Feriensaison 2019 Fluglotsen sehen neues Chaos am Horizont heraufziehen

Eigentlich wollte die Luftfahrtbranche Maßnahmen umsetzen, um ein Chaos wie 2018 zukünftig zu verhindern. Bald soll Bilanz gezogen werden. Die fällt nach Ansicht der Fluglotsengewerkschaft schlecht aus.

Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung
DPA

Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung


Fluggäste können sich auf einen weiteren Chaos-Sommer einstellen. Das prognostiziert zumindest die Fluglotsengewerkschaft GdF. Bei den Flugsicherungen werde sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr verschlechtern, heißt es in einer Erklärung. Die Folge sei eine mögliche "Wiederholung der massiven Verspätungssituation".

Im Sommer 2018 war es zu einem Anstieg von Verspätungen und Flugausfällen in Europa gekommen. Auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hatte kürzlich vor einer neuen Chaos-Saison gewarnt und beteuert, Airlines, Flughäfen und die Flugsicherung täten alles, was in ihrer Macht stehe.

Der Präsident des BDL ist ausgerechnet Klaus-Dieter Scheurle, Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS). Ihr wirft die GdF vor, eben nicht alles zu tun, was in ihrer Macht steht. Gewerkschaftschef Matthias Maas hielt der Deutschen Flugsicherung zum Beispiel Versäumnisse bei der Personalplanung vor. So sei entgegen der Ankündigungen beim Luftfahrtgipfel im vergangenen Herbst die Zahl der Ausbildungsplätze für neue Lotsen bislang nicht erhöht worden.

Das angekündigte Vorhaben, ausländische Lotsen zu akquirieren und für den deutschen Luftraum auszubilden, war demnach nicht umzusetzen. Derzeit gebe es kaum Länder mit Überkapazitäten an Fluglotsen, heißt es in der Erklärung.

Altersabgänge können nicht ersetzt werden

Die DFS erklärte hingegen, dass sie ihre Ausbildung deutlich erweitert habe. Zu rund 2000 aktiven Lotsen kämen 213 in der Ausbildung und 122 Anfänger im laufenden Jahr, teilte das Unternehmen mit. Damit sei man am Maximum, was die Flugsicherungsakademie und die Niederlassungen leisten könnten.

Nach Berechnungen der GdF reichen die neuen Kräfte aber nicht, um die Altersabgänge bis 2024 auszugleichen. In den kommenden fünf Jahren hörten zwischen 400 und 700 Lotsen auf, erklärte Tarifvorstand Markus Siebers. Bereits jetzt fehlten rund 200 Lotsen für den deutschen Luftraum. Nach seiner Darstellung dauert es vier bis fünf Jahre, bis ein Lotsenschüler tatsächlich einsetzbar ist.

Siebers verlangte von der DFS eine langfristige Ausbildungsplanung, die nicht nach kurzer Zeit gleich wieder nach unten gefahren werde. Dann könne man auch über kurzfristige Maßnahmen wie zusätzliche Überstunden sprechen. Er bestritt, von der Geschäftsleitung ein offizielles Verhandlungsangebot zu diesem Thema erhalten zu haben. Die DFS erklärte hingegen, dass die GdF wirtschaftlich nicht vertretbare Forderungen aufgestellt habe.

Im obersten Luftraum ist die Kapazitätsgrenze erreicht

Die Lufthansa sieht sich nach Angaben eines Sprechers vor massiven Mehrkosten und Umplanungen. Unter anderem auf Initiative der DFS plant Eurocontrol als europäische Netzkoordination im Sommer die Verlagerung von rund 100.000 Lufthansa-Flügen in niedrigere Lufträume, weil im obersten Luftraum die Kapazitätsgrenze erreicht sei.

Auch würden Umwege durch weniger genutzte Sektoren geplant. Beides verlängere die Flugzeiten und erhöhe Kerosinverbrauch wie die CO2-Belastung, erklärte der Konzernsprecher. Der Planungsprozess sei aber noch nicht abgeschlossen. Der Dax-Konzern verwies auf eigene Anstrengungen mit zusätzlichem Personal und mehr Reserve-Jets, um im kommenden Sommer einen flüssigeren Betrieb zu gewährleisten.

Geplante Umwege für Tausende Flüge und Verlagerungen in andere Lufträume würden nichts an der Problematik ändern, erwidert die GdF. Eine Ursache sieht die Gewerkschaft bei der EU. Sie erstelle ihre Verkehrsprognosen weiterhin sehr langfristig. In den vergangenen Jahren hatten die auf fünf Jahre erstellten Prognosen deutlich unterhalb des tatsächlichen Wachstums gelegen. Das Problem: An diese Prognosen ist auch die Personalplanung der nationalen Flugsicherungen gekoppelt.

Die Maßnahmen waren auf einem Luftfahrtgipfel im Oktober 2018 beschlossen worden. Alles sollte besser werden. Am 28. März wird auf einem weiteren Gipfel Bilanz gezogen. Die GdF gibt sich pessimistisch. Es werde "erneut auf eine weitere Alibiveranstaltung hinauslaufen".

sth/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
hansulrich47 14.02.2019
1. Widersprüchlich
Wenn Kapazitätsgrenzen auf Flugstrassen erreicht sind, dann sind viele kleine Flugzeuge wohl doch nicht die richtige Lösung. Das spricht doch eher für grösse Flieger mit mehr Pasagieren? Massnahme eins könnte doch sein die Privatjets auch den Flugstrassen zu verbannen. Und die Regierungsflieger. Die Minister könnten auch Linie fliegen und so Platz schaffen!
shardan 14.02.2019
2. Bitte?
Zitat von hansulrich47Wenn Kapazitätsgrenzen auf Flugstrassen erreicht sind, dann sind viele kleine Flugzeuge wohl doch nicht die richtige Lösung. Das spricht doch eher für grösse Flieger mit mehr Pasagieren? Massnahme eins könnte doch sein die Privatjets auch den Flugstrassen zu verbannen. Und die Regierungsflieger. Die Minister könnten auch Linie fliegen und so Platz schaffen!
Das sollte jetzt hoffentlich ein Witz sein, oder? Wie viele Privatjet- und Regierungsflüge gibt es denn im Jahr, verglichen zu wie vielen normalen Linienflügen? 0,01%? Oder noch weniger? Die Entlastung können Sie sich schenken, das bringt nichts. Die großen Flieger sind keine Lösung. Dazu muss auch der Bedarf da sein, neben einigen anderen Gesichtspunkten. Ist er aber offensichtlich nicht.
squashplayer 17.02.2019
3. wundert mich nicht
Dass die Kapazität voll ist wundert mich nicht bei den ganzen Billigflügen, die es gibt. Dann müssen sie eben statt FL350 mal mit FL250 vorlieb nehmen. Ein Wunder gibt es wohl nicht wenn alles voll ist!
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