Expo in Mailand Picknick auf dem Pavillon-Dach

Bei der Expo in Mailand geht es um die Wurst. Die nun beginnende Weltausstellung hat sich dem Thema Ernährung verschrieben. Doch kulinarische Kostproben stehen nicht im Fokus - sondern ernste Probleme wie Hunger, Übergewicht und Magersucht.

DPA

Begleitet von Kritik und Bauarbeiten bis zur letzten Minute beginnt am Freitag die Weltausstellung in Mailand. "Wir sind bereit für die Expo, endlich", erklärte Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi kurz vor der Eröffnung. "Es hätte besser gemacht werden können, es hätte woanders gemacht werden können, es hätte früher gemacht werden können: In diesen Stunden höre ich viel Kritik. Aber es wird sehr schön sein."

Bis Ende Oktober werden 20 Millionen Besucher in der norditalienischen Stadt erwartet, zehn Millionen Tickets sind bereits verkauft. Mehr als 145 Länder nehmen an der Ausstellung am Stadtrand von Mailand teil.

Deutschland präsentiert sich mit einem der größten Pavillons, für den die Bundesregierung fast 50 Millionen Euro ausgegeben hat. Zum sogenannten Nationentag am 18. Juni wird auch Bundespräsident Joachim Gauck erwartet.

Die Expo steht unter dem Motto Ernährung. Es geht einerseits darum, Lösungen zu finden, wie sich alle Menschen der Welt in Zukunft ernähren können. Andererseits werden Themen wie Übergewicht oder Magersucht diskutiert. Ein in diesem Zusammenhang reichlich pikantes Detail: Ausgerechnet Unternehmen wie McDonald's und Coca Cola gehören zu den Sponsoren der Expo. Viele Kritiker sehen darin einen Widerspruch.

Insekten, Weißwurst und Mailänder Eintopf

Wer sich durch die Küchen der Welt schlemmern will, der wird auf der Expo voll auf seine Kosten kommen: Jedes Land wird seine Küche anpreisen. Es gibt viel zu probieren - darunter auch exotische Snacks wie Insekten. Im deutschen Pavillon werden Weißwürste und Bier sowie Frankfurter Grüne Soße kredenzt - ziemlich klischeehaft, aber immerhin sättigend.

Wer kulinarisch über den Tellerrand hinaus schauen will, hat vielleicht Glück, wenn er sich über die Webseite Piacere Milano bei einem Italiener zum Essen einlädt. Die Plattform soll Touristen und Einheimische vernetzen und dazu beitragen, dass Gäste die Stadt auf eine besondere Weise kennenlernen. Vielleicht erfahren deutsche Urlauber auf diese Weise, dass das, was hierzulande als Mailänder Eintopf durchgeht, keine italienische Erfindung ist.

Italien erhofft sich von der Ausstellung einen Anstoß für die kriselnde Wirtschaft und einen Imagewechsel. 1,3 Milliarden Euro sollen den Staat allein die Arbeiten auf dem Gelände gekostet haben - nicht eingerechnet die Erneuerungen an Metro, Autobahnen und Straßen.

Schuhe dienen später als Blumentopf

Die Expo wurde im Vorfeld von mehreren Problemen überschattet. Im vergangenen Jahr wurden mehrere Expo-Manager wegen Bestechungsvorwürfen festgenommen. Zudem verzögerten sich ständig die Bauarbeiten.

Obendrein wuchs die Sorge, dass die Eröffnung von Protesten begleitet werden könnte. Diese Woche hatte die Polizei in Mailand gegen mehrere mutmaßliche Störenfriede ermittelt, darunter auch Deutsche. Sprengkörper, Schlagstöcke und Gasmasken wurden sichergestellt. Für den 1. Mai ist eine Demonstration der "No Expo"-Gegner angekündigt. Laut Medienberichten sollen 2600 zusätzliche Sicherheitskräfte am Tag der Eröffnung im Einsatz sein.

In der Kritik ist - wie oft bei Großveranstaltungen dieser Dimension - die künftige Nutzung des Areals: Was mit dem riesigen Gelände am Stadtrand nach der Ausstellung passieren soll, ist bisher niemandem klar. Die meisten Pavillons, die für Millionen erbaut wurden, werden abgerissen. Nur vereinzelt gibt es kreative Ideen: Die Türme des Schweizer Pavillons sollen später Gewächshäuser in der Schweiz werden. Und einige Schuhe der Mitarbeiter im deutschen Pavillon sind kompostierbar und können zum Blumentopf umfunktioniert werden.

Feld der Ideen

Der deutsche Pavillon wird nach dem Ende der Weltausstellung abgebaut. Deutschland präsentiert sich mit einem als sanft ansteigende Landschaftsebene entworfenen Gebäude mit einer frei zugänglichen Oberfläche, auf der Besucher picknicken dürfen. Snacks für eine Brotzeit gibt es vor Ort zu kaufen.

Der Entwurf für den deutschen Pavillon trägt den Titel "Fields of Ideas", Felder der Ideen. "Die kleinen Parzellen, die man sieht, wenn man von oben auf eine deutsche Feld- und Flurlandschaft schaut, stehen für die vielen Ideen aus Deutschland", sagt der leitende Architekt des deutschen Pavillons, Lennart Wiechell. Zu den Baumaterialien des Pavillons gehört Holz aus deutschen Wäldern.

Knapp 5000 Quadratmeter groß ist das deutsche Expo-Grundstück, 2680 Quadratmeter die Ausstellungsfläche. Sie ist für bis zu 16.000 Besucher täglich ausgelegt - das sind bei 184 Tagen Expo-Laufzeit bis zu drei Millionen Besucher insgesamt.

jus/dpa

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