetzen". Der Bürgermeister will mit Touristen abrechnen, die nicht genügend konsumieren. In Dubrovnik ist dicke Luft - und nun gibt es auch noch Ärger um eine Urlauberhochburg im Norden der Stadt. http://www.spiegel.de/reise/europa/dubrovnik-klagt-ueber-zu-viele-touristen-a-902597.html
Vor einigen Jahren haben mir dortige Restaurantbesitzer noch vorgejamert, daß der Tourismus sich gar so schleppend erholt, nach dem Krieg ( vor damals immerhin schon 12 Jahren ), und jetzt ist es plötzlich zu viel? Na wartet nur, wenn Ihr erst den EURO habt, kann sich kein Mensch mehr Kroatien leisten, dann regelen das die Kräfte des Freien Marktes...
5. Muss das sein?
Hamberliner 29.05.2013
Zitat von sysopTMNAktivisten klagen über Besucher, die ihre Heimat "regelrecht besetzen". Der Bürgermeister will mit Touristen abrechnen, die nicht genügend konsumieren. In Dubrovnik ist dicke Luft - und nun gibt es auch noch Ärger um eine Urlauberhochburg im Norden der Stadt. http://www.spiegel.de/reise/europa/dubrovnik-klagt-ueber-zu-viele-touristen-a-902597.html
Dasselbe Problem kennt man doch von Venedig. Ich kann Leute nicht verstehen, die das wissen und trotzdem unbedingt dahin müssen. Haben die Einheimischen denen etwas getan, oder warum verhalten die sich so asozial? Ich werde Venedig und nun auch Dubrovnik meiden, es sei denn, ich muss da durch - in Venedig vorstellbar wegen Benutzung einer Fähre von/nach Igoumenitsa/Patras, in Dubrovnik vorstellbar wegen Durchreise an Land. Aber auch dann: kein Stadtbummel, und auf gar keinen Fall Selbstverpflegung, sondern Nutzung der örtlichen Gastronomie (wie überall). Und nicht mehr als eine Übernachtung. Wer den Unterschied zwischen Mensch und Schwein zu beachten weiß, läuft (als Mann) auch nicht in kurzen Hosen herum, wo es die Einheimischen nicht tun. Wenn es auch an den Kreuzfahrtreedereien liegt, müssen die Behörden von Dubrovnik und Venedig eben die Daumenschraube anziehen und denen die Liegegebühren soweit erhöhen, bis der Mix Touristen:Einheimische wieder stimmt. Die Reedereien handeln rein kaufmännisch, daraus kann man ihnen keinen Vorwurf machen.
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