Wicklow Gardens Festival in Irland: Grüner wird's nicht

Exotische Blumen, imposante Palmen und akkurate Hecken: Irische Gärten ähneln häufig weitläufigen Parks. Das Wicklow Gardens Festival öffnet bis September die Tore zu den schönsten Anlagen - und bietet außerdem Gelegenheit, die schrulligen Besitzer der Grünflächen kennenzulernen.

Irlands Gärten: Stücke vom Paradies Fotos
Volkmar Heinz

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Noch ist der Morgen still. Kitty, die Hofkatze, und Valery, die Einzelgängerin aus dem Hühnerschwarm, schleichen umeinander herum. Wieder mal gewinnt Valery den Psychokrieg und Kitty verzieht sich. Jim Blake beobachtet das Ritual von seinem Wohnzimmer aus, während er die Tassen sortiert und Kuchen aufschneidet. Gleich werden die Italiener kommen.

Und schon herrscht Gewusel in Hunting Brook Garden. Jim, der Besitzer des Anwesens bei Blessington, läuft seinen Gästen entgegen. Die haben kaum einen Fuß aus dem Bus gesetzt und beginnen schon zu fotografieren. Und zu fachsimpeln, sobald sie des Gärtners habhaft geworden sind.

Eine Besucherin wurde offenbar von ihren Mitreisenden beauftragt, die lateinischen Begriffe aller auch für Italien tauglichen Gewächse zu notieren und tut dies mit großer Ernsthaftigkeit. Jim, der auch Seminare in seinem Garten gibt, erläutert bereitwillig. Andere der Damen und Herren auf Irland-Gartentour genießen einfach Hunting Brook Garden: bunt durcheinander blühende Blumen rund um das Holzhaus, scheinbar systemlos überwucherte Hänge, ein begrüntes Dach auf Augenhöhe, wuchtige Baumriesen und zarte Baumzwerge.

Die Anlage von Jim gehört zu den jüngsten der zahlreichen Gärten von Wicklow, der Grafschaft im Osten Irlands. Die meisten haben schon mehr als zwei Jahrhunderte hinter sich. Die Nachfahren der englischen Kolonisatoren umkränzten ihre Herrensitze mit Gärten nach französischem oder englischem Vorbild, später mit Landschaftsparks im englischen Stil. Die Natur unterstützte diese Projekte wohlwollend, denn das Klima Irlands wird vor allem beeinflusst durch die vom Atlantischen Ozean wehenden Winde, häufigen Niederschlag und die Wärme des Golfstroms.

Baumriesen in wilder Schlucht

Besonders begehrt unter jenen, die einen prachtvollen Garten und ihr Herrenhaus planten, war die Grafschaft Wicklow. Nahe am Meer, aber eingebettet in die gleichnamige, bis zu tausend Meter hohe Bergkette, bot die heute "Garten Irlands" genannte Region neben der unmittelbaren Nachbarschaft zu Dublin ideale klimatische Verhältnisse. Und so ließen die Wohlhabenden rund um ihre Herrenhäuser alles pflanzen, was möglich war, bis hin zu Palmen und Kamelien und anderen aus dem Süden herbeigeschafften Arten.

Der Gärtner Jim Blake, der im botanischen Garten von Dublin gelernt hat, trat in die großen Fußstapfen seiner Gartenkunst-Vorgänger, kaufte eine wilde Schlucht mit hohen Bäumen und ein Stück angrenzendes Feld. Dann begann er zu sammeln und zu pflanzen. Längst ein gefragter Gartenexperte unternimmt er Vortragsreisen in alle Welt. Seine Mitbringsel sind Bäume für Hunting Brooks. Nicht alles gelingt. Eine Reihe laubloser Restpalmen erinnert an ein missglücktes Experiment.

Blake ist einer jener 33 Besitzer großer Gartenanlagen der Grafschaft Wicklow und der angrenzenden Regionen, die zum Wicklow Gardens Festival einladen. Zum 23. Mal öffnen sie die Pforten ihrer Gärten, die hierzulande ob ihrer Weitläufigkeit vermutlich oft schon Parks genannt würden. Den Besuchern wird nicht nur der Blick in alle Winkel zugestanden, sondern es finden gelegentlich auch Führungen, Workshops mit Botanikern und Künstlern, Meditationskurse oder kleine Konzerte statt. Der Eintritt, der zwischen fünf und zehn Euro beträgt, fließt bei vielen in gemeinnützige Projekte.

Von Anfang bis zum Ende des Gartenfestivals geöffnet hat Powerscourt House und Gardens, einer der berühmtesten Gärten Irlands. An der riesigen Anlage, zu der unter anderem ein italienischer und ein japanischer Garten gehören, wurde ab 1730 gebaut. An diesem späten Nachmittag sind die meisten Besucher schon gegangen. Ein Herr mit Schlips und Kragen, einem gravierten Namensschild und ernstem Gesicht will das Tor schließen. Aber die herbeihastenden Neugierigen tun ihm dann offenbar doch leid: "Five minutes", bestimmt er. In diesen fünf Minuten kann man zumindest einen Blick über die Freitreppe werfen, auf den kleinen See, hinüber zum Sugar Loaf Mountain.

Selbst ist die Gärtnerin

Patricia Butler, die Herrin von Dower House Gardens, beschäftigt keinen Wächter mit Schlips und Kragen, sie macht alles selbst. Und so ist sie nicht nur damit beschäftigt, ihre Rabatten zu pflegen oder ihre Rosen zu schneiden, die alte Dame schwingt sich auch auf den großen Rasenmäher und tuckert damit über die Wiesen ihres Anwesens. Nur die Hecken, die einen Teil ihres Garten wie in Zimmer einer Wohnung gliedern, die lässt sie stutzen.

Wenn Gäste kommen, weiß sie als Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Pflanzenbücher viel zu erzählen, und sie gibt ihren Besuchern unzählige Ratschläge mit auf den Weg, welche der anderen Gärten Wicklows sie unbedingt gesehen haben müssen: die Mount Usher Gardens, das Kilmacurragh Arboretum, den von Hunters Hotel gleich ein paar Meter weiter.

In Hunting Brook Garden wird es Abend. Jims Gäste sind längst weg, so dass er noch ein paar Handgriffe im Gewächshaus tun kann. Nicht jede Pflanze verträgt sofort das irische Wetter. Valery ist zu ihren Kolleginnen in den Hühnerstall verschwunden. Nur Kitty wird nicht müde, gegen eine hin und her wippende Grasstaude zu kämpfen. Irgendwann schreitet Jim ein und verjagt sie. Dann ist der Abend still.

Weitere Informationen

Gutleutstraße 32, 60329 Frankfurt, Tel. 069 66800950, www.entdeckeirland.de

Informationen speziell zu den Angeboten der Gärten finden sich im Internet unter www.wicklowgardens.com

Von Marlis Heinz, SRT

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Wunderschoen
Montanabear 16.06.2012
sind diese Gaerten. Sie erfordern Geduld und viel Pflege. Schon Miss Marple beobachtete, dass Frauen einen Hang zur Gartenpflege entwickeln, nachdem ihre Kinder erwachsen sind, weil Gaerten und Kinder viel gemeinsam haben. Ich erinnere mich noch gern an den Benrathyer Schlosspark mit seinem englischen und franzoesischen Teil.
2. Die Wicklows
mitch72 16.06.2012
sind im allgemeinen überhaupt sehr schön. Mit Bray, wo ich mehr als ein Jahr lang leben durfte, hat mein einen hervorragenden Startpunkt zu einer Rundreise durch den Garten Irlands und jede Menge an hervorragend erhaltenen Schlössern und Parkanlagen,
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Hauptstadt: Dublin

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