Insel Astypalea Zeit für Ouzo

In der griechischen Ägäis liegt ein Juwel: Astypalea. Touristisch ist die Dodekanes-Insel noch kaum erschlossen, die Bewohner versorgen sich und ihre Gäste selbst.

Verena Wolff/ TMN

Bettina Mohn kraxelt über die Felsen, in der Hand einen Korb. Sie sucht nach allem, was die karge Natur hergibt: Thymian, Salbei, Seefenchel - und Salz. Denn wenn das Meerwasser unter der heißen Sonne verdampft, bleibt feinstes Meersalz zurück. "Das Salz braucht man nicht zu kaufen, wenn man auf der Insel lebt", sagt Mohn.

Astypalea in der südlichen Ägäis ist winzig, dennoch ist Mohn bei ihren Streifzügen meist erfolgreich. "Zu jeder Jahreszeit hat etwas anderes Saison, und genau das wird dann zubereitet", erklärt die Deutsche, die vor mehr als zwei Jahrzehnten aus dem Rhein-Main-Gebiet ausgewandert ist.

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Auch in der urigen Taverne am Strand von Livadia werden traditionelle Gerichte mit ungewöhnlichen Zutaten gekocht. Da kommen Granatäpfel und eingelegte Zitronen in den Reissalat. Aus den frischen Doraden, die die Fischer jeden Tag fangen, wird ein Tartar gemacht. Einheimische wie Touristen rücken spätestens zum Ouzo an der großen Tafel zusammen.

Mancher Besucher spricht griechisch, mancher ein paar Brocken deutsch - doch mit Englisch kommt man am besten ins Gespräch. Zeit für einen Schluck Ouzo oder eine lebhafte Diskussion haben hier alle. Nichts treibt sie an. Jeder kennt hier jeden.

Das ist kein Kunststück auf einer Insel mit 1100 Bewohnern. Lediglich im August, wenn in Griechenland alle Ferien haben, kann es passieren, dass die 5000 Betten auf der Insel ausgebucht sind. Sonst aber ist es still. Gemütlich. Das größte Hotel hat 28 Zimmer und liegt am Hang mit Blick auf die Chora, den größten Ort der Insel. Auf dessen Anhöhe thronen die Ruinen einer alten Festung.

"Hier oben haben einst Hunderte Menschen gelebt, um sich vor den Angriffen der Piraten zu schützen, die im Mittelmeer unterwegs waren", sagt Maria Kampouri. Sie ist Historikerin und die zweite Bürgermeisterin der Insel. Tagsüber gingen die Menschen damals auf die Felder, die sie in den eigentlich eher kargen Bergen in der Umgebung terrassenförmig angelegt hatten. "Viele dieser Terrassen kann man heute noch sehen", sagt sie.

Wilder Thymian bedeckt teils ganze Hänge

Einen wahren Urwald von einem Garten gibt es oberhalb des Agios Ioannis, einem abgelegenen kleinen Strand. Einst lebte hier eine alte Frau, ganz allein in einem weiß gekalkten Haus auf dem Hügel. "Sie hat sich auch um den Garten gekümmert", sagt Auswanderin Mohn. Heute kann jeder in den Garten hinein und pflücken, was gerade reif ist: Granatäpfel, Weintrauben, Mandarinen. Auf den umliegenden Bergen wächst wilder Salbei, der unter der Mittelmeersonne seinen Duft verströmt.

"Die Pflanzen bekommen recht wenig Wasser, denn es regnet nur im Winter - wenn überhaupt", sagt Mohn. Darum seien Geschmack und Duft besonders intensiv. Ihre Ausbeute verarbeitet die Auswanderin zu Produkten, die sie auch nach Deutschland verkauft. Getrocknete Kräuter sowieso, aber auch eingelegte Zitronen, Chutneys oder Konfitüre. Neuerdings betreibt sie ihr eigenes Bistro "Safran". Dort bekocht sie ihre Gäste mit einheimischen Gerichten und neuen Kreationen.

Der wilde Thymian auf Astypalea, der teils ganze Berghänge bedeckt, lockt Bienen an. Überall sieht man hellblaue Kisten, in denen die Menschen ihre Bienen halten. Bis zu 80 Prozent des Honigs stammten vom Thymian, sagt Giorgios. Er ist um die 80 und lebt auf seiner Farm mit mehr als 200 Ziegen und einigen Dutzend Schafen. Und er macht neben seinem eigenen Honig Käse aus Ziegenmilch, nach Art seiner Vorväter.

Was nicht auf der Insel wächst, gibt es einfach nicht

Hart ist der Käse und kräftig - passend zu den süßen Früchten und den reifen Tomaten, die er aufgetischt hat. Zwar stehe eine moderne Maschine in seinem Schuppen, erklärt Giorgios, mit der er mehr Käse produzieren könnte. Doch die Anschaffung hat einen Haken: Es gibt keinen Strom in dem Raum. Also macht er weiter wie bisher, in einem Kupferkessel, mit Handarbeit und viel Gefühl.

Neben frischem Fisch und Meeresfrüchten steht Ziegenfleisch auch auf den Speisekarten vieler Tavernen. Bei Linda etwa, die in Kaminakia direkt am Strand ein uriges Restaurant betreibt. Sie macht auch Wein, einen süßen roten - wie sie ihn traditionell auf der Insel keltern. In einem Holzofen backt Linda mehrmals pro Woche Brot, das sie mit Anis würzt.

Die Ziegen, die von den Hängen rund um den Strand meckern, kommen freiwillig zum Melken zu ihr, wenn es an der Zeit ist. "Ich habe alle Produkte hier, die ich zum Kochen brauche", sagt sie. Was sie nicht hat, das gibt es einfach nicht. So halten es die meisten Restaurants auf der Insel.

Verena Wolf, dpa/abl



insgesamt 7 Beiträge
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La República 03.07.2017
1. Toller Reisetipp
Hoffentlich liest den Artikel niemand, damit das Juwel auch erhalten bleibt.
Casparcash 03.07.2017
2. @ La República
ja, das ist immer das problem. muss gestehen, dass ich nach der lektüre schon nachgesehen habe, wie ich hinkommen und wo ich unterkommen könnte. ist nicht so schwer und die insel liegt auch nicht so weit abseits der üblichen route.
nick-gr 03.07.2017
3.
Sobald es einen Fährenstreik gibt kommt man nicht runter von der Insel. Krankenhaus bzw. Ärzte gibt es nicht dort. Und sonstige annehmlichkeiten auch nicht. Tip: Ausserhalb der Haupttsaison anreisen.
peter79x 03.07.2017
4.
Griechenland hat wahrhaft traumhafte Ecken und liebenswerte Bewohner. Wie unrecht wir diesem Land oft tun, wenn wir es auf wirtschaftliche Aspekte reduzieren, für die die Bevölkerung ohnehin nichts kann.
exekias 04.07.2017
5. Schnittstelle Dodekanes-Kykladen
Durch die besondere Lage Astypaleas genau auf der Schnittstelle zwischen Dodekanes und Kykladen, liegt die Insel relativ abseits. Aufgrund ihrer Form auch Schmetterlingsinsel genannt, gehört zwar zum Dodekanes, architektonisch aber eher kykladisch
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