Expo-Defizit Muss Niedersachsen doch die Hälfte zahlen?

Pech für Niedersachsen: Eigentlich wollte der Bund zwei Drittel der Expo-Kosten übernehmen. Doch nun wird über "alternative Modelle" nachgedacht. Die Expo-Führung wird weiterhin scharf kritisiert.


Hamburg - Das Land Niedersachsen soll das erwartete Expo- Defizit von 2,4 Milliarden Mark nun vielleicht doch zur Hälfte tragen, dafür vom Bund aber an anderer Stelle entschädigt werden, berichtet die "Welt am Sonntag". Ursprünglich hatten Bund und Land vereinbart, die Kosten zu gleichen Teilen zu übernehmen. In jüngster Zeit hatte es jedoch Spekulationen gegeben, der Bund werde sogar zwei Drittel des Expo-Defizits übernehmen.

Inzwischen gebe es aber Überlegungen, das Land Niedersachsen anders zu entlasten, so die "WamS". Vorbild sollten die Zugeständnisse an einzelne Bundesländer für ihre Zustimmung zur Steuerreform sein. "Dass über alternative Modelle nachgedacht wird, kann ich bestätigen", sagte Axel Plaue, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. Akzeptabel seien solche Lösungen aber nur, wenn der Landeshaushalt dabei effektiv um den selben Betrag entlastet werde wie bei einer Übernahme von zwei Dritteln des Expo-Defizits durch den Bund.

Scharfe Kritik von Expo-Gutachter Berger

Unterdessen hat der Münchner Unternehmensberater Roland Berger das Management der Expo 2000 erneut scharf kritisiert. Berger, der für die Expo GmbH selbst Gutachten erstellt hatte, warf der Expo-Führung in der "Welt" Planungsfehler und falsche Vermarktung vor. Die Geschäftsführung habe sich stets auf Zahlen von 1992 berufen und daran festgehalten. "Die Probleme waren somit programmiert", sagte Berger der Zeitung.

Von Anfang an habe Berger alle Verantwortlichen der Expo GmbH immer wieder darauf hingewiesen, dass man eine detaillierte Finanzplanung brauche. Diese sei jedoch erst 1998 und damit viel zu spät erfolgt, so Berger. Seine eigene Analyse sei von 26 Millionen Besuchern und einem Verlust von 1,6 Milliarden Mark ausgegangen. Die Weltausstellung schloss am vergangenen Dienstag mit einem Endergebnis von 18,1 Millionen Besuchern.

Die Expo-Gesellschaft wies Bergers Kritik zurück. Sie habe seit Beginn ihrer Tätigkeit über eine detaillierte Finanzplanung und von Mitte 1996 an über ein "intensives Risikomanagement" verfügt. Bergers Gutachten habe eine Bandbreite von 26 bis 32 Millionen Besuchern beinhaltet, 40 Millionen Besucher aber nicht ausgeschlossen. Im Auftrag der Expo habe Berger auch einen Maßnahmenkatalog entwickelt, um auf diese Besucherzahl zu kommen.

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