Nordamerika-Umrundung Rekord-Kajakerin Freya Hoffmeister kommt in Alaska an

Freya Hoffmeister hat den zweiten Teil ihrer Umrundung Nordamerikas beendet. Nach ihrem 280. Paddeltag entlang der Westküste legte sie in Naknek in Alaska an. Die Rekord-Kayakerin hat schon Australien und Südamerika umkreist.

DPA

"Ich bin da!", lautet der Log-Eintrag von Freya Hoffmeister. "Alles Weitere morgen, jetzt zu müde." Die Extrem-Paddlerin aus Husum hat den zweiten Teil ihrer Umrundung Nordamerikas nach eigenen Angaben beendet. Die Schleswig-Holsteinerin will als erster Mensch den nordamerikanischen Kontinent mit einem Kajak umrunden.

Am Dienstagabend um 18.50 Uhr legte die 54-Jährige im Fischereihafen der kleinen Ortschaft Naknek in Alaska die Paddel aus der Hand. Ihr letzter Tag auf See muss anstrengend gewesen sein. Knapp 53 Kilometer gegen den Wind in etwas mehr als neun Stunden legte sie nur mit der Kraft ihrer Arme zurück.

Rund neun Jahre hat Hoffmeister für die gesamte Tour geplant. Ihre Reise hat sie in Blöcke von je drei bis fünf Monaten aufgeteilt. Dazwischen geht es immer wieder zurück nach Husum. Denn "ich habe einen Partner, einen Sohn und zwei Geschäfte, um die ich mich kümmern muss". Hoffmeister betreibt in ihrer Heimat zwei Eisdielen.

Im März 2017 startete die Paddlerin in Seattle ihre Solo-Umrundung Nordamerikas. Im März 2018 begann sie in Pacific City im Bundesstaat Oregon den zweiten Teil. Auf ihrem Blog schrieb sie von Begegnungen mit brütenden Seeadlern und großen Walross-Kolonien - ein Walross habe sie mit seinen langen Stoßzähnen und Schnurrhaaren sogar "angelächelt".

Und immer wieder Bären. Und obwohl sie manchmal zehn Tage lang keinen Menschen traf, Spuren der Zivilisation waren überall. Immer wieder stolperte sie auch an einsamen Stränden über Wohlstandsmüll - von leeren Benzinkanistern bis zu alten Plastikbechern.

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Freya Hoffmeister: Im Kajak um Südamerika

Nordamerika ist nicht die erste extreme Reise von Freya Hoffmeister. 2007 paddelte sie in 33 Tagen um Island herum, 2009 dann ihr erster Kontinent in Rekordzeit: Die 18.000 Kilometer um Australien herum schaffte sie in elf Monaten als schnellster Mensch. Und 2011 startete die Geschäftsfrau aus Husum als erster Mensch überhaupt die Umrundung Südamerikas. Für die 27.000 Kilometer und 13 Länder brauchte sie 30 Monate.

"Ich bin eine Sportlerin, und keine Abenteurerin", sagt sie. Doch Abenteuer kommen bei den außergewöhnlichen Reisen der Extrem-Paddlerin von selbst - auch lebensgefährliche. Im Mündungstrichter des Amazonas wurde sie zum Beispiel von der gefürchteten "Pororoca"-Welle überrascht und aus ihrem Kajak herausgespült. Die Tidewelle erreicht im Extremfall bis zu fünf Meter Höhe und ist an Engstellen bis zu 65 km/h schnell.

Bei der Umrundung von Kap Hoorn kämpfte Hoffmeister bei vier bis fünf Meter hohen Wellen gegen einen schweren Sturm mit Orkanböen an, der sie in die Antarktis zu treiben drohte. Auf ihrer Australien-Tour wurde ihr Seekajak immer wieder Haien angegriffen. Einmal fand sie einen riesigen Kieferabdruck samt Haizahn am Heck, wie sie SPIEGEL ONLINE berichtete.

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insgesamt 3 Beiträge
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ironbutt 29.08.2018
1. Chapeau - eine ganz grosse Sportlerin
die der Öffentlichkeit immer noch unbekannt ist
wally76 29.08.2018
2. seltsame Route für eine Umrundung
Es ist ja keine echte "Umrundung" in einer Richtung, sondern eher das Abfahren aller Küsten Nordamerikas. 1. Abschnitt 2017: von Seattle nach Norden bis Kodiak. 2. Abschnitt 2017: von Seattle nach Süden bis Pacific City. 3. Abschnitt 2018: von Pacific City nach Süden bis Port San Luis und 4. Abschnitt 2018: von Kodiak nach Norden bis Naknek. Das soll die Leistung nicht schmälern, aber weiß jemand, warum sie das so macht? Wetterbedingungen im Juli im Norden besser als im Mai? Ich bin im Juni mal auf der Kenai-Halbinsel in der Gegend von Cooper Landing auf einem recht flachen Pass bei einer Wanderung im Schnee stecken geblieben...
wally76 29.08.2018
3. Grund für die seltsame Route
Habe es selbst herausgefunden (FAQ im Blog): Sie will nicht nur die eisfreien Monate nutzen können, sondern fährt die restliche (im Norden vereiste) Zeit im Süden.
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