Von Tim Tolsdorff
Das Hausgetränk der Gamsmilch-Bar im österreichischen Obertauern wird vom ehemaligen Weltmeister im Rückwärtsskifahren serviert. Zumindest hat Walter das immer behauptet. Auch auf anderem Gebiet war der Mann erfolgreich: Die Gamsmilch hat er in Obertauern zum echten Verkaufsschlager hochgejazzt.
Weil Walters Hütte etwas abseits in der Skirunde von Obertauern liegt, hoch oben an der Bergstation der Zehnerkar-Bahn, ist die Gaststube nicht ganz so überlaufen wie viele andere Lokale im Skigebiet. Dass man heute manchmal länger auf einen Platz warten muss, daran ist der technische Fortschritt schuld: Früher sorgte die Altersschwäche der klapprigen Zehnerkar-Gondel dafür, dass nie zu viele Gäste auf einmal bei Walter einfielen. Heute schaufelt ein neuer Lift die Skifahrer im steten Takt Richtung Gamsmilch-Bar.
Ohnehin sind Schlechtwettertage die beste Zeit für einen Abstecher zur Gamsmilch-Bar. Wenn der Wind eisig über die Tauernkette zieht, dichter Schneefall die Sichtweite auf die eigenen Skispitzen beschränkt und tiefhängende Wolken die Orientierung erschweren, dann bleiben Schönwetterskifahrer in den Daunen liegen. Und selbst disziplinierte Pistenrutscher meiden dann Obertauerns Kältekammern, den Hundskogel und eben das Zehnerkar.
Dann hat man in der Bar viel Platz und noch mehr Zeit. Das gilt auch für Walter, der dann die eine oder andere Anekdote auspackt. Wichtig ist, genau darauf zu achten, bei der wievielten Gamsmilch man angelangt ist. Schließlich will im Sauwetter draußen noch die fünf Kilometer lange Abfahrt vom Zehnerkar bewältigt werden. Und nicht jeder ist ein ehemaliger Weltmeister im Rückwärtsskifahren, so wie Walter.
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