Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Einsam im Baskenland: Schön und scharf

Von Oliver Lück

Ainhoa in Frankreich: Zu schön, um sich zu verstecken Fotos
Oliver LÜck

Männer mit Mützen, glückliche Schafe und scharfer Chili: Im 700-Einwohner-Dorf Ainhoa im französischen Baskenland ist die Welt noch in Ordnung. Der Ort ist zu idyllisch, um sich auf Dauer vor den Touristen verstecken zu können.

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Bleigraue Wolkenbäuche wölben sich bis auf die Hügel hinunter, die hier - zwischen Atlantik und Pyrenäen - noch sanft geschwungen sind. Nur vereinzelt sind ein paar Höfe in Sicht. Manchmal reißen Schüsse Löcher in die Stille, wenn Jäger Ringeltauben und Rebhühnern auflauern. Meist aber sind bloß die Glocken der Schafe zu hören, die aus der Ferne auf den satten Wiesen wie weiße Flusen auf einem grünen Wollpullover aussehen.

Gut eine halbe Stunde südöstlich des sonnenverbrannten Badeortes Biarritz liegen kleine, stille Dörfer mit geweißten Steinhäusern, roten Ziegeldächern und Holzbalkonen, die so typisch für die baskische Provinz Labourd sind. In der Dorfmitte von Ainhoa stehen zwei Männer mit schwarzen Mützen. "Im Westen der Atlantik, im Osten die Pyrenäen, im Süden Spanien, im Norden Frankreich - und dazwischen wir, Euskadi", erklärt einer der beiden die Weltanschauung der Basken. Von Ainhoa sind es keine drei Kilometer bis nach Spanien.

Die Dörfer des Hinterlandes sind lange unberührt geblieben vom Tourismus. Der Gedanke, sich Urlaubern des Geldes wegen zu unterwerfen, hatte vielen nicht gefallen. Ainhoa aber - mit seinen vielleicht 700 Menschen - ist zu schön, um sich immer noch verstecken zu können.

Chili in allen Facetten

Längst leben sie hier von den Touristen, die durch das Dorf schlendern. Und vom Chili: In der Gegend wachsen sehr aromatische und nicht zu scharfe Schoten der Sorte Piment d'Espelette. Auch in den winzigen Souvenirläden gibt es Chili in allen Facetten - es ist das Feuer der baskischen Küche, findet sich als Zutat in nahezu jeder Speise und gibt auch Senf, Marmelade, Brot, Bier, Käse, Wurst und Schokolade eine aromatische Schärfe. "Das Chili hat hier den Pfeffer ersetzt", sagt einer der Mützenmänner, "es ist bei uns das wichtigste Lebensmittel."

Nun aber hat der Wind aus Westen neue Wolken gebracht, die das Grün der Hügel verblassen lassen. Es ist einer dieser Momente, in denen es von der einen auf die nächste Sekunde anders riecht. Jetzt riecht es nach Meer. Die ersten Tropfen fallen wie in Zeitlupe auf die Straßen des mittelalterlichen Dorfes, dann bricht das Gewitter los und verwandelt die steilen Äcker in schlammige Rinnsale.

Neben seiner Mütze habe ein Baske immer auch seinen Schirm dabei, erzählt einer der Bauern und lacht, "damit die Mützen auf unseren Köpfen keine Wurzeln schlagen". Eigenwillig sind sie, die Menschen im französischen Südwesten. Und stolz darauf, ganz anders zu sein als der Rest des Landes.

Mit GPS nach Ainhoa: 43.306730, -1.498954

Die komplette Serie "Einsame Orte":

Teil 1: Lyr in Schweden

Teil 2: Doel in Belgien Teil 3: Schottland: 27 Kilometer zu Fuß zur Kneipe Teil 4: Galicien: Das Mera-Tal

Teil 5: Lettland: Jurmalciems Teil 6: Irland: White Strand Teil 7: Norwegen: Å auf den Lofoten

Teil 8: Sizilien: Gibellina Teil 9: Portugal: Ria Formosa

Zum Autor
  • Oliver Lück
    Seit 20 Jahren ist Oliver Lück im VW-Bus in Europa unterwegs. In rund 30 Ländern ist der Journalist und Fotograf gewesen. Und überall hat er "geheime Orte" entdeckt, die man eigentlich für sich behalten sollte. In dieser Serie verrät er einige.
  • Mehr auch unter www.lueckundlocke.de

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
c.PAF 13.05.2015
---Zitat--- Die Dörfer des Hinterlandes sind lange unberührt geblieben vom Tourismus. ---Zitatende--- ---Zitat--- Doch auch das Ortsbild an sich kann sich sehen lassen - kein Wunder, dass sich dieses Dorf nicht lange vor Touristen verstecken konnte. ---Zitatende--- Ah ja, so ist das also. Aber anscheinend hat man sich auch dort schnell auf die Touristen eingestellt...
2. Toller Tip
speleonaut 13.05.2015
War ich schon 1993!
3.
Rainer Helmbrecht 13.05.2015
Vor 65 Jahren erzählte unser Geschichtslehrer von Karl dem Großen und den Basken, ihren Gebräuchen und dem Rolandsweg. Das hat mich sehr angesprochen und so habe ich 35 Jahre später, dieses Stück Erde besucht. Mein Pauker hatte nicht übertrieben, es ist ein schönes Stück Land und wer Natur liebt, findet dort alles, was es bei uns nicht mehr gibt. Dort leben Zwergadler, auch Bären wurden wieder eingesetzt. Dort fängt ein 400 Km langer Naturwanderweg an, der im Balkan erst endet. Wir wohnten direkt am Spanischen Landschaftsschutzgebit, für uns war es immer wieder ein Schauspiel, wenn große Schwärme von Geiern morgens durch die Täler aus Spanien kamen um dann in der offenere Flächen sich hoch zu schrauben um das Gefieder zu trocknen und Höhe zu gewinnen. Wir lebten 14 Jahre in dieser herrlichen Gegend und träumen von dieser schönen Gegend und ihren freundlichen Menschen. Ach ja, die Baskische Küche und der Wein waren auch ein Erlebnis. MfG. Rainer
4. Wenig bemerkenswert
Grafsteiner 13.05.2015
Ein langweiliges Kaff, in dem Chili als Pfefferersatz angebaut wird. Chili ist eine Sorte Paprika. Er wird auch spanischer Pfeffer genannt (Capsicum annuum). Der Paprika kommt aus dem Gebiet des heutigen Südbrasilien bis Bolivien und ist -wie wir ihn kennen- eine reine Kulturpflanze. Pfeffer hingegen (im Mittelalter sündhaft teuer) wächst nirgends in Europa. Er braucht -als Kulturpflanze- tropisches Gebirgs*klima. Aber er wächst auch in Nepal, in einem regenreichen und warmen Himalaja-Tal. Also ich könnte mir schon vorstellen, dass in Ainhoa in einem sonnigen und (Meeresnähe) ständig feuchtem Längstal der Pyrenäen auch der Pfefferanbau funzen könnte.
5. Wieso erzählen Sie das?
paulmeiersohn 13.05.2015
Zitat von GrafsteinerEin langweiliges Kaff, in dem Chili als Pfefferersatz angebaut wird. Chili ist eine Sorte Paprika. Er wird auch spanischer Pfeffer genannt (Capsicum annuum). Der Paprika kommt aus dem Gebiet des heutigen Südbrasilien bis Bolivien und ist -wie wir ihn kennen- eine reine Kulturpflanze. Pfeffer hingegen (im Mittelalter sündhaft teuer) wächst nirgends in Europa. Er braucht -als Kulturpflanze- tropisches Gebirgs*klima. Aber er wächst auch in Nepal, in einem regenreichen und warmen Himalaja-Tal. Also ich könnte mir schon vorstellen, dass in Ainhoa in einem sonnigen und (Meeresnähe) ständig feuchtem Längstal der Pyrenäen auch der Pfefferanbau funzen könnte.
Und warum um alles in der Welt erzählen Sie das?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH