Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Französisches Café erzieht Gäste: Wer sparen will, muss freundlich sein

Wer seinen Kaffee im Kommandoton bestellt, muss mehr bezahlen. Weil ihn unfreundliche Gäste störten, hat ein Wirt aus Nizza verschiedene Tarife festgelegt, für harsche und höfliche Kunden. Das war zwar nicht ganz ernst gemeint, hat aber eine erstaunliche Wirkung.

La Petite Syrah Zur Großansicht
Twitter

La Petite Syrah

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Eigentlich war es ein Witz. Aber seit die Preistafel verschiedene Tarife für Kaffee anzeigt - gestaffelt nach der Freundlichkeit der Gäste -, sei die Stimmung sehr viel besser in seinem Café, sagt Fabrice Pepino. Der Franzose betreibt im Zentrum von Nizza an der Côte d'Azur das Restaurant La Petite Syrah.

Wer dort schlicht "einen Kaffee" bestellt, der müsse sieben Euro für die Tasse bezahlen, wer ein "bitte" hinzufügt, von dem verlange man 4,25 Euro, besagt die Preistafel vor dem Lokal. Wer allerdings formvollendet ordert - "Guten Tag, einen Kaffee, bitte" -, der komme mit 1,40 Euro davon.

Rüpelhaft seien seine Besucher bisher nie gewesen, sagt Pepino, der vor allem Stammgäste bewirtet. Doch beim Kaffeebestellen in der Mittagspause vergaßen seine gestressten Kunden offenbar die Regeln des Anstands. Pepinos Ermahnung nähmen sie durchaus mit Humor - und einem Lächeln.

Der Wirt, der die Idee im Internet fand und übernahm, ist überrascht, dass seine Preistafel nicht nur die Gäste aufheitert. Die Lokalzeitung "Nice Matin"" brachte die Geschichte am Dienstagabend samt Foto, einer ihrer Reporter verbreitete die Nachricht via Twitter weiter: "Es gibt noch Leute mit Lebensart". Mittlerweile wurde die Meldung mehr als 11.000-mal auf Facebook geteilt und vielfach kommentiert.

Frankreichs Servicekräfte gelten als unfreundlich

Sogar ein Fernsehsender kam, um Pepino zu interviewen. Der wundert sich, wofür er nun so viel Aufmerksamkeit bekommt: "Drei Jahre lang haben wir uns reingekniet in unsere eigentliche Aufgabe: gute Speisen und gute Weine anzubieten. Und was macht jetzt die Runde? Ein paar Worte auf einer Tafel."

Dass es nun die Gäste sind, denen mehr Höflichkeit abverlangt wird, kann man auch als Replik verstehen. Schon länger gelten Servicekräfte in französischen Lokalen, speziell in Paris, als unfreundlich. Nachdem ausländische Touristen sich über die Behandlung beklagt hatten und weniger Gäste aus den Nachbarländern anreisten, startete das Fremdenverkehrsamt im Sommer 2013 die Kampagne "Do you speak touriste". Zu der Charme-Offensive zählten auch Regeln, die erklärten, wie auf Menschen verschiedener Kulturen einzugehen sei.

bon

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Stimmt nicht
triple-x 12.12.2013
Das mag zwar so in Paris sein, aber an der Cote, und speziell in Nizza, habe ich eine Unfreundlichkeit der Servicekräfte, egal ob im Restaurant, im Laden, auf der Post oder im Bus, in 15 Jahren bisher nur sehr, sehr selten kennen gelernt. An der Freundlichkeit könnte sich eine Vielzahl der Servicekräfte in Deutschland -ich denke da nur mal an die Post oder Kontrolleure im ÖPNV- eine erhebliche Scheibe abschneiden. Ebenso manche Figuren, die im Befehlston ihre Wünsche rausbellen. Da kommt logischerweise das "Wald rein-Wald raus"-Prinzip zum Tragen.
2. König Kunde?
donatellab 12.12.2013
Zitat von sysopTwitterWer seinen Kaffee im Kommandoton bestellt, muss mehr bezahlen. Weil ihn unfreundliche Gäste störten, hat ein Wirt aus Nizza verschiedene Tarife festgelegt, für harsche und höfliche Kunden. Das war zwar nicht ganz ernst gemeint, hat aber eine erstaunliche Wirkung. http://www.spiegel.de/reise/europa/erziehung-durch-preisnachlass-cafe-in-nizza-gibt-hoeflichen-gaesten-rabatt-a-938702.html
Das Personal ist häufig wenig motiviert und extrem langsam. Wenn sich diese Art und Weise des Umgangs mit den Kunden durchsetzen würde, gibt es bei mir nur noch daheim Kaffee.
3. ohhje
Stabhalter 12.12.2013
Zitat von sysopTwitterWer seinen Kaffee im Kommandoton bestellt, muss mehr bezahlen. Weil ihn unfreundliche Gäste störten, hat ein Wirt aus Nizza verschiedene Tarife festgelegt, für harsche und höfliche Kunden. Das war zwar nicht ganz ernst gemeint, hat aber eine erstaunliche Wirkung. http://www.spiegel.de/reise/europa/erziehung-durch-preisnachlass-cafe-in-nizza-gibt-hoeflichen-gaesten-rabatt-a-938702.html
das wäre auch bei uns mal notwendig.
4. und vor allem ...
bafibo 12.12.2013
... perfekte Rechtschreibung bei einem handgeschriebenen Text, wo das Französische doch so einige Haken und Ösen hat. In Deutschland gäbe es da sicher den einen oder anderen Fehler (besonders beliebt: der Deppen-Apostroph).
5. ?
quark@mailinator.com 12.12.2013
Die erstaunlichste Wirkung dürfte der rapide Umsatzrückgang sein. Ich bemühe mich immer um höflichen Umgang mit anderen Menschen, insbesondere Dienstleistern, aber wenn ich so eine Deklaration beim Betreten eines Lokals erblickte, machte ich auf der Stelle kehrt. Ich lasse mich als Gast doch nicht vorverurteilen, "erziehen" oder bewerten. Am Ende wirkt es dann noch so, als wäre man freundlich, um 50 Cent zu sparen ... Naja, der Typ hat vielleicht so erfolgreich guerilla-Werbung für seinen Laden gemacht. Und nur mal so ... es gab mal 'ne Zeit, da bekamen alle am Tisch ihr Essen zur gleichen Zeit, bedient wurde von links, die Tische waren weit genug auseinander, so daß die Bedienungen jeden Gast normal erreichen konnten, so daß man als Gast nicht in die Lage kam, beim Kellnern mithefen zu müssen um zu vermeiden, per Gesicht mit Achselhöhle oder gar Busen der Bedienung in Kontakt zu kommen ... alles Vergangenheit in den meisten Läden ...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH