Acht Gründe für Gibraltar Affen gucken und Tee trinken

Ein Felsen, zwei Länder und ein großer Streit - Gibraltars strategische Lage macht das Gebiet zum Zankapfel zwischen Großbritannien und Spanien. Acht Gründe, warum man einen Ausflug dorthin einplanen sollte.

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Lediglich 6,5 Quadratkilometer groß, bis zu 426 Meter hoch - und hart umkämpft. Zwischen Spanien und Marokko gelegen - und doch seit 300 Jahren britisch. Das Überseeterritorium des Vereinigten Königreichs, Gibraltar, ist ein seltsames Gebilde. Ein politisches Konstrukt, das aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage zwischen Europa und Afrika entstanden ist. Und das jetzt im Zuge der Brexit-Diskussion wieder hinterfragt wird.

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Wieso nach Gibraltar?: Ein Ausflug auf den Affenfelsen

Abgesehen vom politischen Gezerre - wie attraktiv ist dieser Kalksteinfelsen wirklich? Acht Gründe, warum Gibraltar einen Besuch lohnt:

Affen, Affen, Affen: Solange die Berberaffen über den Upper Rock turnen, solange wird Gibraltar britisch bleiben. Schon diese hinreichend zitierte Legende rechtfertigt den intensiven Schutz der frechen Makaken. Auch wenn die verlausten Rüpel öfter mal Touristen statt Bananen anknabbern und zwischenzeitlich die Innenstadt unsicher machten. Aber es sind die einzigen wilden Affen in Europa! Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Bei einem Besuch sollte aufs Kuscheln und Füttern verzichtet werden - zum eigenen Schutz.

Die British-ness: Sie machen gerade in Spanien Urlaub und wollen statt Tapas und Sangria mal wieder Fish 'n' Chips und Pale Ale genießen? Dann steigen Sie am besten in La Línea de la Concepción in einen Pendelbus (Parkplätze sind vor und in Gibraltar Mangelware) - und Cheers! In der Kronkolonie gibt es zudem noch rote Doppeldeckerbusse, Telefon- und Postboxen und das (Gibraltar-)Pfund. Und die Queen lächelt geduldig von Plakaten. Was es nicht gibt: britischen Dauerregen, Linksverkehr und den Ärmelkanal.

Die Anfahrt: Grenzhäuschen kennt man, Grenzpässe oder Grenzflüsse - aber Grenzrollfelder? Um ins britische Gibraltar zu kommen, müssen Autofahrer und Buspassagiere auf einer vierspurigen Straßen die Piste des Flughafens queren. Das ist weltweit einmalig! Bei Rot der Airport-Ampel saust noch ein Flieger vor der Nase rauf oder runter, bei Grün ist die Fahrt frei. Oder nicht? Einmal rechts, links, rechts geschaut - ach, halt, nein, Linksverkehr gibt es hier ja gar nicht.

Die Heimat einer Nationalmannschaft: Sure, auch die Gibraltarer haben eine eigene Fußballmannschaft, die - obwohl als Nation abhängig - nach einigem Hin und Her seit vier Jahren sogar im europäischen Fußballverband Uefa aufgenommen ist. Den Spaniern gefällt das gar nicht, und sie treten daher auch nicht gegen ihre kleine Nachbarfußballnation an. Gegen Deutschland verloren die souveränen Felsenbewohner im Übrigen bei der EM-Qualifikation 2016 haushoch: 0:4. Nichtsdestotrotz: Ein eigenes Stadion hatte noch Platz auf dem Felsen.

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In die Luft gehen: 426 Meter hoch liegt der "The Rock"-Gipfel - für viele Halbinselbewohner und Urlauber sind das schon ein paar hundert Meter zu viel. Daher gibt es seit über 50 Jahren die Seilbahn, die sie vom botanischen Garten Alameda Park aus alle zehn Minuten innerhalb von sechs Minuten auf den Felsen hinaufbefördert. Für 12,50 Pfund, zurück nur zwei Pfund mehr. Oben lässt sich Nordafrika in der Ferne erspähen und lauern schon Gibraltars Herrscher: die Affen, die sich von jedem Plastiktütengeraschel magisch angezogen fühlen. Der Rat der Seilbahnbetreiber: nicht rascheln. Von der Bergstation aus gelangt man zu einem Zugang in das Naturschutzgebiet Upper Rock (Eintritt plus Seilbahn: 22 Pfund).

Geschützte Natur: Mehr als 40 Prozent von Gibraltars Landfläche sind geschützt - im Wesentlichen ist dies der ganze Felsen. Wieder mal sind es die Berberaffen, die das Naturschutzgebiet Upper Rock so wertvoll machen. Aber auch viele Zugvögel wissen die Halbinsel als Erholungsstopp auf dem Weg von oder nach Afrika zu schätzen. Menschen dagegen müssen hier happigen Eintritt zahlen (8 Pfund), können dafür Fauna und Flora und auch diverse Sehenswürdigkeiten wie Höhlen und Tunnel bestaunen - und dort zum Teil noch mal extra Eintritt zahlen. Weniger schön: der heftige Verkehr auf der Parkstraße zum Gipfel und die noch eher vernachlässigte Wegführung.

Unter die Erde gehen: Gibraltars Felsen ist zwar unverrückbar, aber auch ganz schön durchlöchert. Mehr als hundert natürliche Höhlen hat die Erosion in das Kalkgestein gefressen - darunter die (in kitschigen Farben erstrahlende) St.-Michael's-Höhle und die Gorham-Höhlen, die begehbar sind. Auch die Neandertaler waren schon da! Zudem haben sich die Briten im 18. Jahrhundert und im Zweiten Weltkrieg in den Untergrund gegraben, um den Landzipfel zunächst gegen die Spanier und später gegen die Deutschen zu verteidigen. Diese Tunnel sind ebenfalls zu besichtigen.

Schiffe gucken: Unzählige Frachter ziehen durch die Straße von Gibraltar, gut zu sehen vom Upper Rock und der südlichen Landspitze European Point. Zudem legen hier auch die großen Kreuzfahrtschiffe im Hafen an - für die Passagiere ist es etwa zur Festung Moorish und zur Shoppingmeile Main Street nicht weit. Manchmal jedoch ankern Jachten hier eher unfreiwillig: wie die nagelneue "A" des russischen Milliardärs Andrej Melnitschenko im Februar. Die Kieler Bauwerft Nobiskrug hatte einen vorläufigen Arrest bewirkt - der Auftraggeber soll seine Schulden noch nicht bezahlt haben. Das von Philippe Starck entworfene Prachtteil war während seiner Haftzeit eine Attraktion.



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