Eurovision in Schweden: Malmö macht Musik

Schickes Hafenviertel, verdrehter Wolkenkratzer - und ein poppiges Musikevent: Malmö ist Gastgeber des Eurovision Song Contest im Mai. Die Stadt galt lange als Problemkind Schwedens, heute ist sie eine selbstbewusste Kultur- und Uni-Metropole.

Eurovision aus Malmö: Verdrehte Architektur, poppige Musik Fotos
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Malmö - Jeden Morgen fährt Eva mit dem Zug von Kopenhagen aus über die Öresundbrücke zur Arbeit nach Malmö. Das spektakuläre, acht Kilometer lange Bauwerk zwischen Schweden und Dänemark hat Symbolcharakter. "Durch die Brücke sind wir viel näher an den Rest Europas gerückt. Außerdem ist der Flughafen Kopenhagen keine 20 Minuten mit dem Zug von Malmö entfernt", sagt die junge Pendlerin.

Mit der schnellen Verbindung zum Flughafen, den kurzen Wegen von der Eventhalle Malmö Arena in die City und einem eigenen Bahnhof an der Arena hat Malmö die Veranstalter des Eurovision Song Contest (ESC) überzeugt und ist nun zum zweiten Mal nach 1992 Austragungsort des Wettstreits. Malmös große Rivalen Stockholm und Göteborg hatten das Nachsehen. Vom 14. bis zum 18. Mai wird die 300.000 Einwohner zählende Metropole im Zeichen des Musikwettbewerbs stehen.

Jeweils mehr als 10.000 Zuschauer werden die Bühnen-Acts in der Malmöarena verfolgen. Anna-Maria Havskogen, ESC-Projektleiterin des Schwedischen Fernsehens (SVT), lässt keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass im Mai die Musik in Malmö spielt: "Auch für die Musikfans, die keine Eintrittskarte mehr ergattern konnten, lohnt die Tour nach Malmö." An mehreren Plätzen in der Stadt werde die Shows auf Großbildschirmen live übertragen. Daneben gibt es eine große Party unter dem Motto "We are one" - wir sind eins.

Die Provinzstadt am Öresund hat sich in den vergangenen 20 Jahren vom grauen Industriestandort zu einer lebendigen Kulturmetropole und zum wichtigsten Hochschulzentrum Südschwedens entwickelt. "In den neunziger Jahren war der Ruf von Malmö wirklich nicht sehr gut", gibt Stadtführerin Mia Klatte beim Rundgang durch die Altstadt zu. Damals hatte die Krise Malmö voll im Griff: Die Kockums-Werft machte 1998 dicht, Tausende Beschäftigte wurden arbeitslos. Die Kriminalitätsrate war hoch, soziale Probleme mit Zuwanderern aus dem Ausland kamen hinzu.

"Wir sind die Fahrradhauptstadt Schwedens"

Heute aber gilt Malmö als umweltbewusste und grüne Stadt. Auf 300 Parks und Grünanlagen weist die Stadtverwaltung stolz hin, darunter ist mit dem 1891 gegründeten Folkets Park auch der älteste Vergnügungspark Schwedens. Hotels und Restaurants in Malmö setzen auf Nachhaltigkeit. Folgerichtig soll auch der Eurovision Song Contest umweltschonend werden. So geht beispielsweise der Appell an die Zuschauer, zur Malmö Arena nicht mit dem Auto, sondern per Zug anzureisen - oder am besten gleich mit dem Fahrrad.

Auf zwei Rädern lassen sich ohnehin am besten die Altstadt (Gamla Staden) und das etwa einen Kilometer entfernte moderne Westhafen-Quartier (Västra Hamnen) erkunden. "Wir sind die Fahrradhauptstadt Schwedens. Stockholm kann von uns lernen", unterstreicht Mia Klatte. In Malmö werden nach Schätzungen der Stadtverwaltung täglich 100.000 Fahrten per Fahrrad unternommen.

Das Radwegenetz ist vorbildlich, in den nächsten sechs Jahren sollen 400 Millionen schwedische Kronen (48 Millionen Euro) in den weiteren Ausbau von Radwegen und Stellplätzen für Bikes investiert werden. Touristen können an mehreren Verleihstationen Zweiräder mieten.

In der Altstadt, Gamla Staden, verläuft das Leben ruhig und beschaulich. Am Platz Lilla Torget mit Häusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sitzen Einheimische nach dem Einkaufsbummel auf der Södergatan in den Terrassencafés. Nebenan auf dem Stortorget-Platz erinnert das Reiterstandbild von Karl X. Gustav an die Eroberung Malmös durch die Schweden im 17. Jahrhundert. Bis dahin gehörte Malmö zu Dänemark. Und nur wenige Schritte weiter erhebt sich mit der Sankt Petri Kyrka eines der ältesten Gebäude der Stadt.

Wahrzeichen Turning Torso

Alte Stadt und junge Stadt - das mehr als 800 Jahre alte Malmö steckt voller Kontraste. Auf gekennzeichneten Radrouten geht es schnell aus der Altstadt hinüber in das schicke Stadtquartier Västra Hamnen. Der weitgehend autofreie Stadtteil entstand auf dem Gelände der ehemaligen Kockums-Werft.

Weithin sichtbares Symbol von Västra Hamnen ist das vom spanischen Stararchitekt Santiago Calatrava entworfene und im Herbst 2005 fertiggestellte Wohnhochhaus Turning Torso. Mit 190 Meter Höhe ist der spektakuläre Wolkenkratzer Skandinaviens höchstes Gebäude, dessen 54 Etagen sich um sich selbst zu drehen scheinen.

Turning Torso und die im Juli 2000 eröffnete Öresundbrücke setzen für Malmö wichtige Zeichen: Der Wolkenkratzer steht für den Wandel, die weltweit längste Schrägseilbrücke für den Straßen- und Eisenbahnverkehr für die enge Anbindung ans Nachbarland Dänemark. "Die Brücke hat für uns eine historische Dimension", sagt Klatte. "Schließlich gehörten Malmö und die Provinz Skåne bis zum Jahr 1658 zu Dänemark. Malmö war damals die zweitgrößte dänische Stadt."

Für viele Bürger Malmös ist Kopenhagen deshalb nicht nur geografisch nah, die schwedische Hauptstadt Stockholm aber ziemlich weit entfernt. Ähnlich weit ist es von Malmö bis nach Münster in Westfalen.

Bernd F. Meier/dpa/abl

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1. Malmö i mitt hjärta
elpackito 20.03.2013
Ja, wirklich super! Nur Betonung liegt auf geografischer Nähe! Fahrzeit mit dem Zug vom Malmö nach Münster 8h. Von Malmö nach Stockholm 4,5h. @DB und DSB: Wann wird endlich die Strecke Kopenhagen-Hamburg ausgebaut? Sind das zwei Metropolen oder nicht?
2. Na da bin ich ja mal gespannt
Farguard 20.03.2013
Malmö ist inzwischen also kein "Problemkind" mehr? na gut, wenn man es mit Götheburg vergleicht... da ich so verrückt war einer Freundin zu versprechen mit ihr zu diesem Grand Prix zu gehen werde ich dann mal nachsehen, ob Malmö sich wirklich so gewandelt hat. Schlafen werden wir trotzdem in Kopenhagen :o
3. Malmö tolerant?
becky_neef 20.03.2013
Zitat von sysopTMNSchicke Hafenviertel, verdrehte Wolkenkratzer - und ein poppiges Musikevent: Malmö ist Gastgeber des Eurovision Song Contest. Die Stadt galt lange als Problemkind Schwedens, heute ist sie eine selbstbewusste Kultur- und Unimetropole. http://www.spiegel.de/reise/europa/malmoe-macht-musik-a-889889.html
So schön hip, grün, bunt und nachhaltig die Stadt nach Meinung der Autoren auch sein mag - Minderheiten müssen in Malmö um ihr Leben zittern oder auswandern. Antisemitismus in Malmö: So ein herrliches Land - Übersicht Nachrichten - NZZ.ch (http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/so-ein-herrliches-land-1.17663493) Antisemitismus : Das schwedische Malmö vertreibt seine Juden - Nachrichten Politik - Ausland - DIE WELT (http://www.welt.de/politik/ausland/article9382767/Das-schwedische-Malmoe-vertreibt-seine-Juden.html)
4. Wichtigstes Hochschulzentrum Südschwedens?
lujo54321 20.03.2013
Manchmal wundert man sich, woher Spiegel seine Informationen hat. Malmö hat tatsächlich eine Fachhochschule, aber keine Uni. Und das Etikett "Wichtigstes Hochschulzentrum Südschwedens" gebührt wohl eher der Nachbarstadt Lund (und selbst das kleine Alnarp nördlich von Malmö hat mehr Unis als Malmö - nämlich eine, die Landwirtschaftsuni).
5.
cincinna 21.03.2013
Malmö ist ne absolut tolle Stadt! Ich beneide jeden, der im Mai zum ESC fährt.
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