Krisenland mit Imageproblem: Griechenland will mit Schnäppchen Touristen anlocken

Alarm in der griechischen Tourismusbranche: Im Frühjahr gingen die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr um etwa die Hälfte zurück. Vor allem Deutsche sind sehr zurückhaltend mit Buchungen - jetzt sollen sie mit besonders günstigen Preisen gelockt werden.

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Corbis

Insel Skopelos: Preisnachlässe um bis zu 30 Prozent

Duisburg/Skopelos - Im Kampf um Touristen geht die griechische Sporaden-Insel Skopelos in die Offensive: Hotels, Mietwagenanbieter, Restaurants, Cafés aber auch Souvenirshops und Lebensmittelläden locken in diesem Frühjahr und Herbst mit Preisnachlässen um bis zu 30 Prozent. Mit der Schnäppchen-Aktion will die nur knapp 5000 Einwohner zählende Inselgemeinde Bilder von Ausschreitungen und Streiks im fernen Athen vergessen lassen. Aktuelle Zahlen der griechischen Notenbank zeigen einen dramatischen Einbruch der Tourismuseinnahmen in dem krisengeschüttelten Euro-Land. Vor allem die Deutschen bleiben weg.

So steht die idyllische Insel mit ihren Problemen nicht allein da: Als Reaktion auf ausbleibende Buchungen haben manche Hoteliers in Griechenland bereits auf den traditionellen Saisonstart zu Ostern verzichtet. Etliche wollen ihre Häuser in diesem Jahr erst im Mai öffnen, berichtete Panagiotis Skordas, Direktor der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt am Main. Große deutsche Reiseveranstalter werben mit deutlichen Rabatten um zögerliche Gäste.

Im Schatten der Finanzkrise geriet auch der Tourismus als der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes in Bedrängnis. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Griechenland-Buchungen aus Deutschland im zweistelligen Prozentbereich eingebrochen, heißt es aus der Branche. Noch im vergangenen Jahr hatten rund 2,5 Millionen Besucher aus Deutschland für ein sattes Plus von 13 Prozent gesorgt. Nun zeigen sich ausgerechnet die Deutschen als die wichtigste Gruppe unter den Griechenland-Touristen bei der Buchung in diesem Jahr zurückhaltend.

Enorme Verluste im Februar

Nach Zahlen der griechischen Notenbank gaben die deutschen Touristen im Februar 10,3 Millionen Euro in Griechenland aus, im Vorjahresmonat waren es noch 26,7 Millionen Euro. In der gesamten Tourismusbranche des Landes brachen die Einnahmen in den ersten beiden Monaten des Jahres verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um fast 45 Prozent ein. Die Touristenzahlen sanken zugleich um elf Prozent auf 618.400. Es kamen nicht nur weniger Touristen. Sie blieben auch kürzer im Land und gaben weniger Geld aus.

Hintergrund für die Zurückhaltung der Deutschen sei vor allem eine sehr emotional geführte Debatte und die Schuldenkrise in Griechenland, erklärt Anja Braun vom größten europäischen Reiseveranstalter TUI. "Griechenland hat kein Produkt-Problem. Griechenland hat ein Image-Problem", beschreibt Mathias Brandes vom TUI-Konkurrenten Thomas Cook die Situation.

Mittlerweile sei die Diskussion jedoch wieder abgeebbt, hoffen die Experten. Ob allerdings die Saison noch gerettet werden kann, ist fraglich. "Der Markt hat sich stabilisiert. Jeden Tag wird es besser", verbreitet Tourismus-Experte Skordas Optimismus.

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"Viele Hotels arbeiten zum Selbstkostenpreis"

Angesichts auf breiter Front gesunkener Preise für den Griechenland-Urlaub setzt die Branche darauf, viele der bislang leer gebliebenen Betten doch noch füllen zu können - und sei es zum Last-Minute-Preis. "Wir rechnen nicht mit einem ruinösen Preiskampf" dämpft Christian Weßels von Rewe-Touristik allerdings die Erwartungen allzu ambitionierter Schnäppchen-Jäger.

Falls alle großen deutschen Tourismus-Veranstalter werben derzeit mit Griechenland-Angeboten. Bei Rewe-Touristik verspricht man Preise, die im Durchschnitt um rund hundert Euro unter den Katalogpreisen liegen. Bei TUI hieß es, man habe die Preise bereits frühzeitig gesenkt. Reduktionen bis zu 20 Prozent verspricht Thomas Cook, das Duisburger Unternehmen alltours spricht von verlängerten Frühbucherfristen und Preissenkungen von bis 30 Prozent.

"Viele Hotels arbeiten zum Selbstkostenpreis", beschreibt alltours-Chef Willi Verhuven die derzeit angespannte Lage in Griechenland. Der Inhaber des Duisburger Unternehmens hat seine Karriere im Tourismus in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Griechenland gestartet. "Wir wollen schnell etwas tun, damit der Sommer 2012 für das Land kein verlorener Sommer wird", sagt Verhuven.

Uta Knapp, dpa

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