Expo-Kritik Panamas pompöse Töne

"Mucho mas que un canal" - Viel mehr als ein Kanal, verspricht Panama selbstbewusst. Doch ohne den Auftritt einer mitgebrachten Musik- und Tanzgruppe würde der Expo-Beitrag Panamas im unteren Mittelmaß versinken.

Von Petra Nölkensmeier


Hannover - Viel lieber würde man vom Ausgang her den Stand Panamas betreten. Eine dörfliche Straßenszene ist dort nachgestellt: Tische und Bänke, Holzwagen und Laternen, dahinter die Nachbildung eines bunten Hauses.

Ganzer Stolz einer Nation: Der Panama-Kanal
REUTERS

Ganzer Stolz einer Nation: Der Panama-Kanal

Der Eingang dagegen ist weniger einladend. Dort warten etwa zwei Meter hohe, graue Wände, über denen weiße Schiffe in Miniaturformat Kurs nehmen.

Das ist der Panama-Kanal, zumindest als Modell. Die weltberühmte Wasserstraße darf wohl nicht fehlen beim Auftritt des mittelamerikanischen Landes.

Und so kann sich der Besucher rühmen, zumindest eine Schleuse davon beschritten zu haben. Im Innern des "Kanals" kann er dann traditionellen Goldschmuck bestaunen und den "Urwald" durchqueren, also Grünzeug hinter Glas anschauen.

Leider hat man das schon an einigen lateinamerikanischen Pavillons und Ständen gesehen, und zwar oft einfallsreicher gestaltet. Doch kurz vor Betreten des nächsten Ausstellungsbereichs lockt ein Plakat mit dem bereits zitierten Versprechen, wonach Panama eben mehr zu bieten habe als seinen Kanal.

Über dessen Lage und Leistung informieren zunächst einige Karten. Wer sich dann aber umdreht - neugierig, was da noch kommen mag - findet sich bereits am Souvenir-Shop wieder.

War's das schon? Nicht ganz, denn nun betritt der Besucher endlich den hinteren Teil des Standes, das so genannte "Mi Pueblito". Hier gibt es scheinbar noch einiges zu sehen. Gerne würde man die Treppe des Modellhauses hinaufsteigen, um hinter die aufwendig geschnitzten Türen im oberen Stockwerk zu sehen.

Doch ausgerechnet dieser Bereich ist nicht für die Besucher bestimmt und so verlässt man Panamas Stand nach nur wenigen Minuten. Es sei denn, die folkloristische Tanz- und Musikgruppe hat in diesem Moment einen ihrer Auftritte. Auch wer gerade nicht in der Nähe ist, findet den Weg schnell: Die Musik durchdringt lautstark die gesamte Halle 21, so dass die bolivianischen Flöten- und Gitarrenspieler nebenan ihre Instrumente vorerst resigniert ruhen lassen. Die Männer und Frauen in traditionellen Gewändern stehlen allen anderen Darbietungen die Schau.

Schnell bildet sich eine Traube von Zuschauern, von denen sogar manch einer selbst die Hüften zum mitreißenden Rhythmus schwingt. Doch kaum ist der letzte Ton verklungen, leert sich der Platz. Auch an den Tischen möchte niemand mehr sitzen.

Denn ohne Musik und Tanz hat Panamas Stand dann doch nicht viel mehr aufzuweisen, als Sie wissen schon, genau, den Kanal.

Bewertung:
Note: 4+
Prädikat: rhythmisch
Verweildauer: 5 Minuten
Erholungswert: Akzeptabel. Zum beschwingten Entspannen stehen Schaukelstühle bereit.


Expo-Porträt:
Auf einen Blick: Von A bis Z - Die Expo-Teilnehmer

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.