Unterwasserwelt von Gran Canaria Taucher vorm Bullauge

Vor Gran Canaria treffen Taucher und ein quietschgelbes U-Boot aufeinander - und stehlen den dort versenkten Wracks glatt die Show. Schon der Fischreichtum um die Insel ist beeindruckend, auch Engelhaie und Schmetterlingsrochen zeigen sich.

Von Linus Geschke

Extra Divers/ Vikar Skalevig

Langsam nähert sich das U-Boot seinem Zielobjekt. Leise surren die auf kleiner Fahrt laufenden batteriebetriebenen Motoren. Der Kapitän steuert noch ein Stückchen nach links und anderthalb Meter tiefer, dann passt die Position. Jetzt sind die beiden Schiffe - jeweils rund 40 Meter lang - genau im Visier. Liegen dort wie auf dem Präsentierteller. Dann kommen die Taucher.

Es sind keine Kampfschwimmer, die vor der Küste Puerto de Mogáns einen Torpedoangriff auf zwei Fischkutter verhindern wollen, sondern ganz normale Sporttaucher. Sie erkunden auch keine Wracks, die das U-Boot versenkt hat, sondern solche, die für das U-Boot versenkt wurden. Die Passagiere, die sich darin die Nasen an den Fenstern plattdrücken, sollen ja etwas zu sehen bekommen.

Zu sehen bekommen sie neben den Schiffen Georg Wolf, der einmal pro Woche mit seinen Tauchschülern herkommt. Wenn seine Kunden auf die Urlauber im Unterseebootes treffen, hat man das Gefühl, dass beide Gruppen füreinander die Hauptattraktion darstellen - und nicht die beiden Wracks, nicht die vielen Fische.

Das Unterseeboot mit seinem quietschgelben Anstrich wirkt so fröhlich, dass es glatt dem gleichnamigen Album der Beatles entsprungen sein könnte. Eine knappe Stunde dauert der Trip, dann sind die U-Boot-Fahrer wieder im Hafen und um 29 Euro ärmer. Und der Schreck über die Lautsprecherdurchsage des Kapitäns steckt ihnen noch in den Knochen, in der er schwere See meldete, und über die rot aufblinkenden Lämpchen, die das Alarmgeräusch begleiteten.

Venedig von Gran Canaria

Gran Canaria, das ist in der Vorstellung vieler Urlauber vor allem die Playa del Inglés, die von trinkfreudigen Kegelclubs bevölkert wird. Vielleicht noch die langgezogenen Sanddünen von Maspalomas. Puerto de Mogán jedoch ist anders. Es gibt in dem ganzen Ort nur ein nennenswertes Hotel, dazu viele Bars, Restaurants, Geschäfte. Der Hafen ist Anziehungspunkt für Segler aus aller Welt; die Einheimischen leben in dem ursprünglich gebliebenen Teil, der sich im Westen an die schroffen Berghänge schmiegt.

In letzter Zeit kommen auch vermehrt Taucher in den Ort, den die Bewohner aufgrund eines Kanals leicht großspurig das "Venedig von Gran Canaria" nennen. Angezogen werden sie von dem enormen Fischreichtum, dem man der Insel nachsagt - und der an Spots wie dem Wrack der "Blue Bird" so ausgeprägt ist, dass man als Taucher kaum glauben mag, auf den Kanaren zu sein. Seit 2002 liegt die Schiffsruine in 45 Meter Tiefe auf dem sandigen Meeresgrund, ein Biotop, das erfahrenen Tauchern vorbehalten ist.

Hier kommt auch das U-Boot nicht mehr hin. Außer den Tauchern sieht niemand die silbrig glänzenden Barrakuda-Schwärme, die um die Aufbauten kreisen. Die Engelhaie, die sich gut getarnt auf dem Sandgrund verstecken. Die Schmetterlingsrochen. Doch das beeindruckendste Bild wird von den zigtausend gelbschwänzigen Bastard-Grunzern erzeugt, die eine Wand aus Leibern bilden, hinter denen das Wrack fast gänzlich verschwindet.

Selbst Georg Wolf weiß nicht, warum gerade diese Fischart hier in solchen Massen vorkommt. Ein Grund könnte sein, sie er für die örtliche Fischerei aufgrund seiner hohen Anzahl an Gräten nahezu uninteressant ist. "Außerdem muss sie Raubfischen nicht sonderlich gut schmecken", sagt der Tauchlehrer. "Zumindest habe ich noch nie gesehen, dass Barrakudas an die Grunzer rangehen."

100 Tauchgänge sind Bedingung für "Blue Bird"

Das gilt auch für die jagenden Makrelen, die durch das Freiwasser ziehen. Auf einer Insel, deren Unterwassertopografie oftmals nur aus Sandflächen und Felsbrocken besteht, bieten Wracks eine Zuflucht. In ihnen suchen Jungfische Schutz, alle finden Nahrung und die Räuber ihre Beute. Nur 30 Meter ist die "Blue Bird" lang, und dennoch genügt ein Tauchgang nicht, um sich an ihr und dem Leben drumherum sattzusehen.

Allzu lange kann man nicht in dieser Tiefe bleiben, da ansonsten die Dekompressionszeiten zu schnell ansteigen. Nach spätestens 20 Minuten ist Schluss, der Aufstieg beginnt. "Generell ist Gran Canaria ja eher ein flaches Tauchgebiet", sagt Wolf. "Aber an der 'Blue Bird' setzten wir 100 Tauchgänge und eine gewisse Tiefenerfahrung voraus - ansonsten ist der Spot zu anspruchsvoll."

Für den Tauchlehrer, der seit 1994 auf Gran Canaria wohnt, ist Puerto de Mogán nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Heimat geworden. Hier will er für immer bleiben. Angebote, eine Tauchbasis in einem exotischeren Land zu übernehmen, hat er ausgeschlagen. "Natürlich mag es auf der Welt noch bessere Tauchgebiete geben", sagt er. "Aber hier habe ich ein richtiges Leben, nicht nur den Tourismus. Trotz aller Infrastruktur hat sich Puerto de Mogán etwas Echtes bewahrt. Der Ort, die Menschen, das ist alles real, nicht so künstlich."

Das mag stimmen - zumindest, bis das gelbe U-Boot kommt.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
sosonaja 13.08.2014
1.
Sobald man mit der Ölbohrung begonnen hat, ist alles zerstört. Auch in Spanien gibt es nur noch kriminelle Politiker.
GrinderFX 13.08.2014
2.
Zitat von sysopExtra Divers/ Vikar SkalevigVor Gran Canaria treffen Taucher und ein quietschgelbes U-Boot aufeinander - und stehlen den dort versenkten Wracks glatt die Show. Schon der Fischreichtum um die Insel ist beeindruckend, auch Engelhaie und Schmetterlingsrochen zeigen sich. http://www.spiegel.de/reise/europa/gran-canaria-tauchen-und-u-boot-fahren-in-puerto-de-mogan-a-985748.html
Ich fand es ganz nett auch wenn die Fische nicht sonderlich schön waren aber dafür kann ja keiner was. Für das Geld vollkommen ok und nett gemacht.
taglöhner 13.08.2014
3. Zu Bild 8
Engelhaie sind zwar träge und nicht angriffslustig und haben auch kein gefährlich scharfes Gebiss, sie als völlig ungefährlich hinzustellen ist aber gewagt: sie neigen manchmal dazu, wenn sie sich gestört fühlen, zuzupacken und einfach eine ganze Weile nicht mehr loszulassen. Kein Spielzeug für Säugetiere mit begrenztem Luftvorrat!
Hamberliner 14.08.2014
4. Organisierte Veranstaltungen im Urlaub? Nein, danke.
Zitat von sysopExtra Divers/ Vikar SkalevigVor Gran Canaria treffen Taucher und ein quietschgelbes U-Boot aufeinander - und stehlen den dort versenkten Wracks glatt die Show. Schon der Fischreichtum um die Insel ist beeindruckend, auch Engelhaie und Schmetterlingsrochen zeigen sich. http://www.spiegel.de/reise/europa/gran-canaria-tauchen-und-u-boot-fahren-in-puerto-de-mogan-a-985748.html
Dieses gelbe vermeintliche U-Boot (ohne Antrieb, muss geschleppt werden) ist mir in Pto. der Mogán auch aufgefallen, sowie die allgegenwärtige penetrante Reklame dafür. Die Touris, die es über sich ergehen lassen, als fremdbestimmte Schafherde sich pünktlich zu einem Termin da hinzubegeben und sich unter die Aufsicht eines Betreuers zu stellen tun mir leid. Wenn man kleine Individual-U-Boote mieten und selber fahren könnte würde ich mich vielleicht dafür erwärmen. Ich sehe das eher als Ausweg aus der Langeweile, die sich ergibt, wenn man mangels eigenem Fahrzeug da festhängt. Wenn man diesen Fehler gemacht hat, kann man ihn korrigieren indem man bei VEMOTOR in Gran Canaria eine BMW mietet. Wer dafür keinen Führerschein hat kann auch mit dem Mietwagen in die entlegendsten Ecken fahren und da ausgiebig wandern. Benzin ist auf den Kanaren übrigens spottbillig und kein Argument gegen ausgiebiges Erkunden der ganzen Insel. Die westliche Steilküste südlich von Agaete ist ein Gedicht, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Gegenüber ist bei klarem Wetter Tenerife zu sehen. Für alles, was per Flugreise nicht geht (Tauchausrüstung, eigenes KFZ) bietet sich als Alternative zum Flugzeug die Fähre von Naviera Armas an, die verbindet einmal pro Woche die Kanaren mit Portimao bei Zwischenstop in Madeira (mit Zeit auf Madeira etwas herumzufahren und sich wieder einzuschiffen). Die Marina von Pto. de Mogán (mit Reparaturwerft) sei auch Seglern empfohlen - wenn sie die Gesellschaft von Motoryachten nicht stört, mit einem riesigen Hochsee-Angler-Sitz dass man meinen könnte das Boot gehört einem Gynäkologen. Viel Spaß - venga.
azumi 14.08.2014
5. Wird nicht geschleppt
Das U Boot wird natürlich nicht geschleppt sondern fährt selber , es wird nur von einem Motorboot begleitet welches die Fische anfüttert und bei der Hafeneinfahrt dann wieder am U Boot fest macht . Den Trip kann ich nur empfehlen. ...
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