Freiwilligenprojekte in Österreich Auszeit auf der Alm

Sie reißen Unkraut im Wald aus, pflegen Wanderwege, zählen seltene Tiere oder arbeiten als Senner: Bei Freiwilligenprojekten in Österreich können sich Touristen für die Umwelt engagieren. Einen Tag lang oder den ganzen Sommer über.

TMN

Innsbruck - Gegen Mittag werden die Arme langsam schwer. Die Sonne brennt vom Himmel, die Luft ist feucht und schwül - vor allem an den Forstwegen, an denen sich das Indische Springkraut, die Goldrute und der Sommerflieder wie eine Plage ausbreiten.

"Diese Pflanzen sind eingeschleppt, sie sind nicht in unseren Wäldern heimisch", sagt Lukas Rinnhofer, der als Ranger im Alpenpark Karwendel arbeitet. Und damit diese Pflanzen sich nicht weiter in Kranebitten westlich von Innsbruck ausbreiten, ist er mit einer Gruppe von Freiwilligen im Wald unterwegs, um sie zu entfernen. "Das ist oft das einzige Mittel gegen invasive Arten, die den heimischen Pflanzen den Lebensraum nehmen", sagt er.

Auch wenn der violette Sommerflieder gut riecht und den Bienen und Schmetterlingen einen Anlaufpunkt bietet - er ist keine Nahrungspflanze für die Insekten. "Der Sommerflieder überwuchert artenreiche Waldlichtungen innerhalb kurzer Zeit", sagt Christina Thurner, die in Kranebitten lebt. Sie engagiert sich für den Erhalt der heimischen Arten und rupft in ihrer Freizeit immer wieder Neophyten aus, so der Fachbegriff für eingeschleppte Arten. Und sie weiß, wo sie stehen.

Der Alpenpark Karwendel schreibt, ebenso wie die anderen Tiroler Naturparks, seine Aktionen für freiwillige Helfer auf seiner Webseite aus - Touristen sind dabei ebenso willkommen wie Einheimische. Da geht es um Neophyten ebenso wie um die Pflege von Biotopen, die Erneuerung von Wegen oder darum, den Flussuferläufer zu beobachten. Auch die Almpflege steht immer wieder auf dem Programm. Das heißt: Weidezäune herrichten, eine Viehtränke bauen, Lawinen aufräumen.

Kühe hüten statt Patienten betreuen

Almhelfer allerdings kann man nicht nur für einen Tag sein - und nicht nur in Tirol. Auf der Amoseralm hoch über Dorfgastein im Salzburger Land etwa arbeitet Jessica Raisch. Die 25-Jährige ist eigentlich in einer Arztpraxis in München angestellt. Doch von ihrem Job hat sie sich über den Sommer eine Auszeit genommen. "Ich wollte auf eine Alm und dort die Arbeit der Sennerin machen", sagt sie. Auf der Amoseralm heißt das: Kühe melken, jeden zweiten Tag Käse machen, den Streichelzoo pflegen, Wanderer und Radfahrer verköstigen.

Donnerstag ist hier oben ein besonderer Tag: Dann heizt Margarethe Röck, die Oma Greti, den alten Holzbackofen an und richtet schon früh am Morgen den Brotteig in einer großen Wanne her. Sauerteig, ein bisschen Hefe, Roggenmehl, Gewürze - und ordentlich Kraft in den Armen. Das ist das Rezept für ihr Brot.

Die Helfer kneten und kneten, dann geht der Teig in aller Ruhe. Um 12 Uhr übernehmen die Kinder das Regiment. Sie dürfen aus dem hergerichteten Brotteig Schnecken, Mäuse und Brezeln formen - oder was ihnen sonst noch einfällt. Oma Greti verfrachtet die Mini-Brote dann in den Ofen, und nach ein paar Minuten sitzen die Kinder glücklich mampfend an den Holzbänken. Derweil hat sie gut 40 Laibe Brot zu je einem Kilogramm geformt, die sie für etwa eine Stunde in den glühenden Ofen gibt.

Am Nachmittag kommen nur noch vereinzelte Wanderer und Mountainbiker auf die Alm - und dann ist wieder Zeit für die alltägliche Arbeit auf dem Berg. Jessica schläft in einem einfachen Zimmer auf 1075 Meter Höhe und geht nur zu besonderen Gelegenheiten ins Tal. "Genauso wollte ich es", sagt sie.

Wwoofer gehen auf Biohöfe

Wer sich nicht für einen ganzen Sommer verpflichten will oder nur einen Eindruck davon bekommen möchte, wie es sich fernab von W-Lan und Fernseher lebt, kann auch in Osttirol auf einem Bergbauernhof anpacken. Auch hier geht es darum, bei der Feld- und Stallarbeit zu helfen und Butter, Joghurt und Brot herzustellen.

In der Wachau in Niederösterreich helfen die Volunteers bei der Erhaltung des Naturparks Jauerling im Unesco-Welterbe Wachau. Hier lernen sie, wie die Bergwälder, Donauauen, Steinterrassen, Orchideenwiesen und Viehweiden gepflegt werden. Das Besondere beim Projekt Wachau Volunteer: Die jungen Leute, die aus verschiedenen Ländern nach Österreich kommen, werden in einer Schule untergebracht. Camp-Sprache ist Englisch. Zusammen mit einheimischen Teams gehen sie ihre Projekte an.

In ganz Österreich gibt es Höfe, die zur Organisation Wwoof-World wide opportunities on organic farms gehören. Das ist eine weltweite Bewegung von Freiwilligen, die auf biologischen Höfen für freie Kost und Logis mithelfen, um Erfahrungen im biologischen Land- und Gartenbau zu lernen.

Die Arbeit der Freiwilligen wird sehr geschätzt, sagt Hermann Sonntag. Er ist Geschäftsführer des Alpenparks Karwendel, der verschiedene Freiwilligenaktionen organisiert und begleitet hat. Touristen und Einheimischen mache es Spaß, sich zu engagieren und etwas Sinnvolles für die Umwelt zu machen, sagt Sonntag. "Und nebenbei lernen sie noch etwas über die einzigartige Natur."

Verena Wolff/dpa/abl

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
harry099 27.08.2014
1. grossartige idee!
das konzept sollte schule machen!
Gottloser 27.08.2014
2. Grandioses Geschäftsmodell
Man lässt naturverliebte Großstätter auf Almen möglicht für umsonst arbeiten und gaukelt ihnen vor, es sei für den Naturschutz. Den Gewinn streichen dann die Bauern ein.
loeweneule 28.08.2014
3.
Zitat von GottloserMan lässt naturverliebte Großstätter auf Almen möglicht für umsonst arbeiten und gaukelt ihnen vor, es sei für den Naturschutz. Den Gewinn streichen dann die Bauern ein.
Man kann natürlich immer ein Haar in der Suppe finden - im Zweifelsfalle wirft man halt selbst eins rein.
fatherted98 28.08.2014
4. tja...
...wenn es sich nur um Naturschutz drehen würde, würde ich sagen OK..viel Spaß. Da es sich aber letztlich um Sklavenbuckelei bei irgendeinem Bauern handelt, der keinen Bock hat selbst ein paar Monate auf der Alm abzuhängen und dort zu malochen kann ich die Freiwilligen dort nur belächeln...merke: Für Arbeit muss es ausreichend Geld geben...sonst ist die Arbeit nichts Wert...un der der sie verichtet auch nicht...es sei denn Du tust was für die Gemeinschaft (Ehrenamt o.ä.) ...aber für Privatpersonen buckeln die sich nachher die Knete einstecken...schön blöd.
MartinS. 28.08.2014
5. ...
Zitat von GottloserMan lässt naturverliebte Großstätter auf Almen möglicht für umsonst arbeiten und gaukelt ihnen vor, es sei für den Naturschutz. Den Gewinn streichen dann die Bauern ein.
Sowas sollte man am besten verbieten - irgendwer muss die Menschen doch vor ihrer eigenen Dummheit schützen!!! Ach du liebe Güte... wenn niemand mehr etwas freiwillig macht, dann würde es aber ganz schnell bergab gehen hier. Und das Geheule, dass ja alles plötzlich so teuer geworden ist, das wäre auch ganz groß. Ich habe meine komplette Jugend jeden Sommer mit Wasserrettungsdienst an der Küste verbracht. Gegen freie Unterkunft und ne Verpflegungspauschale... Kaum zu glauben - da hab ich mich ja richtiggehend ausnutzen lassen.... Ich gebe auch heute noch Kinderschwimmkurse - ehrenamtlich... und manchmal, da reitet mich der Teufel, und ich helfe nem Nachbarn oder nem Freund, wenn bei denen irgendwas ansteht. Bodenlose Frechheit eigentlich. Die Gaukeln mir vor, dass sie Hilfe benötigen, und vom gesparten Geld fliegen sie dann vermutlich mit der kompletten Familie zwei Monate nach Australien.... mindestens!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.