Einsame Orte in Europa Schön, aber spooky

Kein Handtuch, über das man stolpert. Traumhaft. Eigentlich. Aber wer am White Strand an der irischen Küste tatsächlich allein ist mit sich, den Wellen und dem Wind, kommt auch ins Grübeln.

Von Oliver Lück

Oliver Lück

Es bringt nichts, einen Strand zu beschreiben - Meer und Sand, Himmel und Wind, vielleicht Dünen. Strände sind immer irgendwie gleich.

Und trotzdem ist es immer so: Wer - egal, wo auf dieser Welt - an wunderschöne, einsame Strände kommt, dann aber niemanden trifft, beginnt irgendwann, sich Fragen zu stellen: Warum bin ich allein hier? Wieso ist dieser herrliche Platz nicht voller Menschen? Warum kommt bloß keiner? Vielleicht gleitet der Besucher nach einiger Zeit sogar ein wenig ins Hysterische ab: Hier stimmt doch was nicht!

Am White Strand an der irischen Nordwestküste im County Mayo, dem vielleicht schönsten Strand Irlands, kommen diese Gedanken schon nach kurzer Zeit auf. Vielleicht zwei Kilometer lang ist er und an mancher Stelle einen halben Kilometer breit, strahlend weiß sein Sand.

Wer an einem eher windstilleren Tag, wenn das Meer etwas ruhiger da liegt, von dem kleinen Parkplatz aus zum Wasser läuft, könnte glauben, dass der Strand gar nicht endet und sich bis zu den vorgelagerten Inseln Clare Island und Inisturk zieht. Mit bloßem Auge und etwas Glück lassen sich an solchen Tagen auch Delfine beobachten.

Ein verwittertes Schild weist den Weg

Doch bitte nicht verwechseln: Es gibt mindestens noch drei weitere Strände in Irland, die White Strand heißen. Wer den in Mayo besuchen will und mit dem Auto unterwegs ist, fährt vom Dörfchen Louisburgh etwa 15 Kilometer in südlicher Richtung die zerklüftete Küste entlang. Felder, Natursteinmauern, Kühe und Schafe, tiefgrüne Hügel, Fels, vereinzelte Häuser - schon von der Straße aus ist die in einem weiten Bogen geschwungene, leuchtende Bucht gut zu sehen. Ein hölzernes, mit den Jahren grau verwittertes Schild weist den Weg: White Strand.

Und dann weiß man nicht so recht, ob man enttäuscht oder erleichtert sein soll, wenn doch irgendwann Menschen auftauchen. In zwei Tagen sind es am White Strand immerhin drei Besucher. Reinhard aus Österreich, Don aus Frankreich und Jim aus dem nächsten Dorf, der jeden Tag mit seinem Hund Barkley hier spazieren geht.

Reinhard fährt seit vielen Jahren im Urlaub in seinem Wohnmobil mit dem Kennzeichen "Druid 1" von einem magischen Ort in Europa zum nächsten. Er ist Sozial- und Kulturhistoriker an der Grazer Universität und unterrichtet dort österreichische Geschichte.

Don aus Brest hat den White Strand vor vier Jahren entdeckt und kommt seither jedes Jahr für eine Woche oder länger her. Er schläft dann hinter einer Düne in seinem Zelt. Und Jim, der schüchterne Mann mit dem roten Vollbart, der hier schon immer lebt und eigentlich genauso aussieht, wie man sich einen Iren auch vorstellt, sagt eigentlich gar nichts, was gut an diesen Ort passt.

Doch selbst hier muss er, der Einheimische, dem Fremden eine nicht ganz unwichtige Frage stellen: "Findest du es auch so schön hier?"

Mit GPS zum White Strand: 53.668444, -9.898742

Teil 1: Schweden: Insel Lyr

Teil 2: Belgien: Geisterdorf von Antwerpen Teil 3: Schottland: 27 Kilometer zu Fuß zur Kneipe Teil 4: Galicien: Das Tal der Stille

Teil 5: Lettland: Jurmalciems

Im nächsten Teil: Å in Norwegen

Zum Autor
  • Oliver Lück
    Seit 20 Jahren ist Oliver Lück im VW-Bus in Europa unterwegs. In rund 30 Ländern ist der Journalist und Fotograf gewesen. Und überall hat er "geheime Orte" entdeckt, die man eigentlich für sich behalten sollte. In dieser Serie verrät er einige.
  • Mehr auch unter www.lueckundlocke.de

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
benster 17.04.2015
1.
Werbung im Spiegel für einsamen Strand + Wegbeschreibung + GPS Standortdaten = kein so einsamer Strand mehr
eumel0815 17.04.2015
2. So unterschiedlich sind die Menschen...
Sehen Sie, ich würde mich an so einen Strand freuen und denken: Ach, wie schön! Kein Mensch weit und breit und ein wunderbares Fleckchen Erde! Woe gibt es sowas noch? Und ich habe es gefunden - prima! Und ich würde mich freuen, wenn es auch so bliebe. Aber der Autor findet fragt sich, wo die Menschen sind. Und um sein Problem für die Zukunft zu lösen, beschreibt er gleich den Weg zu diesem einsamen Strand, inkl. GPS-Position! DANKE!!!
Kamillo 17.04.2015
3.
Mit dem Klimawandel wird es dann auch in Irland wärmer, Palmen wachsen und Bettenburgen an diese Stränden! Dann geht es mit Irland wirtschaftlich richtig aufwärts. Irland wird dann das Malle des 22. Jahrhunderts.
Kamillo 17.04.2015
4.
Nochmal eine Frage: Warum ist eigentlich - wie bei dem Aufmacher-Foto - in der letzte Zeit bei so vielen Profi-Fotos der Horizont schief?
ulli7 17.04.2015
5. Ich will Herrn Oliver Lück nicht zu nahe treten,
aber es wäre auch wünschenswert, wenn außer den wirklich interessanten Tipps für Wohnmobil-Inhaber zusätzlich auch Landschaften beschrieben werden, die auch nicht motorisierte Wanderer erreichen können. Letztere wären dann sicher auch für Hinweise auf die Infrastruktur dankbar. Denn Wanderer ohne Wohnmobil müssen irgendwo schlafen und haben gelegentlich Hunger.
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