Bedrohter Traumstrand: Kampf um Mallorcas Kronjuwel

Von Kurt F. de Swaaf

Feuchtgebiete, bewaldete Dünen und der Traumstrand Es Trenc: Die spektakulär schöne Natur im Süden Mallorcas ist in Gefahr, weil Investoren ein Luxusresort bauen wollen. Anwohner kämpfen beherzt gegen Betonpisten, sie wollen nicht noch mehr Küste dem Tourismus opfern.

Mallorcas Traumstrand: Angst um Es Trenc Fotos
GOB-Mallorca

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Der Duft von Harz strömt aus einem Pinienwald, wilder Fenchel und Feigenbäume wachsen nordöstlich des Badeortes Sa Ràpita. Hier, an der Südküste Mallorcas, ist vom sommerlichen Trubel nichts zu merken, ausgedörrtes Gestrüpp bedeckt den Boden. Flächen wie diese gibt es noch einige auf der größten Baleareninsel - trotz der vielerorts grassierenden Zersiedlung. Sie sind charmant, aber ökologisch gesehen nicht von herausragendem Wert.

Das Areal ist dennoch zum Zankapfel von Umweltschützern, Unternehmern und Politikern geworden. Denn das Terrain soll bebaut werden, und es grenzt praktisch unmittelbar an Mallorcas schönsten Sandstrand, die Platja Es Trenc. Dieser rund vier Kilometer lange Küstenstreifen ist der letzte seiner Art. Keine Bettenburgen, keine Betonpisten, stattdessen eine weitgehend naturbelassene und bewaldete Dünenlandschaft. Azurblaues Meer und feinster, weißer Sand runden den Strandzauber ab.

Kein Wunder also, dass Es Trenc zu den beliebtesten Ausflugszielen der Baleareninsel zählt. Großaufnahmen dieser Pracht werden immer wieder zu touristischen Werbezwecken genutzt. Der Strand ist so etwas wie Mallorcas Kronjuwel, eine Ikone der Urlaubsträume.

Nun aber soll auf dem besagten Grundstück ein Luxusresort entstehen, natürlich mit eigenem Golfplatz, alles zusammen 22 Hektar groß. Die Pläne betreffen Es Trenc nicht direkt, denn der Strand und die Dünen sind Naturschutzgebiet und somit für Bauvorhaben tabu, wie die Projektbefürworter betonen. Gerald Hau, Geograf und Sprecher der regionalen Naturschutzorganisation Grup Balear d'Ornitologia i Defensa de la Naturalesa (GOB), sieht dennoch große Risiken. "Es ist eine schleichende Zerstörung", erklärt der Fachmann. Die mallorquinische Landschaft leide unter fortwährendem Flächenverbrauch, und womöglich ist das umstrittene Projekt von Sa Ràpita nur der Anfang eines neuen Baubooms im Umfeld von Es Trenc, meint Hau.

Die Idylle hier ist nicht zum ersten Mal bedroht. Schon vor gut 30 Jahren konnten Aktivisten ein noch viel größeres Vorhaben vereiteln. "Damals sollte praktisch alles zugemauert werden, so wie heute die Playa de Palma aussieht", berichtet der GOB-Sprecher. Massive Proteste brachten die Behörden jedoch zum Einlenken - eine der größten bisherigen Errungenschaften der Umweltbewegung auf Mallorca. Spätere Versuche, illegal in den Dünen zu bauen, scheiterten ebenfalls. Am Rande des Weilers Ses Covetes stehen noch immer Betonskelette. Nicht mal die sonst so wirkungsvolle Korruption vermochte, den gerichtlich angeordneten Baustopp zu verhindern.

Protestkonzert gegen die Verschandelung

Die neuen Projektpläne basieren auf einem politischen Machtwechsel, sagt Gerald Hau. Bis Mai 2011 habe auf den autonomen Balearen eine Mitte-Links-Regierung das Sagen gehabt, dann kam die konservative Partei Partido Popular (PP) mit einer satten Mehrheit im Regionalparlament an die Macht. "Die PP möchte das alte Modell der Immobilienspekulation wieder ankurbeln." Inklusive eines erhofften Aufschwungs in der Bauwirtschaft. Auch auf Landwirtschaftsflächen soll zukünftig leichter gebaut werden können.

Das Sichern von politischem Einfluss spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle, meint Hau. "Viele Mallorquiner beschweren sich darüber, dass sie nicht vom Tourismus profitieren. Wenn sie aber Land für Bauprojekte verkaufen könnten, würden einige reichlich Gewinn machen. "Das ist eine Methode, Wähler an sich zu binden." Es Trenc und Umgebung gehören zum Campos, einer traditionellen Agrargemeinde. Dort gibt es viele Landeigentümer.

Die meisten Insulaner jedoch lieben ihre Heimat, und offenbar sind immer weniger von ihnen bereit, deren Verschandelung tatenlos zuzusehen. Als im vergangenen April ein Aktionsbündnis zum Schutz von Es Trenc zu einer Demonstration mit Menschenkette am Strand aufrief, hofften die Veranstalter auf 1500 Teilnehmer. Es kamen knapp 10.000. "Wir hätten nie mit einer solchen Menge gerechnet", erzählt Gerald Hau begeistert.

Nicht nur die GOB, auch Greenpeace war an der Aktion beteiligt. Unter den Demonstranten waren auch viele Menschen, die normalerweise nicht zum Protestieren auf die Straße gehen. Es Trenc trifft anscheinend einen Nerv. Für den 6. September ist in Palma ein Protestkonzert mit Auftritten regionaler Bands geplant. Auch der aus New York stammende und in Spanien lebende Polit-Clown Leo Bassi wird eine Vorstellung geben.

Prominenz wie Einwohner wollen verhindern, dass die geplante 1200-Betten-Herberge entsteht. Sie befürchten einen noch stärkeren Ansturm auf den oft überlaufenen Strand. Die Vegetation leidet bereits, und der Sand schwindet. Wenn der Bau verwirklicht werde, meinen die Strandschützer, opfere man eine der schönsten Küstenabschnitte Mallorcas den kurzfristigen Gewinninteressen einiger Investoren und Landbesitzer. Er würde zwar auch 300 neue Arbeitsplätze mit sich bringen, doch langfristig gesehen verliere die Insel immer mehr an Attraktivität - auf Kosten der Tourismusbranche.

Nur 400 Millimeter Niederschlag pro Jahr

Experten wie Gerald Hau sehen noch eine weitere Gefahr, die nicht direkt den Strand betrifft, sondern das Hinterland. Der ebenfalls geplante Golfplatz wird enorme Mengen Süßwasser verbrauchen - auf Mallorca ein rares Gut, vor allem in der Umgebung von Campos. Dort fallen jährlich nur rund 400 Millimeter Niederschlag, erklärt der Geograf Hau. "Es herrscht ein steppenartiges Klima."

Der Golfrasen müsste dementsprechend intensiv bewässert werden. Aber woher nehmen? Eine Meerwasser-Entsalzungsanlage dürfte dem Betreiber zu teuer sein. Bleibt nur, einen eigenen Brunnen zu bohren. Und das hätte weitreichende Folgen. Der Grundwasserspiegel würde sinken, nach und nach würde stattdessen Meerwasser ins Erdreich eindringen. Ein solcher Effekt lässt sich bereits in vielen mediterranen Küstengebieten beobachten. Zudem dürfte den ökologisch wertvollen Feuchtgebieten im Süden Mallorcas bei sinkendem Grundwasserpegel das Nass abhanden kommen. Hau: "Das sind die Probleme, die immer wieder bewusst ausgeblendet werden."

Wenige Kilometer von Sa Ràpita entfernt breitet sich ein flaches, sumpfiges Gelände hinter den Dünen aus: die "Laguna del Salobra". Dichtes Schilf wächst neben kniehohen Salicornia-Büschen. Stille. Im Frühling, wenn das Areal zum großen Teil geflutet ist, tummeln sich hier zahllose, zum Teil seltene Vögel. Sogar Flamingos fühlen sich wohl. Jetzt, zur Sommerzeit, bedeckt getrockneter Schlick den Boden. In einer Hecke hüpfen zwei Wiedehopfe herum. Insekten schwirren vorbei. Eine seltsame Idylle. Noch.

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1.
forkeltiface 27.08.2012
Zitat von sysopsie wollen nicht noch mehr Küste dem Tourismus opfern. Es Trenc: Bau eines Luxus-Hotels bedroht Mallorcas Traumstrand - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,851445,00.html)
"Die Pläne betreffen Es Trenc nicht direkt, denn der Strand und die Dünen sind Naturschutzgebiet und somit für Bauvorhaben tabu, wie die Projektbefürworter betonen." Es zeigt sich also, dass es wieder mal nicht um die "Umwelt" geht, sondern um Klassenkampf von satten Europäern. Die Spanier können sich es ja auch leisten. Es sollen lieber andere für ihre Schulden zahlen. Da kann man nur sagen: lieber produzieren, als protestieren ;)
2. Warte, warte nur ein Weilchen,
papayu 27.08.2012
dann kommt auch die Pleite zu Dir. Also keine Bange, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Vielleicht schon naechste Woche bricht die unsinnige EU zusammen und dann muessen die Deutschen eben in Deutschland Urlaub machen, so an der Ost- oder Nordsee. Und wozu gibt es Solarien?
3. Strand = Zumutung
Kvert 27.08.2012
Dieser Strand ist Ende Juli eine Zumutung. Man liegt wie eine Sardinelle einer neben dem anderen. Die Zufahrt ist nur mit einem Kleinstwagen fahrbar (den hatten wir glücklicherweise), weil man Spiegel an Spiegel mit 1 cm Spalt an den entgegenkommenden Fahrzeugen vorbeifahren muss. Nie wieder Es Trenc!
4. Mallorca gehoert uns
nablus 27.08.2012
Zitat von sysopFeuchtgebiete, bewaldete Dünen und der Traumstrand Es Trenc: Die spektakulär schöne Natur im Süden Mallorcas ist in Gefahr, weil Investoren ein Luxus-Resort bauen wollen. Anwohner kämpfen beherzt gegen Betonpisten, sie wollen nicht noch mehr Küste dem Tourismus opfern. Es Trenc: Bau eines Luxus-Hotels bedroht Mallorcas Traumstrand - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,851445,00.html)
Mallorca gehoert uns, ist doch schon auf der Tagesschau Wetterkarte. Also machen wir da auch was wir wollen. Wahrscheinlich kommt das Geld der Investoren aus der "Bankenrettung" des EMSF, doer ESM, oder EUS, oder EDMS... egal , wie auch immer, Mallorca ist unser.
5. Die Insel...
fatherted98 27.08.2012
...lebt vom Tourismus....was anderes gibts da nicht. Wenn die Touris wegbleiben können die Einwohner wieder anfangen Ziegen zu hüten...wohl keine Alternative im Moment für Spanien. Naturschutz schön und gut...aber wie bei uns in Deutschland auch sollten die Spanier abwägen was im Moment wichtiger ist...ein unberührter Naturstrand oder zahlenden Touris und Migranten.
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