Die besten Fototipps für Städtereisen "Sonnenschein? Kann ja jeder"

Regen? Egal! Unscharfe Motive? Warum nicht! Fotograf Martin Foddanu zeigt anhand seiner Bilder aus Rom und Istanbul, wie jeder bei einem Städtetrip Motive originell einfangen kann - auch mit einer ganz einfachen Kamera.

Von

Martin Foddanu

Zur Person
  • Martin Foddanu
    Martin Foddanu, Jahrgang 1971, in Wolfsburg geboren, lebt heute in Hamburg. Nach seinem Architektur- und Innenarchitekturstudium entschied er sich für den Beruf des Fotografen. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Menschen und Architektur. Ende 2014 startete Foddanu sein Fotografieblog "Lütte Freiheit - mit der Kamera auf Reisen", in dem er Reisenden Fototipps gibt.


SPIEGEL ONLINE:
Im Netz gibt es so viele Tipps für Hobbyfotografen - was machen Sie in Ihrem Blog anders?

Martin Foddanu: Für mich steht die Technik nicht im Mittelpunkt. 80 Prozent des Bildes machen der Fotograf und sein Blick für Motive aus. Ich möchte die Leute in meinem Blog dazu motivieren, rauszugehen und diese 80 Prozent auszureizen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn ich einen Städtetrip mache, reicht also auch eine kleine, billige Knipse?

Foddanu: Für den Anfang - Ja! Optimal wäre natürlich ein Zoomobjektiv von Weitwinkel (18/24 Millimeter) bis Tele (200/300 Millimeter), um die ganze Bandbreite an Motiven abdecken zu können. Für reine Straßenfotografie eignet sich eine Kamera mit einer Festbrennweite von 35 Millimetern.

SPIEGEL ONLINE: Welche Stadt reizt Sie fotografisch besonders?

Foddanu: New York fand ich toll. Du steigst in die U-Bahn und hast in einem Abteil so viel spannende Gesichter, wie du sie in Deutschland in einem Jahr nicht siehst. Schön ist auch der Kontrast zwischen alt und neu oder traditioneller Kultur und moderner Architektur - wie in Istanbul oder einer architektonisch sehr künstlichen Metropole wie Dubai.

SPIEGEL ONLINE: Eines Ihrer Städtebilder zeigt eine Bibliothek in Rom, die nicht unbedingt in jedem Reiseführer steht. Wie findet man so ein besonderes Fotoobjekt?

Foddanu: Gar nicht. Die Biblioteca Angelica habe ich bei einer Vorabrecherche entdeckt. Schon vor einer Städtereise kann man nach spannenden Motiven suchen - ob in Romanen oder im Netz.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn man spontan verreist und ungewöhnliche Motive sucht? Worauf sollte man achten?

Foddanu: Da gibt es ganz viele Möglichkeiten. Grafische Strukturen eignen sich zum Beispiel gut als Bildmotive, wie die Kuppel im Pantheon. Auch Detailaufnahmen haben ihren Reiz: In Rom habe ich eine ältere Dame mit Pelzmantel in der Straßenbahn fotografiert, als sie gerade in ihre Handtasche griff - eine schöne Kombination aus Details und Handlung. Spannende Bilder entstehen auch dort, wo Leben ist.

SPIEGEL ONLINE: Ungewöhnliche Blickwinkel findet man bei Ihren Bildern öfter: Den der Menge zuwinkenden Papst - den haben Sie einfach zwischen zwei Säulen geklemmt...

Foddanu: Rahmende Elemente lassen sich schön nutzen. Die beiden Säulen in diesem Beispiel fokussieren die Szene. So wird der Blick des Betrachters automatisch auf das Zentrum des Bildes gelenkt, den Papst an seinem Arbeitsfenster.

Der gerahmte Blick: Papst zwischen Säulen
Martin Foddanu

Der gerahmte Blick: Papst zwischen Säulen

SPIEGEL ONLINE: Wann ist die beste Uhrzeit zum Fotografieren?

Foddanu: Das kommt darauf an, was man möchte. Im Morgengrauen kann man sehr schöne stille Stadtbilder einfangen. Auch die sogenannte blaue Stunde, die Zeit der Dämmerung, etwa 30 bis 50 Minuten nach Sonnenuntergang, ist wunderbar dafür.

SPIEGEL ONLINE: Fein. Dann bleibt mir der ganze Rest des Tages für laute, lebendige Bilder?

Foddanu: Nicht unbedingt, das beste Licht im Freien haben Sie bis circa 10.30 Uhr und dann wieder ab 15 Uhr, im Sommer ab 17 Uhr. In der Mitte des Tages, wenn die Sonne im Zenit steht, sind die Kontraste sehr hart.

SPIEGEL ONLINE: Dann habe ich ja mindestens vier Stunden nichts zu tun...

Foddanu: Und das ist auch gut so. Die Zeit kann man nutzen, um sich zu entspannen. Auch dazu, sich endlich wieder um den Reisepartner zu kümmern. Er wird es Ihnen danken! Oder Sie gehen in die Kirche oder ins Museum. In dunkleren Innenräumen kommen Kameras oft an ihre Grenzen. Mittags, wenn viel Licht in die Gebäude fällt, ist es leichter, ein gutes Foto ohne Zusatzausrüstung zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Viele haben den Ehrgeiz, Sehenswürdigkeiten wie auf der Postkarte einzufangen. Dazu müsste man aber manchmal hundert Leute bitten, aus dem Bild zu gehen...

Foddanu: Genau, viele Leute sagen: Shit - da ist ein spannendes Motiv, aber da sind zu viele Menschen davor. Dabei kann man das Foto wesentlich lebendiger und kreativer machen durch deren Einbeziehung.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht das?

Foddanu: Zum Beispiel mit längeren Belichtungszeiten. Das Motiv, nehmen wir zum Beispiel der Petersdom in Rom, ist dann im Hintergrund gestochen scharf, während die Besucher davor in der Bewegungsunschärfe verschwimmen. Das gibt dem Foto eine ganz besondere Dynamik.

Besondere Dynamik: Menschenfluss vor dem Petersdom
Martin Foddanu

Besondere Dynamik: Menschenfluss vor dem Petersdom

SPIEGEL ONLINE: Und wenn das Wetter im Urlaub nicht mitspielt - kann ich die Kamera dann im Hotelzimmer lassen?

Foddanu: Nein, nehmen Sie sie mit - kontrastärmere Bilder haben auch ihren Reiz. Sonnenschein - das kann ja jeder. Jedes Wetter hat seine ganz eigene Fotostimmung. Bei Regen zum Beispiel kann man gut vorbeihastende Menschen mit Regenschirmen fotografieren, oder Stadtlandschaften - natürlich in einer geschützten Nische und am besten mit einem Schutz für die Kamera. Wenn man dabei mit kürzeren Belichtungszeiten arbeitet, kann man sogar die Regentropfen sehen.

SPIEGEL ONLINE: Hier sollte man also nicht unbedingt bei der Ausrüstung sparen?

Foddanu: Ach. Das kann auch ein ganz einfacher Müllbeutel sein - Hauptsache, er ist durchsichtig, damit man die Kameratasten sieht.

SPIEGEL ONLINE: Fremde auf der Straße zu fotografieren - das ist bei Städtetrips auch ein Thema. Doch aktuell läuft ein Verfahren gegen einen Fotografen aus Berlin, der die Porträtierten vorher nicht um ihre Erlaubnis gefragt hat. Ihr Tipp?

Foddanu: Die Streetfotografie lebt von der Spontaneität. Daher wäre es ein großer Einschnitt, wenn die Klage Erfolg hätte. Ich empfehle, Kinder nach Möglichkeit auszuklammern. Manchmal kann es aber auch spannend sein, um Erlaubnis zu fragen.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern? Wirken die Bilder dann nicht zu gestellt?

Foddanu: Zum einen kann man die Situation entkrampfen, indem man den Leuten sagt: "Macht einfach das, was ihr vorher auch gemacht habt." Zum anderen kann man die Gelegenheit nutzen, sie zu fragen, ob sie sich für das Foto woanders hinstellen können, etwa in Innenräumen vor einem hellen Fenster oder in einem schönen Hauseingang.

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
akriegelstein 27.02.2015
1. wow!
Das Kolosseum hatte ich vollkommen anders in Erinnerung! ;-)
hanstreffer 27.02.2015
2. Manchmal ist schweigen besser
Es gibt so viele Webseiten wie fotomonat.de, die dezidiert diese Fragen erörtern. Wenn schon die Frage nach dem Recht am eigenen Bild im Urlaub erörtert wird, dann wäre es doch das Mindeste gewesen darauf hinzuweisen, daß jedes Land dies anders sieht und in anderen Kulturen dies sogar noch problematischer ist. In Saudi-Arabien gibt es für ein falsches Foto ein Jahr Gefängnis. Eine Woche Dubai-Trip? Der Verweis auf das Verfahren, führt zu einem guten Artikel aber beantwortet nicht wie man besser fotografiert. Es gehört ja heute zum Marketing eines Fotografen einen Blog zu betreibern mit Tipps für Kunden und dann sogar bei spiegel.de den Stempel des Professionellen zu bekommen. Aber wie wirkt denn spiegel.de wenn so was dabei rauskommt?
taglöhner 27.02.2015
3. Info
Das sieht doch teilweise stark nach HDRI aus, oder?
potkan 27.02.2015
4.
Die Fotos sind originell-der besondere Reit geht aber durch die starke Nachbearbeitung aus, mich interessiert das plug-in.
spon-facebook-10000127396 27.02.2015
5. Kollosseum auf dem Petersplatz
Kann ja nicht jeder das kennen, worüber er so schreibt...
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