Frankenwein Goethes Lieblingstrunk

"Kein anderer Wein will mir schmecken, und ich bin verdrießlich, wenn mir mein gewohnter Lieblingstrank abgeht“ - vom Würzburger Steinwein war auch Goethe in Weimar begeistert. Die drei fränkischen Weingebiete sind typische Silvaner-Regionen, auch wenn heute hauptsächlich Müller-Thurgau angebaut wird.


In Mainfranken bestimmen Weinberge die Landschaft: Rund 20 Prozent der Anbaufläche sind Steil- und Terrassenlagen
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In Mainfranken bestimmen Weinberge die Landschaft: Rund 20 Prozent der Anbaufläche sind Steil- und Terrassenlagen

Würzburg - Wohl nichts wird so schnell mit Frankenwein in Verbindung gebracht wie der Bocksbeutel. Nur Qualitäts- und Prädikatsweine aus dem Anbaugebiet zwischen Odenwald, Spessart, Rhön und Steigerwald kommen in die bauchige Flasche. Mehr als 1200 Jahre lang wird zwischen Aschaffenburg und Schweinfurt an den Talhängen des Mains und seiner Nebenflüsse schon Weingeschichte geschrieben - mit Silvaner und Bocksbeutel der Tradition verpflichtet, präsentieren sich etliche fränkische Weingüter aber auch sehr zukunftsorientiert.

In drei fränkischen Regionen bestimmen Weinberge das Bild der Landschaft. Zum so genannten Main-Viereck gehören Rebflächen von Miltenberg über Kreuwertheim bis nach Erlenbach sowie nördlich von Aschaffenburg. Bekannt ist das Gebiet vor allem durch seine Rotweine, die auf den Bundsandsteinböden Feuer und Farbe bekommen. Mit dem so genannten Main-Dreieck von Karlstadt im Westen über Würzburg und Volkach bis Schweinfurt im Osten verbinden Kenner berühmte Weinlagen. Die Böden bestehen dort vorwiegend aus Muschelkalk. Im Steigerwald mit Iphofen herrschen dagegen Keuperböden vor. Auch hier gedeihen einige der feinsten fränkischen Weine.

Herz Weinfrankens ist die alte Bischofsstadt Würzburg

Nicht nur die Flaschenform ist in Franken anders als in anderen deutschen Weinregionen - auch das Klima. Fröste bis in den Mai hinein machen den Winzern oft zu schaffen. Für die meisten ist die Arbeit im Weinberg ein Nebenerwerb. Abnehmer des Rebensaftes sind nach Angaben von Andreas Göpfert vom Fränkischen Weinbauverband in Würzburg neun Erzeugergemeinschaften, davon sieben Genossenschaften. Insgesamt rund 6350 Weinbaubetriebe bewirtschaften etwa 6000 Hektar Ertragsrebfläche, davon etwa 20 Prozent in Steil- und Terrassenlagen.

Erst ins Fass, dann in den Bocksbeutel: Für die Region typische Rebsorten sind Müller-Thurgau und Silvaner
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Erst ins Fass, dann in den Bocksbeutel: Für die Region typische Rebsorten sind Müller-Thurgau und Silvaner

Das Herz Weinfrankens ist die alte Bischofsstadt Würzburg mit ihrem barocken Glanz und drei der größten Weingüter, dem Staatlichen Hofkeller, dem Juliusspital und dem Bürgerspital. Viele Besucher der Stadt lassen sich eine Besichtigung des seit 1128 bestehenden Hofkellers nicht entgehen. "Steinwein" aus einer der besten Lagen, dem Würzburger Stein, begeisterte schon Johann Wolfgang von Goethe.

Kirche und Wein gingen in Franken eine fruchtbare Verbindung ein. Geblieben ist der karitative Stiftungsauftrag, den die Weingüter des 1576 von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn gegründeten Juliusspitals und des 250 Jahre älteren Bürgerspitals noch immer erfüllen:

"Mit den Weinerlösen sowie Erträgen aus Land- und Forstwirtschaft wird sowohl das zu unserem Stift gehörende Krankenhaus als auch ein Senioren- und Pflegeheim und ein Pfründestift für mittellose Senioren finanziert", erklärt Wolfgang Apel vom Weingut Juliusspital. Trotz des ehrwürdigen Alters spricht das mit 168 Hektar zweitgrößte Weingut Deutschlands durch frische spritzige Tropfen auch jüngere Weintrinker an.

"Fränkisch trocken" ist nicht mehr "trocken"

Auch wenn Müller-Thurgau mit mehr als 37 Prozent im Anbau die vorherrschende Rebe ist, ist Franken eine klassische Silvaner-Region. Schon 1659 wurden die ersten Setzlinge gepflanzt. Vor allem die Silvanerweine von den kalkreichen Böden im Main-Dreieck seien meist bukett- und würzbetonter als die anderer Anbaugebiete Deutschlands, weiß Johann U. Schäfer vom Deutschen Weininstitut in Mainz. Auch die Sorte Bacchus spielt Andreas Göpfert zufolge mit 12,5 Prozent eine Rolle. Weißweine dominieren, Rotweinsorten kommen nur auf 15 Prozent.

"Fränkisch trocken" ist heute nicht mehr das, was es einmal war. Denn der Verbraucher wolle zwar "trocken" auf dem Etikett lesen - aber zu trocken dürfe der Wein dann nicht schmecken, sagt Göpfert. Nur 40 Prozent der insgesamt rund 60 Prozent trocken ausgebauten Weine bleiben bei der für "fränkisch trocken" charakteristischen Grenze von vier Gramm natürlicher Restsüße pro Liter. Auf Grund ihres meist geringen Säuregehalts wirken fränkische Weine aber auch bei niedrigem Restzuckergehalt nicht aggressiv trocken, so Schäfer.

Der fränkische Rebensaft wird vorwiegend in der eigenen Region getrunken. Nur wenige Weingüter haben die Größe, um am überregionalen Markt bestehen zu können. Aber auf den mehr als 250 Weinfesten im Jahr"pfetzen" auch auswärtige Besucher so manchen Schoppen.

Von Heidemarie Pütz, gms



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