Klettersteige in den Alpen: Immer dem Seil nach

Der Berg ruft und findet Gehör: Klettersteige sind der neue Trend in den Alpen. Von der Familientour bis zum Profihang - fünf Tipps für gut gesicherten Nervenkitzel am senkrechten Fels.

Klettersteige in den Alpen: Für Anfänger und Profis Fotos
Stefan Herbke

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Die Felsplatte ist aalglatt, weit und breit kein Tritt - zumindest kein natürlicher. Nur ein solider Eisenstift ragt aus dem grauen Fels inmitten der senkrechten Wand. Der Puls rast, obwohl sich die Absturzgefahr in Grenzen hält. Denn der Eisenstift gehört zu einem Klettersteig mit einem fest gespannten Drahtseil. Die Kletterer sind mit diesem über zwei Karabiner verbunden. Dennoch, die exponierte Lage führt zu reichlich Adrenalinausstoß - und macht Lust auf mehr.

Die Freizeitbeschäftigung boomt in den Alpen. Allein in Österreich wurden seit 2009 über 30 neue Klettersteige gebaut. Ihr Schwierigkeitsgrad wird mit den Buchstaben A für einfach bis E für extrem schwer angegeben. Wir stellen fünf Klettersteige vor, auf denen Anfänger und Profis ihren Spaß haben.

Für Familien und Einsteiger - Kala und Kali in Ramsau am Dachstein
Seit dem Bau des "Johann-Klettersteigs" durch die Südabbrüche des Dachsteins hat sich das Sonnenplateau der Ramsau in ein Paradies für Klettersteiggeher verwandelt. Die Grundlagen wurden allerdings sehr viel früher gelegt. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der sogenannte "Randkluftanstieg" auf den Hohen Dachstein mit Drahtseilen gesichert. Er gilt damit als ältester Klettersteig der Alpen.

Mittlerweile ist das Angebot auf 17 Klettersteige angewachsen, darunter finden sich extrem anspruchsvolle wie der "Sky Walk Klettersteig" (Schwierigkeitsgrad D/E) oder auch leichte wie "Kali" und "Kala", die extra für Kinder und Familien angelegt wurden und sich auch für Anfänger eignen. Die Einstiege sind in wenigen Minuten vom Parkplatz aus zu erreichen. Die Klettersteige selbst bieten ein paar hübsche Felspassagen, dazu kurze Leitern und am Kali-Kinder-Klettersteig mit einem fotogenen Felsturm. Wer hier ohne Probleme unterwegs ist, der darf gegenüber in der Silbertalklamm weiter Erfahrung sammeln, die Klettersteige "Hias" und "Siega" bieten sich dafür bestens an
Schwierigkeit: A/B (Kali-Kinder-Klettersteig, Variante C/D) bzw. B/C (Kala-Jugend-Klettersteig), www.ramsau.com

Für Genießer - der Elferkofel in den Stubaier Alpen
So vielseitig wie das Gestein sind auch die 14 Klettersteige des Stubaitals. Darunter befinden sich sehr anspruchsvolle wie der Sportklettersteig Fernau Express an der Mittelstation der Stubaier Gletscherbahn (kristallines Gestein) sowie klassische wie der erst im Sommer 2008 sanierte Elferkofel-Klettersteig (Kalk). Dieser führt aussichtsreich über mehrere Kalkhöcker.

Überhaupt ist der Elfer mit seinen Felstürmen und -zacken ein fotogener Berg, wobei die interessantesten Stellen vom Tal aus gar nicht zu sehen sind. Die offenbaren sich einem erst im Gipfelbereich, wo man in einem Labyrinth aus schroffen Felstürmen fast die Orientierung verliert. Beim Anblick der Kalkgebilde fühlt man sich wie in den Dolomiten - und wird spätestens an der nächsten Ecke beim Blick auf die vergletscherten Gipfel der Stubaier Alpen wieder in die Realität zurückgeholt. Ambitionierte Klettersteigler verbinden den "Elferkofel-Klettersteig" idealerweise mit dem etwas anspruchsvolleren "Nordwand-Klettersteig" auf den Elferturm.
Schwierigkeit: B/C (Elferkofel-Klettersteig) bzw. C/D (Nordwand-Klettersteig), www.stubai.at

Für Gipfelsammler - fünf auf einen Streich
Der neue "Achensee Fünf-Gipfel-Klettersteig" im Rofan ist eine sehr sportliche Nummer und eröffnet eine neue Dimension des Klettersteiggehens. Mit zusammen rund zwei Kilometern Länge gehört er zu den längsten Klettersteigen im Alpenraum, lässt aber auch Einsteiger nicht zu kurz kommen. Das Besondere an dem im Sommer 2010 eröffneten Klettersteig, der über Haidachstellwand (2192 Meter), Rosskopf (2246 Meter), Seekarlspitze (2261 Meter) und Spieljoch (2236 Meter) bis auf die Hochiss (2299 Meter) und damit fast durch das gesamte Rofangebirge führt, ist die Möglichkeit, vor und nach einem der Gipfel die Tour zu unterbrechen.

Einsteiger und Klettersteigneulinge müssen somit nicht zwingend die zwei Kilometer Kletterlänge und damit eine Gesamtüberschreitung hinter sich bringen, sondern können je nach Lust und Können auch gemütlich einzelne Gipfel als Ziel auswählen. Am anspruchsvollsten ist der Steig durch die 150 Meter hohe, nahezu senkrechte Felswand des Rosskopfs.
Schwierigkeit: C/D, www.rofanseilbahn.at und www.achensee.info

Zum Trainieren - der Isidorsteig in den Berchtesgadener Alpen
Eigentlich ist der dem Watzmann vorgelagerte Grünstein der perfekte Wanderberg. Seit dem Sommer 2009 gibt es noch eine andere Seite: Der Grünstein ist auch ein ideales Ziel für alle Klettersteigfreunde. Geplant war eigentlich ein leichter Pfad für die Allgemeinheit, quasi als Gegensatz zum derzeitigen Trend der immer schwereren Klettersteige. Doch dann kam der Ehrgeiz durch und man baute zusätzlich zum Isidorsteig eine äußerst fordernde Variante.

Beim Einstieg oberhalb der Bob- und Rodelbahn Königssee muss man sich daher entscheiden: Entweder links zum mittelschweren Isidor-Klettersteig, den der Großteil der Klettersteigliebhaber bewältigen kann, oder rechts zur schwierigen Variante mit senkrechten bis leicht überhängenden Passagen für die absoluten Könner. Wobei für die seit kurzem mit der "Räuberleiter" eine spannende Variante gebaut wurde, die überaus kühn an einer glatten Felswand verläuft. Während bei den schweren Varianten Eisenklammern nur spärlich verwendet wurden und man dementsprechend kräftezehrend buchstäblich in den Seilen hängt, gibt es am Isidorsteig reichlich künstliche Tritte.
Schwierigkeit: B/C bzw. D/E, www.berchtesgadener-land.com

Für Sportskanonen - der Mauerläufersteig am Bernadeinkopf
Schwer, schwerer, am schwersten. Der erst im Sommer 2009 eröffnete Mauerläufersteig, der im Schatten der bei Klettersteiggehern bestens bekannten Alpspitze durch die senkrechten Abbrüche des Bernadeinkopfes führt, setzt neue Maßstäbe in Sachen Schwierigkeit. Nur der Zustieg ist bei Benutzung der Alpspitzbahn kraftsparend, der Klettersteig selbst verlangt seinen Begehern alles ab. Die erste Hürde ist bereits der Einstieg, bei dem das Drahtseil über eine glatte Wandstufe senkrecht in die Höhe führt.

Wer bereits hier Probleme hat, der sollte besser gleich umkehren, denn nach oben wird es keinesfalls leichter. Künstliche Tritte wurden nur äußerst sparsam verwendet, fast überall muss man natürliche Tritte verwenden - und auch die sind nur spärlich vorhanden. Zudem ist das Drahtseil teilweise recht weit von der Wand entfernt, so dass senkrechte Passagen - und die gibt es reichlich - wie Überhänge wirken. Der Mauerläufersteig ist ein echter Sportklettersteig - und der schwierigste in den Bayerischen Alpen. Krönender Abschluss ist ein spektakulärer Seilquergang mit Blick hinaus ins Loisachtal.
Schwierigkeit: D/E, www.zugspitze.de

Stefan Herbke, SRT

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1. Kein Kinderspiel
coolesza@gmx.de 09.07.2012
Bei Berichterstattungen über Klettersteige fällt immer wieder auf, dass wenig auf die spezifischen Gefahren dieses Sports hingewiesen wird. Auch wenn Klettersteige als "Familientauglich" beschrieben werden, sind es doch allesamt alpine Unternehmungen die Ausrüstung und Know-How erfordern. Trotz korrekter Sicherung ist bei einem Sturz mit erheblichen bis lebensgefährlichen Verletzungen zu rechnen. Fallwege können im Abstrurzfall mehrere Meter betragen. Kinder sollten an schwierigen Stellen von oben gesichtert werden. Sind Seil, Sicherungsgerät und Techniken hierfür vorhanden ? Was mache ich im Notfall ? Es muss nicht jeder ein Alpinist sein, aber allzu freizügiger Umgang mit den Gefahren halte ich für sehr bauäugig. Einen guten und komprimierten Einstieg in die Thematik gibt die Klettersteigfibel von Mammut: www.mammut.ch/images/Klettersteigfibel_D_.pdf
2. Klettersteig. Eine Empfehlung (Würtl/Plattner)
i-com 09.07.2012
Eine gut lesbare Empfehlung zum Begehen von Klettersteigen, insbesondere auch mit Kindern, gibt es von Würtl/Plattner hier: http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2011/2/44-51 (klettersteig-eine empfehlung).pdf
3. Berge gibts nicht nur in Deutschland Österreich..
tlogor 09.07.2012
Und auch zahlreiche gute Klettersteige gibt es in andern Ländern, z. B. der Schweiz.
4. Himmelsleitern
humafo 09.07.2012
Ich empfehle begeisterten Bergsteigern das wunderbare Buch "Himmelsleitern" von Ralf Gantzhorn und Moritz Attenberger mit der detaillierten Beschreibung von 50 Klettersteigen in den Alpen.
5.
freeride4ever 09.07.2012
da regen sich die Leute über Fixseile und Leitern auf dem Everest auf und gleichzeitig werden unsere Berge in Stahlseile gehüllt und die gleichen Leuten finden das toll bzw sponsern es auch noch (DAV). Ich finde es reicht schon, dass klassische Kletterrouten plaisir mässig eingebohrt werden, Klettersteige in Hohen "Schwierigkeitsgraden" wie E sind so überflüssig wie noch etwas. Da werden wunderschöne Wände als Abenteuerspielplatz für Konsumkletterer eingebohrt und klassische Begehungen mit Friends und Keilen somit unmöglich gemacht. Normale Klettersteige, die im Prinzip klassische Wege etwas sicherer machen sind zwar auch nicht meins, aber trotzdem ein guter weg Leute an den Bergsport und die Natur heranzuführen, doch diese Tendenz zu "spektakulären" Steigen, durch eigentlich viel zu steile Wände ist einfach nur bedauerlich. Ohne Rücksicht auf Kletterethik und Erstbegeher klassischer Wände werden Routen verbohrt und mit Stahl eingerüstet... einfach peinlich...
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